Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Leidingen und Leiding

Geschrieben am um 6:23

Ich wollte mal nach dem rechten sehn. Und nach den Rechten sowieso. Denn beunruhigende Nachrichten erreichen uns seit einigen Wochen aus Frankreich. Von den Gelbwesten wird verbreitet, der deutsch-französische Freundschaftsvertrag (in dem unter anderem die Förderung der Zweisprachigkeit in Lothringen und dem Elsass postuliert wird) bereite eine Übernahme von Lothringen und dem Elsass durch Deutschland vor. Metz und Straßburg also wieder deutsch? Eine unfassbar stumpfsinnige Verschwörungstheorie, aber es gibt anscheinend Menschen, zumindest französische Gelbwesten, die daran glauben. Außerdem fordert einer der prominentesten Gelbwesten, die Armee solle die Führung des Landes übernehmen, Frankreich also eine Militärdiktatur werden.

 

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Glücklicherweise ist die französische Grenze bei mir im Saarland um die Ecke, so war ich schnell in Leidingen, ein sehr bilateraler Ort. Getrennt durch die Neutrale Straße gibt es im Osten den deutschen Ortsteil Leidingen, im Westen den Ortsteil Leiding. Überraschenderweise wehen noch zwei Fahnen an der Straße, und die Armee ist auch nicht zu sehen.

 

 

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Dafür muss man schon genau hinschauen, um zu bemerken, in welcher Nation man gerade wandert. Um es den Wanderern auf dem Grenzblickweg von Leidingen leichter zu machen, gibt es den Hinweis, wann man wo in Frankreich ist. Aber wer Augen im Kopf hat und eine botanisch versierte Ehefrau an seiner Seite, braucht gar keine französischen Zusatzmarkierungen

 

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Denn die opulenten Mistelbäume signalisieren überdeutlich, dass die Heimat des Druiden Miraculix nicht weit sein kann. Denn wer braucht sonst schon so gewaltige Mengen an Misteln? Außerdem, ich schwöre, haben wir ein totes Wildschein im französischen Straßengraben gesehen, welches ich aus Gründen der Pietät nicht fotografiert habe. Obelix war wohl satt.

 

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An der Gedenkstelle einer kleineren Schlacht des 2. Weltkriegs um die Eroberung der Höhe 335 fanden wir ein schönes lothringisches Gedicht, noch nicht von militanten nationalistischen Gelbwesten übermalt. Überraschenderweise enthielt das Gedicht große Ähnlichkeiten zum kölschen Idiom: Der „Kopp“, die „Sprooch“, dat is original kölsche Sprooch.

 

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Fazit der Frankreich-Inspektion. Alles (noch) gut beim Nachbarn, und die Marianne und der Michel haben sich noch doller lieb als die Angie und der Emmanu. So sollte es doch auch sein, finde ich.



Die Vorfreude

Geschrieben am um 6:23

 

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„Vorfreude ist die schönste Freude“. Diesen Spruch meiner Eltern habe ich immer gehasst: Das habe ich immer zu hören bekommen, wenn es mir als Kind nicht schnell genug gegangen ist. Nach der Ankunft in der Ferienwohnung direkt an den Strand? Neeein, erstmal alles auspacken, denn: „Vorfreude ist die schönste Freude“, furchtbar, ich hätte die eigentliche Freude liebend gerne mit dieser blöden Vorfreude getauscht.

 

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Mittlerweile sehe ich das anders. Besonders die Vorfreude auf eine Wanderung ist großartig. Ich rede nicht von der Planung einer Tour, die kann Wochen oder Monate vorher stattfinden. Ich meine die Vorfreude, wenn ich morgens aufwache und weiß: Gleich geht es los. Ich meine die Vorfreude bei der Anreise mit Bahn oder Auto – die Landschaft ändert sich und kündigt zukünftige Wanderabenteuer an. Und ich meine vor allem Dingen die Euphorie auf den ersten Wanderkilometern.

Ein Wanderkumpel hat mir verraten, wann er das perfekte Wanderglück empfindet: beim ersten Weizenbier nach der Wanderung – und während der ersten Minuten einer Wandertour. Das ist eigentlich logisch: Mit dem ersten Weizen kehren die Kräfte zurück, aber am stärksten fühlt man sich zu Beginn einer Wanderung. Oft habe ich mich gefragt: Wie bitte, der Rundweg soll nur 12,8 Kilometer lang sein – ich bin bereit für einen Wandermarathon – mindestens! Solcherart Hochgefühle durchströmen die Wanderer zu Beginn (fast) jeder Tour.

