Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die Stille

Geschrieben am um 6:19

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Ich wandere durch den Wald. Und höre: Stille. Das macht mich glücklich, denn ich bin alltäglich mit reichlich Geräusch-Müll umgeben. Autos, Handys, Geschwätz, Klospülung. Logisch, dass man da Sehnsucht nach Stille hat, wenn man wandert. Aber gibt es eine wirkliche Stille beim Wandern? Gibt es überhaupt die perfekte Stille?

Um das herauszufinden, kann man eine kleine Übung machen: Begebt Euch an eine möglichst ruhige Stelle. Dann schließt bitte – natürlich erst nachdem ihr diesen Satz gelesen habt – Eure Augen und hört mal genau hin, was ihr in den nächsten sechzig Sekunden hört.

 

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Und? Wahrscheinlich habt ihr eine ganze Menge erlauscht, denn selbst in einem schalldichten Raum hört man seine Atemzüge. Daher ist klar: komplette Stille gibt es nicht. Man sagt ja, in der Wüste sei es sehr sehr still. Ich habe das ausprobiert, es stimmt nicht. 2008 bin ich in der Wüste gewandert. Und es war total unstill: Da fuhren Autos, der Wind wehte den Müll durch die Luft, die Schritte knirschten sehr laut im Sand. Wüstenstille gibt es nicht.

Aber warum es soll dann im Wald still sein? Da hört man die Vögel, das Bächlein, die knackenden Zweige unter den Schuhen, das Röhren des Hirschs (selten), das Rauschen der Baumwipfel im Wind. Das ist doch nicht Stille, oder vielleicht doch? Naturgeräusche sind die kleinen Geschwister der Stille. Zivilisationsgeräusche sind Unstille. Man sollte daher, finde ich, bei der Bewertung von Premiumwegen und Qualitätswegen auch die Audio-Qualitäten eines Weges berücksichtigen. Es gibt Negativ-Beispiele – ich möchte keine Wegenamen nennen – da wandert man auf hervorragenden Wegen, aber nebendran im Tal braust der Autobahnlärm. Das – geht – gar – nicht!

 

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Die richtige Wander-Natur-Stille um uns herum erlaubt es uns, den Kopf mit Gedanken zu füllen, ich schrieb darüber in einem früheren Andrack-Bär-Blog. Auch die Stille beim Gemeinsam-Wandern ist es etwas Wunderschönes. Die Gespräche, die man während einer Wanderung führt, sind meistens toll. Aber die Gesprächspausen sind es erst recht. Man stelle sich mal vor, man würde mit seinem Kumpel, seiner Frau, seinen Kindern eine Viertelstunde am Wirtshaus-Tisch sitzen und sich anschweigen – da würde jeder sagen, uiuiui, da stimmt aber was nicht. Beim Wandern zu zweit, zu dritt, zu viert ist das Schweigen wunderschön, die Stille wirkt auf die Seele.

 

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Der schweizerische Wander-Philosoph Robert Walser schrieb über seinen Spaziergang: „Von Zeit zu Zeit drang von außen her einiger schwache Lärm in die liebliche Abgeschiedenheit und reizende Dunkelheit hinein, dessen ferner Schall die herrschende Geräuschlosigkeit nur noch erhöhte, die ich recht nach Herzenslust einatmete und deren Wirkung ich förmlich trank und schlürfte.“ Genialer Typ, der Robert, das hätte ich nicht besser formulieren können. Jetzt aber genug gebloggt und gelabert. Ich brauche Ruhe und geh jetzt raus, eine schöne Portion Stille tanken.

 

Dies ist ein gesponsorter Beitrag.



Vollsteiler Getränkesamstag

Geschrieben am um 7:32

Letzten Samstag habe ich einige sehr intensive Getränke-Erlebnisse gehabt. Zunächst die wie immer tagsüber die sehr sympathische Weintour in München in der Alten Kongresshalle. Eine meiner Lieblingsweingüter ist das mittelrheinische Weingut Goswin-Lambrich in der Nähe der Türme- und Weinstadt Oberwesel. Die haben einen genialen fruchtige Riesling im Programm, voll schön, Vollsteil.

