Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Der Wald verändert sich

Geschrieben am um 8:07

Der Wald verändert sich, nicht nur in NRW. Jeden Freitag gibt es einen neuen You-Tube-Clip auf der Facebook-Seite von Wald und Holz NRW und dem Youtube-Kanal von Wald und Holz NRW. Ich erkunde als Waldbotschafter, was los ist in unseren Wäldern. Eine Menge Holz liegt nicht nur vor der Hütte, sondern im Wald herum, daran werden wir Wanderer uns gewöhnen müssen.

 

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Wieder was gelernt: Die aufeinander geschichteten Baumstämme heißen nicht Holzstapel oder Holzhaufen, sondern Holzpolter. Das Holzpolter. Und nach diesem trockenen Sommer gibt es, Holterdipolter!, eine riesige Menge Holz am Wegrand, so gewaltig, dass es nicht genug Holzlaster gibt, es in die Sägewerke zu fahren. Warum das so ist, erklären mir in einigen You-Tube-Clips die Förster von Wald und Holz NRW. In Kurzform: Durch den trockenen Sommer konnten sich der Borkenkäfer derart vermehren, dass er zwei Millionen Fichtenbäume kaputt gemacht hat. Die müssen jetzt schnell gefällt werden und raus aus dem Wald, sonst droht akute Ansteckungsgefahr.

 

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Wegen der Trockenheit hatte die Fichte keine Möglichkeit sich selbst (mit Harz) gegen die kleinen Monster zu wehren. Gifteinsatz ist nicht zielführend. Also muss im Endeffekt die ganz große Waffe gegen den kleinen Quälgeist Borkenkäfer eingesetzt werden: Der Harvester, der im Minutentakt die Fichten aus dem Wald holt. Ein brachiales Schauspiel.

https://www.youtube.com/attribution_link?a=ecReyVeuj3fAvLje&u=/watch%3Fv%3D_LLld1HCd28%26feature%3Dem-share_video_user

Die Förster staunten, dass ich noch nie einen Harvester in Aktion gesehen hätten. Diese Witzbolde: wenn das Ding in Aktion ist, ist doch der Waldweg gesperrt – und ich würde natürlich nieeeee-mals einen gesperrten Waldweg betreten.

Aber daran werden wir uns in unseren Wander-Wäldern gewöhnen müssen: Öfter einmal gesperrte Wanderwege, damit die Forstbetriebe der dramatischen Lage Herr werden. Bitte habt Verständnis! Und man muss sich an den Anblick neuer Kahlflächen gewöhnen müssen …

 

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Und manchmal sieht das ja auch richtig schön aus. Denn auch das muss man sagen: Die Borkenkäferplage dieses Jahres beschleunigt den Waldumbau – mehr klimaresistente und schädlingsresistente Baumarten, weg von der Fichte, mehr Mischwald. Und Abwechslung im Wald ist ja auch schön für alle Wanderer.



Verlasst die Wälder!

Geschrieben am um 7:00

Kann man überhaupt noch in den Wald gehen? Als Wanderer gehört zur Glücksgrundausstattung, sich im Wald und der Natur wohl zu fühlen, Kraft und Glück aus dem Aufenthalt und der Bewegung im Wald zu schöpfen. Aber was ist, wenn man im Wald auf Leute trifft, die man dort gar nicht sehen, geschweige denn treffen will? Nein, ich rede nicht von großen Wandervereinen, sondern zum Beispiel von Charlotte Roche.

 

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Die Ex-VIVA-Zwo-Moderatorin empfiehlt seit diesem Jahr: „Verlasst die Städte!“, also ab in die feuchten Waldgebiete. Ich hatte den Aufruf gar nicht mitbekommen, las davon in der vorletzten FAS. Ein Grund, warum Städte laut Charlotte nicht so richtig supi sind: „Wie oft kommen wir aus der Wohnung raus und es wurde auf unsere Motorhaube gekotzt?“ Tja, wie oft eigentlich? Seit 53 Jahren lebe ich in Groß- und Kleinstädten, und noch nie wurde mir auf die Motorhaube gekotzt. Gut, das kann natürlich auch daran liegen, dass ich bis vor sieben Jahren kein Auto hatte. Aber dennoch könnten vollgekotzte Motorhauben auch etwas mit dem Auto zu tun haben, das an der Motorhaube dran hängt und dass dieses Auto möglciherweise in einer Kneipengänger-In-Viertel-Straße etwas deplatziert ist. Aber auch wegen der Motorhauben-Geschichte ist Good Charlotte aufs Land gezogen, dort lebt sie im Hier und Jetzt und Glücklichsein. Weil, so Charlotte: „Im Wald triffst du keine anderen Menschen, die dir voll auf den Sack gehen.“

 

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Prinzipiell stimme ich dieser Aussage zu. Allerdings – könnte ja sein, dass man Charlotte Roche demnächst über den Weg wandert.

Charlotte ist ja wirklich eine sehr nette Frau, aber auch richtig schlimme Menschen lieben den Wald. Reaktionäre, identitäre, rechtsradikale Menschen. Die Schriftstellerin Madame Nielsen hat – wie es die FAS vom 11.11. berichtet hat – für ein Buchprojekt „Mit Rechten Geredet“, mit AFD-Leuten und Identitären. Und was muss man dort für ein Geschurbel lesen? Marc Jongen „philosophiert“, Zitat: „Das Deutsche ist konservativ, freiheitlich und patriotisch. Nachdenken, Ernsthaftgkeit, Tiefsinn … und ja: der Wald, der Deutsche liebt ja den Wald, ob alleine oder mit Familie im Wald zu wandern, in gehobener Stimmung“. Zum Thema „das Deutsche“ fällt also dem „Chef-Denker“ der AFD nichts anderes ein als Wald und Wandern? Da muss ich echt kotzen.

 

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Egal ob die nicht-rechstradikale Charlotte oder die rechtsradikalen Wald-Spinner, sie haben eines nicht kapiert. Um im Wald glücklich zu sein, muss man weder im Wald wohnen, noch ihn glorifizieren, noch aufs Land ziehen. Macht es wie Wanderer aller Zeiten, von Goethe über die Naturfreunde bis zu den Outdoor-Junkies heutzutage: Wandert, genießt den Wald, und fahrt dann wieder zurück in die Städte und freut Euch des Lebens. Für alle diejenigen, die den Wald glorifizieren und mystisch überladen gilt: Verlasst die Wälder!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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