 

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Schmetterlinge im Bauch kennt jeder, der sich frisch verliebt hat. Aber man kann sich auch auf eine Wanderung so sehr freuen, dass einem das Herz bis an den Hals schlägt. Gerade zu Beginn einer Wandertour schießen die Endorphine ein, das Wanderglück wird selten intensiver erlebt. Denn wir haben noch nicht die Mühen des Weges erlebt, die fordernden Steigungen, den durchnässenden Regenschauer, die ruhetagende Waldgaststätte. Nein, zu Beginn einer Wanderung herrscht eitel Sonnenschein, auch wenn das Wetter schlecht ist.

 

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Wir freuen uns auf all das, was wir erleben werden, die phantastischen Ausblicke, die Natureindrücke, den intensiven Gedankenaustausch mit dem Wanderkumpel. Das ist Wander-Vorfreude pur.

Voraussetzung ist, dass unser Wanderplan ein guter ist, die Bekleidung wettersicher, die Schuhe bequem und griffig. Um Vorfreude zu erleben sollte man allerdings Wanderer sein, nicht Pilger. Das ist leider so – Wanderer erleben Vorfreude, (viele) Pilger leiden an ihrem Weg. Wie schrieb Hape Kerkeling in seinem Pilgerbuch: „Mir macht das Laufen einfach keinen Spaß. Ich finde den Weg toll, aber das Gehen als solches macht mir nicht die geringste Freude.“ Der Arme: keine Freude am Gehen, das ist wirklich schade.

Ich zelebriere aktuell meine Vorfreude, diesen Blog zu schreiben. Denn es ist der erste Bär-Blog 2019. In diesem Jahr werde ich regelmäßig über viele grundlegende, fundamentale, aber auch auf den ersten Blick banale Wander-Weisheiten bloggen. Auf baer-schuhe.de und andrackblog.de und – ganz neu – bald auch bei facebook. Und diese Blog-Vorfreude ist so schön, dass ich gerne unterschreibe, was ein Leben lang meine Maxime war: Vorfreude ist die schönste Freude!

Dies war übrigens ein gesponserter Beitrag!



Fuko – Geht doch!

Geschrieben am um 9:41

Kürzlich war ich Teilnehmer eines Kongresses in Berlin. Es ging um das Thema Fußverkehr. Zunächst dachte ich, Fußverkehr wäre irgendein Schweinskram für ganz spezielle Erotik-Fetischisten.

 

 

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Aber ich lag komplett daneben. Denn auf dem 2. Fußverkehrskongress Deutschlands – kurz und liebevoll Fuko genannt – ging es um die Fortbewegung auf den eigenen Füßen als Teil des Straßenverkehrs. 350 Kommunalpolitiker, Raumplaner und Architekten aus allen deutschsprachigen Ländern tauschten Erfahrungen und Visionen aus. Ich habe viel gelernt. Zum Beispiel wusste ich nicht, wie viele Autofahrten eigentlich komplett überflüssig sind, und problemlos zu Fuß zu erledigen wären. Genau ein Zehntel aller Autofahrten sind unter einem Kilometer lang. Die berühmten Fahrten zum Bäcker oder zum Briefkasten. Ein Wahnsinn! Wer nicht gehbehindert ist, kann das ohne Probleme zu Fuß erledigen. Genauso wie die zwölf Prozente alle Autotouren, die unter zwei und die 25 Prozent aller Autofahrten, die nur unter fünf Kilometer lang sind. Theoretisch könnte man also fast die Hälfte sämtlicher Autofahrten vermeiden, wenn man öfter zu Fuß gehen würde.

 

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Am Nachmittag des ersten Konferenztags machten sich alle Teilnehmer daran, selber zu Fuß zu gehen – vom Versammlungsort in der Nähe der Friedrichsstraße zu Landesvertretung Nordrhein-Westfalen südlich des Tiergartens.

 

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3,6 Kilometer, ein schöner Spaziergang. Wenn allerdings in Berlin 350 Menschen wandern, von einem Ort zum anderen, dann muss das bei der Polizei angemeldet werden. Und schwuppdiwupps wird aus dem Spaziergang eine Demonstration mit Blaulicht und abgesperrten Straßen.

 

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Ich glaube, es wäre viel geholfen, wenn alle vierzig Millionen Wanderer in Deutschland entdecken würden, dass auch der Fußweg zum Bäcker, durch die Stadt, zum Gassigehen und zum nächsten Ort Spaß macht. Nebenher tut man noch etwas fürs Klima und die eigene Gesundheit. Geht doch!

 

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Die Langversion des Fuko-Textes könnt ihr im aktuellen Wandermagazin Nummer 201 nachlesen.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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