Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Bahnhofseinkehr IV: Gaffel am Dom

Geschrieben am um 8:55

Teil Vier der spektakulären Reihe „Die-wo-kehre-ich-in-Deutschland-in-Bahnhofs-Nähe-ein-wenn-ich-eher-wenig-Zeit-habe-Gaststätten. Heute: Gaffel am Dom in Köln. Eigentlich natürlich sehr bitter, wenn meine Heimatstadt nur Durchgangsstation ins Saarland ist. Aber immer noch besser, eine kurze Pause an der schönsten Kathedrale der Welt einzulegen, als im Zug vorbei zu rasen und Tränen der Heimatliebe zu vergießen. Regel Nummer Eins: Nie den Hauptbahnhof in nördlicher Richtung (Breslauer Platz) verlassen, da man ansonsten von schlimmen Depressionen besucht wird.

 

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Nein, man sollte zum Haupteingang hinaus gehen, dann direkt auf die gegenüberliegende Seite des Bahnhofsvor-Platzes (der übrigens nicht die Domplatte ist!!!) und schon sitzt man draußen bei Gaffel am Dom und hat ein Kölsch in der Hand. Im Winter muss man noch dreißig Meter weiter gehen und dann in die Brauwirtschaft hinein. Von April bis Oktober ergeben sich im „Biergarten“ aufregende Ausblicke

 

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Ich sage nur: Ein Hurra! Auf die blaue 1. FC Köln-Jacke! Dazu eines der beeindruckendsten Bauarbeiter-Dekoltées, das ich jemals gesehen habe.

 

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Das weltgeschichtlich Bedeutsame der Bier-Tränke vor dem Bahnhof ist offensichtlich: Denn Köln ist zur Chiffre geworden, bei „Köln“ denkt mittlerweile jeder an jene verhängnisvolle Silvesternacht 2016. Selbst die New York Times assoziiert mit „Köln“ nicht Karneval, Dom und den Effzeh, sondern triebgestörte Kriminelle (die übrigens alle von Frau Merkel persönlich nach Deutschland eingeladen wurden, wer das bestreitet, ist Fake-News-Opfer), die auf der Domplatte Jagd auf Frauen machten.

 

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Weil Gaffel am Dom oft eine Durchgangsstation für mich ist, gelingt es mir nie, den Deckel rund zu trinken. Für einen Kölner eigentlich unverzeihlich.



Kölle – Du bes e Jeföhl!

Geschrieben am um 11:41

Liebe Freunde des glorreichen 1. FC Köln. Alles ist zur Zeit in Butter: Souveräner Tabellenführer der 2. Bundesliga. Der Vorstand ist wieder komplett. Und dann noch diese Hammer-News, die Top-Nachricht des Tages auf fc.de:

 

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Da kann man sich doch einfach genüsslich zurücklehnen, und die nächsten rauschenden Fußballfeste genießen. Doch obacht! Ich kann nur warnen, sich in selbstgenügsamer Zufriedenheit mit Wurst und Kölsch abspeisen zu lassen. Wir müssen einen Plan für die Zukunft haben. Wir müssen das Team für die erste Liga fit machen, mit Top-Fußballern, die zur Stadt und zum Verein passen. Ich will Armin Veh nicht in sein Geschäft rein reden (das haben schon genug andere in letzter Zeit gemacht), aber ich habe eine Granate in der Regionalliga Südwest entdeckt: Niklas Kölle vom FSV Mainz II

 

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Was wäre das für ein Transfer. Alleine das Gänsehautgefühl bei der Mannschaftsvorstellung: „Mit der Nummer Elf – Niklas (und dann das ganze Stadion) Kölle – du bes e Jeföhl!“ Herrrrrlisch. Und falls Niklas Kölle in Mainz unabkömmlich ist, kann man auch seinen Bruder Robin Kölle von der U19 von Wolfsburg verpflichten. Dann steht der Champions-League-Qualifikation nichts mehr im Wege.

 

 

 

 



Der Nachfahre von Wanderschäfern – man hätte es Ahnen können

Geschrieben am um 6:23

Eine ewige Streitfrage ist, ob man das was man ist – Charakter, Vorlieben, Aussehen, Verhalten – ob das alles so ist, weil man eben so ist (genetische Festlegung) oder weil man so wurde (alles anerzogen/die Gesellschaft ist schuld). In der Forschung schlägt das Pendel ganz stark in Richtung genetischer Vorprägung, wobei damit natürlich nicht sämtliche menschlichen Defizite zu erklären/zu entschuldigen ist. Trotzdem bin ich immer davon ausgegangen, dass ich wandere, weil ich das von meinen Eltern so gelernt habe. An eine genetische Wanderprägung hatte ich nie gedacht.

 

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Vor ein paar Wochen habe ich seit langer Zeit mal wieder in meinem Buch „Von wem habe ich das bloß: Auf den Spuren der Ahnen. Eine Gebrauchsanweisung“ gelesen. Ich weiß nicht wie das anderen Autoren geht, aber ich lese selten in meinen alten Büchern, ich habe sie ja geschrieben. Allerdings muss ich auch 12 Jahren nach Erscheinen des Werks sagen: das ist ein richtig gutes Buch. (Diesen Hang zum Eigenlob, woher habe ich das bloß?). Ich habe in diesem Buch viel ausprobiert, um meinen Ahnen auf die Spur zu kommen (Archive, Vor-Ort-Recherche, genetische Tests, Namensforschung), aber ich hätte nie eine genealogische Verbindung zu meiner Wanderleidenschaft gesucht.

