Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Weinklettern in der Bopparder Hamm

Geschrieben am um 8:49

In Boppard am Rhein, eine der schönsten Wanderregionen Deutschlands, findet sich eine einzigartige Kombination: Eine legendäre Weinlage im Rheinbogen – die Bopparder Hamm – und ein aufregender Klettersteig. Allerdings hat man auf der Traumschleife des Klettersteigs Mittelrhein die Qual der Wahl: Die Wandervariante für alle Warmduscher oder die Klettervariante für die Harten, die in den Garten wollen.

 

IMG_8549

 

Allerdings sollte man sich schon vor dem Start der Tour für eine der beiden Varianten entscheiden, denn für die Klettervariante durch die steilen Felsen wird das entsprechende Equipment empfohlen, das man sich an der ARAL-Tankstelle an der Bundesstraße leihen kann. Von dort aus kann man sich auch schon mal den Hang anschauen, durch den man wandern oder klettern wird. Außerirdische haben dort das Mittelrhein-Weltkulturerbe-Zeichen eingefräst.

 

IMG_8553

 

Diese Hänge sind ehemalige Steillagen. Mittels Flurbereinigungen sollen dort wieder Rebstöcke angelegt werden. Die Weinlage Bopparder Hamm wächst und gedeiht, statt Abbau von Rebflächen werden neue geplant. Die heikelste Situation habe ich am Startpunkt der Klettervariante zu meistern. Ich versuche nämlich in den Klettergurt zu steigen, ohne dabei umzufallen. Das gelingt nur knapp.

 

IMG_8557

 

Eigentlich, finde ich, ist die Ausrüstung etwas übertrieben, ich bin ja schließlich nicht am Watzmann unterwegs. Gerade bei den Leitern, die man hinunter steigen muss, halte ich es für gefährlicher den Gurt einzuhaken, als ganz normal die Treppe hinunter zu steigen. Denn man muss mitten auf der Leiter stehen bleiben, mit einer Hand sich an der Leiter festhalten, mit der anderen den Karabinerhaken an das nächste Stück Seil hinter der Befestigung klemmen. Furchtbar. Ich stecke die Karabinerhaken in meine Jackentasche, da stören sie nicht.

 

IMG_8574

 

Ob mit oder ohne Seilsicherung – man sollte den Klettersteig begehen, bevor man dem Weine zuspricht. Und auch eine Weinflasche sollte man nicht im Rucksack transportieren. Erst klettern, dann Wein, Weinklettern ist ungesund. Auf der Höhe angekommen, bietet sich ein gigantischer Blick auf die Rheinschleife und die Bopparder Hamm.

 

IMG_8600

 

75 ha von 420 ha des Weins des gesamten Anbaugebiet Mittelrhein kommt aus Boppard. Jede sechste Flasche geht von Boppard also in die Welt – und viele Preise kommen nach Boppard zurück. Goldene und silberne Kammpreismünzen zum Beispiel. Einen preisgekrönten Tropfen teste ich im Ausflugslokal „Vierseenblick“, weltberühmt für den genialen Kuchen.

 

IMG_8616

 

Ich bekomme den Rheinwein in einem Bembel serviert. „Trinkt wie Eure Väter aus Stein den Wein“ steht auf dem Tonkrug. Ich habe bei meinem Vater nachgefragt, der hat noch nie Wein aus einem Stein getrunken, sein Vater übrigens auch nicht. Inzwischen wird übrigens gar nicht mehr geklettert und die Rheintour wird zur Reintour, denn wir gehen schon ins nächste Ausflugslokal, ganze dreihundert Meter hinter dem „Vierseenblick“. Im „Rupertseck“ gibt es weder Bembel noch Flaschenweine, auch keine Weinkarte, es gibt nur einen Wein auf der Karte: White Wine Dry. Auf Nachfrage ist es immerhin ein heimischer Whitewine von der Bopparder Hamm. Nun, wie sagte schon Bacchus: „Guter Wein in Maßen genossen, schadet auch in großen Mengen nicht.“ Hinter dem „Rupertseck“ geht es steil parallel zur Seilbahn den felsigen Berg hinunter, zurück zum Ausgangspunkt im Bopparder Zentrum.

 

IMG_8654

 

Dort treffe ich mich mit Herrn Bersch und Herrn Schoeneberger im Heilig Grab. Das ist ein Weingut mit Weinstube. Der Winzer vom Heilig Grab betont, er sei nicht der Herr Grab, Vorname Heilig. „Allerdings denkt das der Paketdienst, ich heiße aber Schoeneberger“. Das Heilig Grab ist die älteste Weinstube Boppards, direkt am Bahnhof.

