Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Das Hochgebirge

Geschrieben am um 6:23

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Georg Friedrich Wilhelm Hegel mochte das Hochgebirge nicht: „Der Anblick dieser ewig todten Massen gab mir nichts als die einförmige und in die Länge langweilige Vorstellung: es ist so“ notierte der Philosoph während einer Alpenüberquerung. Er als Flachlandbewohner „sehnt sich immer nach Erweiterung, nach Ausdehnung, und sein Blick stößt immer an Felsen an.“ Der arme Mann, keine Blicke, nur immer diese Felsen.

Jeder Wanderer weiß, dass es in der Tat große Unterschiede gibt zwischen dem alpinen und dem mittelgebirgigen Wandern gibt. Wenn es im Hochgebirge bergan geht, dann geht es meistens auch sehr sehr lange bergan. Im Mittelgebirge verlasse ich beispielsweise das Rheintal, steige – wenn es hoch kommt – 200 Höhenmeter hinauf und genieße den Ausblick. Im Hochgebirge gehe ich 1.000 Höhenmeter hinauf, steile Rampen und felsige Pfade. Und wenn ich Glück habe, bin ich dann schon auf dem Gipfel. Wenn ich Pech habe, bin ich erst an einer Alm, und dann geht es noch einmal hinauf bis zum Gipfelziel.

Dass man im Hochgebirge ist, merkt man auch daran, dass man im Frühling, April oder Mai, eine lustige Wandertour plant. Aber schnell wird klar, dass man erstens die falsche Klamotten angezogen hat, weil zweitens bei jedem Schritt die Temperatur um gefühlte zwei Grad sinkt und drittens man nicht ohne Schneeschuhe hätte loslaufen sollen, da man bei jedem Schritt einen halben Meter in den Schnee einbricht.

 

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Aber auch im Hochsommer hat das Hochgebirge für Wanderer Tücken. Denn viele alpine Pfade erfordern nicht nur Trittsicherheit, sondern auch eine starke Konzentration auf jeden Schritt. Das heißt, der Blick geht immer zum Boden, nicht in die Landschaft. Eigentlich schade, denn die Ausblicke im Hochgebirge sollen ganz schön sein, habe ich mir sagen lassen. Ganz ehrlich, so ein Bergpanorama ist natürlich phantastisch. Ich kann daher nicht das Bonmot von Marcel Reich-Ranicki verstehen, als er über alpine Blicke so urteilte: „Was heißt denn hier schöne Aussicht, da stehen doch überall Berge davor.“

 

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Wenn ich mich an einer Typologie des Hochgebirgswanderers versuchen sollte, würde ich behaupten, dass er am ehesten der Typ einsamer Wolf ist. Der Berg und ich, ein ewiger Kampf, wer ist stärker? Noch eine dreiviertel Stunde bis zum Gipfel? Der Ehrgeiz ist geweckt, das schaffe ich auch in einer halben Stunde. Ich frage mich, muss das echt sein?

 

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Nun ja, ihr habt schon gemerkt, summa summarum ist das nicht unbedingt mein Ding, dieses Wandern im Hochgebirge. Der Wanderpsychologe sagt: Wahrscheinlich bin ich in einer vorzivilisatorischen Phase stecken geblieben: Die Angst vor hohen, schroffen Bergen dominiert mich. Das Gebirge als Feind. In vergangenen Jahrhunderten haben die Postkutscher bei der Alpenüberquerung die Vorhänge des Wagens zugezogen, damit die Reisenden nicht durch den Anblick der schrecklichen Berge verstört wurden. Das sehe ich nicht so. Anschauen mag ich mir die Berge ganz gern. Allerdings sind sie meines Erachtens für das Wandern nicht unbedingt geeignet.

 

Dies ist ein gesponsorter Beitrag.



Der Nenniger Weinwandergenuss

Geschrieben am um 6:23

Kürzlich habe ich mit meinem luxemburgischen Wanderkumpel Christian die Weinwandersaison mit einer ganz besonderen Rundtour an der Mosel begonnen.

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Seit Juni ist der Dolinenweg im saarländischen Perl-Nennig offiziell eröffnet. Anstatt den Namen Dolinenweg zu wählen, wäre auch Nenniger Weingenussschleife eine passende Bezeichnung für die 9,4 lange Rundtour gewesen.

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Zu Beginn der Wanderung machten wir eine kleine Schleife durch den Ort Nennig, direkt an Dorfbrunnen, Kirche und alter römischer Villa vorbei. Schon die Römer haben Wein an der Obermosel angebaut, der Elbling (von lateinisch albus = weiß) ist dort seit 2.000 Jahren heimisch.

Oberhalb der Weinberge erreichten wir einen Wald, in dem noch einige Schützengräben des Westwalls zu erkennen waren…

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Warum heißt es eigentlich: Sie LAGEN in ihren Stellungen? Haben die Soldaten wirklich immer gelegen?

Vor der Wandertour hatte ich beim genialen Weingut Karl Petgen in Nennig eine kühle Flasche Auxerrois vom herausragenden 2018er Jahrgang besorgt.

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Bevor ich ins Saarland zog wusste ich es nicht: Saarländischen Wein gibt es nicht an der Saar (alle Saar-Weingüter, auch das Weingut Othgraven von Günter Jauch, liegen in Rheinland-Pfalz), sondern nur an der Obermosel gegenüber von Luxemburg in den Ortsteilen von Perl – Perl, Sehndorf und eben Nennig.

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An einigen Passagen des Dolinenwegs sahen wir Baumleichen, die von den letzten Stürmen umgehauen wurden. Einige Bäume waren zwar schon entwurzelt, aber noch nicht komplett umgestürzt. Gefährlich für die Wanderer, weswegen ich mich als finaler Baumwerfer verdient gemacht habe.

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Und dann endlich die Dolinen, Ausspülungen aus dem Kalkgestein, wenn ich das richtig verstanden habe. Etwas ratlos stand ich vor dem geologischen Phänomen der Schlucklöcher. Eigentlich ein gemeines Schimpfwort für exzessive Belohnungsbiertrinker.

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Eine andere Variante ist die Lösungs-Doline, ein kleines verschilftes Feuchtgebiet. Ganz ehrlich, Weinberge finde ich ästhetischer, und – so ein Zufall – auf dem Rückweg zum Schloss laufen wir durch die Weinberge des Weinguts Karl Petgen. Wir fanden die Rebreihen mit dem Auxerrois, den wir noch vor kurzem gekostet hatten: das ist Weinwandern in Perfektion

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Nach der Wandertour kann man in der “Scheune“ einkehren, dort gibt es gehobene Landhausküche und natürlich die Weine der Region. Wenn man etwas mehr Geld (und auch Zeit) mitbringt, empfängt einen gerne das Team von Christian Bau im Schloss-Restaurant. Bau ist einer von zwei saarländischen Drei-Sterne-Köchen, er kocht in der weltweiten Champions League. In so einem Drei-Sterne-Restaurant ist es allerdings angebracht, die Wanderkleidung zu wechseln, ein wenig Stil muss sein.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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