 

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Glücklicherweise hat mich der rührige Chef des Kreismuseums Bad Liebenwerda zu einer Lesung über genau jene Ahnenforschung in sein Museum eingeladen. Er hatte mir schon vor zwölf Jahren bei der Recherche geholfen, und hat nun neue Andracks in der Region entdeckt. Unter anderem den Martin Andrack und den Johann Georg Andrack aus dem 18. Jahrhundert. Und die beiden Andrack-Jungs waren – Wanderschäfer. Die genaue Verbindung zu den beiden habe ich noch nicht herstellen können, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch extrem hoch, dass die beiden meine Ahnen sind. Wanderschäfer als Vorfahren, das erklärt doch einiges: Die Outdoor-Affinität, den Hang zum Geschichten Erzählen, die Zeiteinteilung in Schäferstündchen.

 

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Ich habe bei meinem Besuch in Bad Liebenwerda natürlich auch meinen dortigen Familienzweig besucht, die ich erst vor 12 Jahren kennengelernt habe. Durch einen Ururgroßvaterschaftstest mit Helmut Andrack konnte (fast) zweifelsfrei festgestellt werden, dass ich mit 99,98570699 Wahrscheinlichkeit mit ihm verwandt bin.

 

Verwandte

 

Helmut Andrack (rechts im Bild) ist, obwohl er in diesem Jahr achtzig Jahre alt wird, mein Neffe, genau genommen der Großneffe vierten Grades, denn Johann Christian Andrack (geboren 1795) ist sein Urururgroßvater, aber mein Ururgroßvater, ein Ur- weniger. Ebenfalls traf ich in Bad Liebenwerda Herrn Graeff, auch entfernte Andrack-Verwandtschaft. Herr Graeff (links im Bild) betreibt als Baumschullehrer eine Baumschule, die im 19. Jahrhundert von Eduard Andrack gegründet wurde. Baumschule, da fällte es mir wie Schuppen aus den Haaren, da hätte ich auch früher drauf kommen können – eine genetische Prägung für meine Liebe zu den deutschen Wäldern. Und schon wusste ich wieder ein wenig mehr, von wem ich das bloß habe …



Die Gedanken

Geschrieben am um 6:23

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Wenn es um das Thema „Wandern“ geht, werde ich von Journalisten oft gefragt, ob man sich beim Wandern nicht den Kopf leer und frei wandern könnte. Die Antwort ist: Nein. In jedem wandernden Kopf, der prinzipiell mit Inhalt gefüllt ist, fängt beim zu Fuß gehen das große Denken erst an. Das können ganz banale Gedanken sein, aber auch weltbewegende, philosophische, anspruchsvolle Gedanken. Schon Montaigne sagte: „Meine Gedanken schlafen ein, wenn ich sitze“. Und Rousseau gestand: „Ich kann nur beim Gehen denken“ Man denke an Kant mit seinem täglichen Spaziergang in Königsberg zur gleichen Uhrzeit. Oder an die Peripatetiker der Antike, die nur im Gehen philosophiert haben. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat es auf den Punkt gebracht: „Ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen. Und ich kenne keinen Gedanken, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen los würde.“ Diese Erfahrungen habe ich auch immer wieder gemacht: Beim Wandern – Voraussetzung: man wandert alleine – fliegen einem die guten Ideen zu. Und umgekehrt: Probleme, beruflicher oder privater Art, lösen sich beim Wandern. Und nicht nur einfach, weil man besser drauf ist, nein: plötzlich ergeben sich Lösungsansätze, auf die man im Sitzen nicht gekommen wäre. Beim Wandern kann man gordische Knoten entwirren.

 

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Aber warum lässt es sich beim Gehen so leicht denken? Es hat etwas mit der frischen Luft in Verbindung mit Bewegung zu tun. Das regt – ich bin kein Neurologe, daher formuliere ich es unfachmännisch – wahrscheinlich die Ganglien an. Frei nach Hape Kerkeling: Das Gehirn muss an die frische Luft. Allerdings gibt Wander-Guru Jürgen von der Wense zu bedenken: „Man sollte nicht nachdenken beim Wandern, nur vordenken. Das Denken nimmt uns die Leichtigkeit mit den Blicken.“ Nun ja, wenn es so einfach wäre, lieber Herr von der Wense. Die Gedanken sind ja frei, wie es in dem berühmten Volkslied heißt, diese Gedanken machen doch meistens was sie wollen. Recht hat er aber in der Tat, dass wir bei betörenden Ausblicken, ausgesetzten Pfaden, beim Wandeln am tiefen Abgrund, keine Gedanken an den Haustürschlüssel, die nächste Aktion in der Harald Schmidt Show oder das Höhlengleichnis verschenken. Dann übernehmen die Sinne, die Gefühle, meinetwegen auch der Überlebensdrang das Steuer im Kopf. Aber wenn man wieder ruhiger dahin schreitet, dann kann ist man wieder ganz bei sich und kann den Gedanken freien Lauf lassen.

 

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Keiner hat so wundervoll das Denken Müssen und Dürfen beim Gehen beschrieben wie der österreichische Schriftsteller Robert Walser: „Ohne Spazieren wäre ich tot, und mein Beruf, den ich leidenschaftlich liebe, wäre vernichtet. Ohne Spazieren würde ich ja gar keine Beobachtungen und gar keine Studien machen können. Auf einem schönen und weitschweifigen Spaziergang fallen mir tausend brauchbare nützliche Gedanken ein. Spazieren ist für mich nicht nur gesund und schön, sondern auch dienlich und nützlich. Ein Spaziergang fördert mich beruflich und macht mir zugleich auch noch persönlich Spaß und Freude.“

Ich wünsche Euch, interessante, wertvolle oder einfach auch „nur“ schöne Gedanken, lasst die Wander-Gedanken von der Leine!

 

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Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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