Walter Bersch ist seit 1997 Bürgermeister der Stadt Boppard, er ist eine Legende am Mittelrhein. Bersch ist sehr stolz auf seine sieben Bopparder Traumschleifen, die ich auf diesem Blog ausführlich gewürdigt habe. Da ich mich also um die Bopparder Wanderkultur verdient gemacht habe, wurde ich 2017 zum Ehrenwinzer der Stadt Boppard ernannt. Michael Schneider ist mein Patenwinzer, der mir lebenslang, also noch über 50 Jahre, jedes Jahr drei Flaschen Wein schicken darf. Die Auszeichnung als Bopparder Ehrenwinzer gibt es seit ungefähr vierzig Jahren. Der erste war der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel. Auch Günter Verheugen, Rudi Altig, Rudolf Scharping (vor oder nachdem er Bundeskanzler wurde?) und Kurt Beck dürfen sich jährlich über ein Deputat vom Mittelrhein freuen. Bald, hofft Bürgermeister Bersch, wird auch Papst Franziskus Ehrenwinzer von Boppard. 1984 hat der Argentinier drei Monate in Boppard gewohnt, Deutsch gelernt, Wein getrunken. Bei eine der letzten Papstaudienz verkündete der Papst in flüssigem (!) Deutsch: „In Boppard wächst guter Wein“. Die Bopparder haben eben den Papst in der Tasche. Und wenn Papst Franziskus Ehrenwinzer wird, könnte er auch mal den Mittelrhein-Klettersteig testen. Ohne Klettergurt, denn Päpste sind unfehlbar und damit auch trittsicher.



53 – Traumhaft, wunderbar!

Geschrieben am um 7:46

Kürzlich bin ich auf der Traumschleife „Der Bergener“ in der Nähe von Losheim am See gewandert. Einige fahren nach Bergen in Norwegen, andere nach Bergen auf Rügen, ich favorisiere Bergen im Nordsaarland. Start der Tour ist an der Girtenmühle, zu diesem besonderen Ort später mehr. Schnell befand ich mich – das kann man ja von einer Traumschleife auch erwarten – in einer traumhaften Landschaft. Der wurzelige Pfad schlängelte sich am romantischen Bachlauf und ich passte mich mit meinem Outfit perfekt an die Landschaft an.

 

IMG_8011

 

Denn da ich mit meinem neuen Fifty-Five-Wanderhemd „Andre navy/green“ unterwegs war, verschmolz ich einem Chamäleon gleich mit der Natur. Grün und Blau, die Farben der Bäumer/Sträucher und des Himmels/Wassers spiegelten sich in meinem Outfit. Apropos Wasser: Wer auf dem Bergener schon nach einem guten Kilometer das Handtuch werfen möchte, kann das gerne tun.

 

IMG_8013

 

Ich fand auf jeden Fall den Service gigantisch, am Kneippbecken von Bergen auch ein Handtuch zur Verfügung zu stellen. Leicht schmuddelig, okay, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Eine der viele Highlights auf dem „Bergener“ ist die Armee der Felsenmännchen…

 

IMG_8016

 

… vor einer beeindruckenden Felsenkulisse. Ganz plötzlich taucht diese Felswand im Wald auf. Wie immer war Verlaufen auf dem „Bergener“ nicht möglich, man musste nur das richtige Markierungs-Schildchen suchen. Denn um Losheim verdichten sich die saarländischen Premiumwege, das ist die Grundlage des wandertouristischen wirtschaftlichen Erfolg der Region.

 

 

IMG_8018

 

Ich wanderte also nicht nur auf dem „Bergener“, sondern zeitweise auch auf dem „Hochwälder“, der „Tafeltour Stausee“ und dem legendären Saar-Hunsrück-Steig. Außerdem wurde anscheinend ein neuer Premiumweg mit dem interessanten Namen „Wanderweg-nicht-verlassen“ angelegt. Scheint ein aufregendes Wegkonzept zu sein. Über fünf Kilometer des „Bergener“ laufen parallel zum Saar-Hunsrück-Steig. Da genauso wie bei den Traumschleifen jeder Kilometer des Saar-Hunsrück-Steigs ausgewiesen wird, näherte ich mich schon bald den Fünfzigern, gezählt ab dem Start des Steigs in Perl.

 

IMG_8022

 

Bis zu 55 (hallo Fifty Five!) habe ich es nicht ganz geschafft, aber das werde ich nachholen. Immerhin habe ich noch Kilometer 53 gesehen, und das ist ja auch schon eine ordentliche Zahl, denn so viele Lenze zähle ich nun auch schon seit Juni. Das Belohnungsbier trank ich an der Wunderbar der Girtenmühle.

