Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wehinger Viezpfad

Geschrieben am um 6:23

Der Wehinger Viezpfad stand schon sehr sehr lange auf meiner Wander-To-Do-Liste. Warum es erst jetzt geklappt hat? Ganz einfach, ich dachte an ungefähr 48 Wochen im Jahr, dass es doch viel schöner wäre, den Weg in Zeiten der Apfelblüte zu wandern. Und meisten haben ich eben diesen Zeitraum verpasst.

 

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Dieses Jahr hat es endlich funktioniert und mit an Bord waren meine luxemburgischen Wanderfreunde Camille und Christian. Ich gebe den beiden von Zeit zu Zeit Anschauungsunterricht, wie schön man im Saarland wandern kann.

 

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Auf dem ersten Abschnitt ergeben sich auf dem Wehinger Viezpfad geniale Ausblicke Richtung Saarschleife/Mettlach (man kann den Aussichtsturm des Baumwipfelpfads erkennen) und Richtung Merzig bis ins St.Wendeler Land (sogar der Schaumbergturm ist zu sehen). Immer wieder geht es durch Niederwald, früher wurden dort immer wieder die Bäum auf den Stock gesetzt, das heißt extrem beschnitten, so dass sie jetzt mit mehrerern dünnen Stimmen wie Blumensträusse spriessen.

 

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Manche Äste hängen auch über den Weg, da kann man leicht ein Brett vor dem Kopf haben. Okay, das obige Bild ist gestellt, aber ich bin tatsächlich bei einer kurzen Steilpassage, Blick auf den Boden, volle Lotte gegen einen Ast gedengelt, aua, aua, aua. Neu war mir, dass es auch „Sinnebänke“ gibt …

 

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… ich dachte immer, die hießen „Sinnenbänke“. Wenn man aber nicht mehr alle fünf Sinne zusammen hat, kann man es sich auch auf einer „Sinnebank“ gemütlich machen. Und dann endlich: Blühende Bäume!

 

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In diesem Jahr hat sich wegen des nass-kalten Mai die Apfelbaumblüte ganz schön verzögert, so dass auch noch Mitte Mai Baumschmuck vorhanden war.

 

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Natürlich hatte ich, um das Sinne-Erlebnis abzurunden, zwei Flaschen Viez mitgebracht. Der süsse war etwas konturloser, aber der feinherbe schmeckte großartig. Gefährlich ist, dass man im Unterschied zu Bier, Wein und Schnaps beim Viez den Alkohol nicht schmeckt. Nach den zwei Litern, die wir genüsslich gluckerten, konnte man beim Weiterwandern nur konstatieren: Da näherten sich drei schwankende Gestalten.

 

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Gegen Ende der Tour gingen wir über Almwiesen, um die der Allgäu das Saarland bestimmt beneidet, traumhaft. Ich wanderte durchs hohe Gras (mit kurzer Hose) und handelte mir vier Zecken an den Knöcheln und der Leistengegend ein. Ein runder Tag: Brett vorm Kopf, Apfelblüte, Viez-Genuss, zwei blendend gelaunte Luxemburger und vier glückliche Zecken!



Die Wanderfreundschaft

Geschrieben am um 6:23

Freundschaft ist ein großes Wort. Ich bin immer etwas vorsichtig, jemanden vorschnell als „Freund“ zu bezeichnen. Ich finde es daher auch etwas befremdlich, wenn ich bei Facebook Freundschaftsanfragen von Menschen bekomme, die ich mein Lebtag noch nie gesehen habe. Die Freundschaftsdefinition bei wikipedia: „Freundschaft bezeichnet ein … Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“ Wenn man das so sieht, habe ich schon viele solide Wanderfreundschaften geschlossen. Denn die gegenseitige Sympathie entsteht ja schon dadurch, dass man für die gleiche Leidenschaft brennt – eben das Wandern. Und Vertrauen muss man bei einer Wanderung sowieso haben: Vertrauen in die Orientierungsfähigkeit, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit- und bereitschaft, Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Wanderfreunds.

 

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So war es 2010, als ich das erste Mal mit Thorsten Hoyer wanderte, mittlerweile Dreihundert-Kilometer-Wanderweitstrecken-Weltmeister. Wir wanderfreundeten uns bei einem kurzen Spaziergang von 82 Kilometer an, meisterten Krisen und Durststrecken und gehen auch aktuelle immer wieder wandern – sogar manchmal mit den Kindern. Kürzlich wanderte ich mit einem Journalisten des BR (dazu mehr im Blog „Die Fehler“, coming soon). Schnell waren wir beim Wander-Du, aber die hohe Kunst der Wanderfreundschaft zeigte sich erst, als wir fast zehn Kilometer (wegen eines unnötigen Umwegs in strömendem Regen) größtenteils uns anschwiegen.

Eine Wanderfreundschaft hält es auch aus, wenn es auch größere Pausen zwischen den gemeinsamen Wandererlebnissen gibt. So sind die gemeinsamen Wanderungen mit meinen Wanderfreunden aus Oberboihingen eher überschaubar. Trotzdem existiert ein festes Band, aus Sympathie und Vertrauen. Und mittlerweile senden wir uns sogar Urlaub- und Weihnachtsgrüße.

Ich finde es schön, dass man eine zünftige und absolut analoge Leidenschaft wie das Wandern (inklusive extrem analogem Belohnungs- und Sinnierbier) auch größtenteils virtuell leben kann. Hintermstoaner und Markazero, meine beiden fränkischen Wanderfreunde aus Düsseldorf und Hamburg haben das Kunststück geschafft, schlaue Wandergedanken in den Kommentarspalten von andrackblogs mit realen gemeinsamen Wandererlebnissen zu verbinden. Nur beim nächsten geplanten Wanderfreundschaftsausflug besser mal zwei Wecker stellen, um nicht wieder zu verschlafen. Und besser keine Diskussionen über Zwölftonmusik.

 

 

Rot-weiß

 

Für mich hat die Wanderfreundschaft auch eine bildliche Entsprechung: Man hört förmlich den sozialistischen Gruß „Freundschaft!“ der unseligen DDR, wenn man das Emblem der Naturfreunde vor sich sieht: Ein kräftiger Händedruck von zwei freunschaftlich verbundenen Pranken. Sehr schön finde ich es übrigens, während einer Wanderung meine Freundschaft zu meinen langjährigen Freunden Markus und Victor zu vertiefen. Klar, wir treffen uns auch mal „einfach so“. Im Theater, beim FC, beim Grillen, bei Geburtstagen (falls wir letztere nicht gegenseitig vergessen), mit und ohne Familie. Aber die gemeinsamen Wanderungen treffen am ehesten den Kern unserer Freundschaften: Zuneigung, Sympathie und Vertrauen.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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