 

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Mein Lieblingsspruch des Tages kam von einem Ahr-Winzer, der sich einen Kommentar über das teilweise etwas „ausdrucksstarke“ und arg hölzerne Barrique-Aroma von Winzer-Kollege nicht verkneifen konnte: „Beim Barrique muss man aufpassen – ich bin schließlich Winzer und nicht Schreiner!“

Am Abend bin ich in Oberhaching bei München vollsteil gegangen. Schließlich konnte ich nicht die Vollversammlung der Brauereigenossenschaft Oberhaching verpassen (diese Brauerei gehört mir – teilweise – da ich Genossenschaftsanteile halte)

 

 

Als die Blaskapelle (mit dem Bürgermeister des Ortes an der Tuba) fertig gepustet hatte und das Fass mit dem phantastischen Kellerbier leer getrunken war, nötigte man mich, zur Altburschen-Wacht zu gehen.

 

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Stellt Euch eine Scheune am Ortsrand vor, darin eine Theke, viel Bier und vor allem der Maibaum in seiner ganzen Länge. Und der muss bewacht werden, damit ihn die bösen Buben der Nachbarorte nicht klauen.

 

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Der Maibaum glänzte grellweiß, als wäre er frisch gestrichen worden. Musste ich mal testen und siehe da, er war sehr kürzlich gestrichen worden. Wohin jetzt mit dem klebrigen Finger, na ja, den konnte ich elegant an der Außenwand der improvisierten Scheunen-Kneipe abstreifen, in Bayern macht sich die Farbkombination blau und weiß doch immer ganz hübsch.

 

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Schade, dass ich nach einem weiteren Tag auf der Weintour am Sonntagabend schon wieder ins Saarland fahren musste. Daher habe ich es verpasst, am Montag die jährliche Rendite meines Genossenschaftsanteils beim Oberhachinger Getränkehändler einzulösen …

 

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… für den kleinen roten Bierbon hätte ich eine Kiste Kellerbier bekommen.

 



Saar Statut

Geschrieben am um 6:23

Ihr glaubt, dass Saarland sei in Deutschland überrepräsentiert? Stichwort AKK, Heiko Maas, Peter Altmeyer, Sarah Wagenknecht Heinz Becker und Patrick Herrmann? Falsch, komplett falsch. Denn das Saarland gehört gar nicht zu Deutschland, weil sich die Einwohner in der entscheidenden Abstimmung 1955 entschieden haben, ein eigenständiger europäischer Mustertstaat zu sein. Seitdem befinden sich alle europäischen Institutionen im Saarland. Gut so, man stelle sich vor, die wären in Brüssel oder so.

Doch die heile saarländische Welt bröckelt, seit saarländische Rechtspopulisten aus der EU austreten wollen. Es hat sich im eigenständigen Saarland allerdings eine große Gegenbewegung formiert, die FÜR das Saar-Statut kämpft.

 

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Kürzlich nahm ich an einer großen Demo-Wanderung in deutsch-französischen Grenzgebiet bei Berus teil. Aus Deutschland war ein Kamerateam des ZDF angereist, um über die engagierten, proeuropäischen Saarländer zu berichten.

 

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Im französischen Berviller trafen wir auf Dutzende Gemeindemitglieder, die gerade aus der örtlichen Festhalle strömten. Auch sie waren komplett proeuropäisch eingestellt, keiner trug eine gelbe Weste. Auf dem Dorfplatz ein Interview mit dem ZDF.

 

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Bei dieser Wanderung war auch meine Tochter Nika dabei. Für die saarländischen Kinder ist es ja unbegreiflich, dass es in grauer Vorzeit so etwas wie Grenzsteine oder Schlagbäume gegeben hat. Völlig verrückt!