 

IMG_8031

 

Die Girtenmühle wird seit kurzem von ein paar jungen Holländern betrieben. Es gibt einen Campingplatz, ein kleines Hotel, die wunderbare Bar und seit neuestem auch ein Tagesgericht. Der Ort ist eine holländische Exklave, auch ich wurde mit „Minher?“ nach meinen Hopfen-Wünschen gefragt. Das Tolle ist: Man fühlt sich im Andre-Hemd von Fifty Five wie im Urlaub. Die Wunderbar wird ihrem Namen gerecht.



Nagel in Hamburg

Geschrieben am um 6:23

Heute Folge 2 meiner Reihe: In welche Gaststätte mit Stil gehe ich, wenn ich an einem Bahnhof Wartezeit habe beziehungsweise meinen Zug verpasst habe. In Folge 1 war Mannheim dran, heute Hamburg.

 

IMG_7444

 

Kürzlich hatte ich auf dem Weg von Saarbrücken nach Wismar einen 41-minütigen Zwischenstopp in der Hansestadt. (Zur Erklärung: ich hatte einen Drehtag in Wismar für den ZDF-Krimi „Soko Wismar“, mehr dazu, wenn ich Euch über den Ausstrahlungstermin informieren kann). Auf der Rückseite des Bahnhofs (also nicht die Mönckebergstraßenseite) sah ich die Restauration Nagel. Wieso habe ich diese Gaststätte nicht schon früher auf dem Schirm gehabt? Das Nagel ist ein herrliches Wirtshaus: Hohe Decken, dunkle Holzvertäfelung, leckere Biere.

 

IMG_7441 (1)

 

Ich habe hin und her überlegt. Nehme ich ein Holsten? Aber Vorsicht. Holsten knallt am dollsten. Nagel ich mir das Hausbier rein? Das Nagel-Bräu ist ein sehr malziges, schwarz-dunkles Bier. Schlussendlich entschied ich mich für ein Astra.

 

IMG_7440 (1)

 

Einige schöne Slogans von Astra:

Astra – Was dagegen?

Du bist Astra!

Ich trink arschkalt. Heiß bin ich selber!

Auch die kulinarische Auswahl im Nagel überzeugt. Hanseatische Spezialitäten wie Bayerischer Leberkäse, Eisbein und sechs Nürnberger Bratwürstl. Ich entschied mich ganz klassisch für Matjes mit Zwiebelringen, erfrischend wie ein Sprung in eiskaltes Meersalzwasser. Und das nächste Mal esse ich Labskaus. Hoffentlich wieder serviert von Günni …

IMG_7443



In Alsfeld am Pranger

Geschrieben am um 7:33

Anfang Juni hatte ich eine Lesung in Alsfeld in Oberhessen. Region Vogelsberg. Wunderschöne Stadt, Fachwerk, märchenhaft. Der Alsfelder und die Alsfelderin bestehen allerdings darauf, dass ihre Heimatstadt mit kurzem „A“ gesprochen wird, immerhin handelt es sich ja nicht um Aachen, Aalen oder sogar Ahlen mit langem „A“. Nein, knackig kurzes „A“, als würde die Stadt „Alzfeld“ heißen. Und wer in Alsfeld nicht Alsfelder trinkt ist selber schuld.

 

IMG_8034

 

Ich habe die letzte Lesung aus meinem Fußball-Fan-Buch vor der WM (die ja dann leider ausgefallen ist) gehabt. Sehr gutes Publikum, viele in Trikots (Frankfurt, Nürnberg, FC) und eine Journalistin des Oberhessischen zeitung war auch dabei (im Bildvordergrund), die die ganze Lesung mitgeschrieben hat.

 

IMG_0533

 

Vielleicht bekommt sie vom Verlag auch noch mein Buch „Lebenslänglich Fußball“, dann hätte sie sich das Mitschreiben sparen können. Im Eintrittspreis zur Lesung war auch eine Currywurst enthalten, die von den Service-Mitarbeitern des Marktcafés in Alsfeld serviert wurde.

 

IMG_0532

 

Da kam richtige Stadionatmosphäre auf, als alle Gäste mit Messer und Gabel ihre Stadionwurst aßen. Kurz nach der Lesung war Schicht im Schacht im Marktcafé, aber ich habe mich mit Thorsten (Wanderkindvater) und Fabian (Ex-DSDS-Kandidat) noch ins Nachtleben von Alsfeld gestürzt. An einem Mittwoch-Abend. Hui!

 

IMG_20180606_234913

 

Unsere Rettung war der Pranger. Wer noch nie am Pranger stand, kann das in Alsfeld mit kurzem „A“ nachholen. Leider haben sich Thorsten und Fabian, nachdem das Handy-Foto gemacht war, aus dem Staub gemacht. Da konnte ich selber sehen, wie ich mich aus dem Pranger-Ding befreie.

 

IMG_20180606_235723

 

Ich danke Thorsten und Fabian für den netten Abend und die Fotos…


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren



© Copyright 2008 - 2018 Manuel Andrack.