Wander-Blog von Manuel Andrack

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Eine dreiviertelige Einkehr am Bahnhof Göschwitz

Mein neuester Bahnhof-Einkehrtipp befindet sich erstmals im Osten Deutschlands, nachdem ich die westdeutschen Top-Bahnhofs-Kneipen von Mannheim und Hamburg beschrieben habe. Aber kann es denn Göschwitz mit Großstädten aufnehmen?

 

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Klar ist zumindest, dass nicht jeder Dorfbahnhof Aufnahme in meiner Reihe der Bahnhofs-Einkehr-Tipps finden kann. Ein tolles Restaurant in einem nicht mehr genutzten Bahnhofsgebäude in der Eifel, im Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide, das gilt nicht, das geht an meiner Intention vorbei. Es muss schon ein Bahnhof sein, an dem man umsteigen oder einen Zug verpassen kann und dann die erhoffte oder unverhoffte Wartezeit bei einem Kaltgetränk verkürzt. Offiziell heißt der Bahnhof an der Saale Jena-Göschwitz, dort halten sogar Intercitys. Oder man steigt von einer Wanderung an der Saale kommend in Göschwitz Richtung Erfurt um, so habe ich das gemacht.

 

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Sensationell sind die wochentäglich wechselnden Mittagsgerichte im Gleis Dreiviertel. Montag: DDR-Tomatensoße, das ist doch echt stark. Heißt die DDR-Tomatensoße so, weil sie rot ist wie der flammende Kommunismus? Dann wäre aber auch jede herkömmliche Barilla Sauce eine DDR-Tomatensoße. Ich vermute eher, dass diese Sauce aus Tomaten gemacht ist, die vierzig Jahre in der Bitterfelder Sonne reifen durften. Oder aber es handelt sich um ein feines Rezept von Margot Honecker. Ich komme auf jeden Fall mittwochs noch mal nach Göschwitz, um die Tiegel-Wurst nach Petras Art zu kosten. „Tote Oma“ wollte ich schon immer essen. Mjam, mjam, mjam …

 

Die Bierspezialitäten haben einen leichten irischen Schwerpunkt, was mich dazu verleitete, ein (etwas zu warmes) Kilkenny zu trinken. Ich zahlte den Normalpreis, da ich nun mal weder Lokführer noch Eisenbahner bin …

 

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… denn den unschlagbaren Lokführer-Menü Sonderpreis für alle Eisenbahner (Eisenbahner sind die, die nicht gesellschaftlich abgehängt sind, sondern die, die ab und an Lokomotiven und Güterwagen abhängen sowie anhängen und auch noch am Gleis Dreiviertel in Göschwitz abhängen) können nur echte Bahner in Anspruch nehmen.


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6 Kommentare zu “Eine dreiviertelige Einkehr am Bahnhof Göschwitz

  1. Die DDR-Tomatensoße zeichnet sich durch die Abwesenheit frischer Tomaten aus. Butter, Tomatenmark, Mehl, Ketchup (falls vorhanden), Zwiebel, Salz, Pfeffer. So in etwa. Vielleicht noch ein Schuss Sahne.
    Schade, wir verpassen uns knapp, ich komme schon am Dienstag, den Braten mit Böhmischen Knödeln probieren!

  2. Der schnellste Weg, um in den Göschwitzer Eisenbahner-Rabatt-Genuss zu kommen, ist wohl, die 13tägige Ausbildung zum Ehrenlokführer der Brockenbahn zu absolvieren. Kostet nur 1399,00 €, womit sich das bereits ab dem 2799sten Lokführer-Menü auszahlt. Vielleicht reicht aber auch schon der dreitägige Schnupperkurs um 419,00 € (Stichwort: Solidarität Ost)! Dann muss man nur noch 839 Bockwürste + Kaffee verputzen, um Geld zu sparen.

    • Oder aber es reicht, früher beim „EISENBAHNER-Sportverein Ansbach-Eyb“ gespielt zu haben. Ich müsste dann nur meine Fotobeweise vorlegen! Wobei mein anschließender Wechsel zur SpVgg..

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