 

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Die Wanderung war ein Bestandteil der Doku-Fiction „das Saar-Statut“ von Michael Koob, mehr Infos unter www.statut.eu



Die Anstrengung

Geschrieben am um 6:23

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In meinem Buch „Du musst wandern“ vertrat ich die äußerst steile These, dass Wandern eine Art Hochleistungssport sei, Schwitzen und Blasen an den Füssen inklusive. Im Klartext: Jede Tagestour unter 30 Kilometer sei doch eigentlich etwas für Weicheier. Nun ja, das ist ja auch schon fünfzehn Jahre her, im jugendlichen Leichtsinn schreibt man halt so etwas. In den letzten Jahren wurde ich dann immer mehr zum fanatischen Genusswanderer. Es gab kleine Ausreißer, beispielsweise einen Fünfzig-Kilometer-Marsch und einen Wandermarathon. Aber das war echt nicht mein Ding.

Doch je öfter ich kurze und kürzeste Wege ging, desto mehr hatte ich dann doch Sehnsucht nach einer kernigen Tour. Denn bei aller Wander-Wellness, fluffig geschlurften Spazierpremiumwegen und Waldbadetagen wurde mir klar: Manchmal macht es auch einfach Spaß, sich so richtig bei einer Wandertour zu verausgaben, seinen Körper zu spüren, beim Anstieg zu schwitzen und kaum Luft zu bekommen. Ohne Anstrengung ist ein Gipfelblick nun mal nix wert, man könnte ja auch einfach mit der Seilbahn hochfahren.

Daher bin ich in den letzten Monaten verstärkt längere Premiumwege aus der Kategorie „sportlich“ gelaufen.

 

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Ich habe ein wenig darauf geachtet, was das mit mir und meinem Körper macht. Der Start einer anspruchsvollen Wanderung ist meistens hart, vor allem, wenn es mit einem knackigen Anstieg losgeht. Ich bin leichter Asthmatiker, daher huste ich einige Mal, wenn der Körper in den Wandermodus springt. Ich finde das eigentlich schön, es ist ein wenig, als wenn ein Pferd nach dem ersten Galopp des Tages befreiend schnaubt und wiehert. Dann erst macht es sich locker. Ich habe von meinem Arzt wegen des leichten Asthmas sogar schon ein Cortison-Spray verschrieben bekommen. Aber das benutze ich nicht, man stelle sich vor, ich käme in eine Wander-Doping-Kontrolle und müsste wegen der Einnahme verbotener Substanzen eine lebenslange Wandersperre fürchten – eine Horrorvorstellung!

Gerade auf den ersten Kilometern spüre ich extrem meine Beine, besonders die Oberschenkel. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich fast jede Wanderung zu schnell angehe, dann wird die Muskultur sauer und das tut dann weh. Aber wenn einem beim Anstieg die Beine schmerzen, ist das wirklich so schlimm? Nein, das ist mein Körper, der gerade etwas leistet, nämlich mich den Berg hinauf zu wuchten, und die Anstrengung darf man ruhig spüren, finde ich. Ist es schon Masochismus, wenn man das ab und an sogar genießt? Ich habe meinen Kindern vor einer Wanderung immer gesagt, kommt mir nicht damit, dass Eure Beine weh tun – das passiert Euren Eltern genauso. Aber spätestens beim Belohnungsbier, so mein väterlicher Rat, ist das alles vergessen.

 

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Ich finde es auch toll, gerade bei winterlichen Wandertouren, wenn ich vor Anstrengung schwitze. Ich brauche keinen aufwändigen Saunagang, ein wenig Anstrengung während der Wandertour, schon klappt das mit dem Schwitzen und Keuchen. Natürlich habe ich nach einer richtig strammen Tour auch manchmal Rücken. Aber das ist doch schön! Denn, dass heißt doch nur, dass ich vorher die Rückenmuskulatur nicht ausreichend gestärkt habe. Das ist das ist doch das Großartige an der Wanderanstrengung: Wenn ich mich ordentlich verausgabe, ist es bei der nächsten Tour gar nicht mehr so schlimm, weil ich einfach fitter bin. Und das ganz ohne Wanderdoping!

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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