Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




An der Anfield Road in Mannheim

Geschrieben am um 7:22

Ich bin auf dem Weg zu einer tollen Wanderung irgendwo in Deutschland. Da fahre ich manchmal mit dem Zug hin. Und in großen Städten muss ich dann umsteigen. Manchmal habe ich eine halbe oder sogar dreiviertel Stunde Zeit am Bahnhof. Dann bloß nicht bei Ditsch/McDonalds/Starbucks/Coffee Fellows Zeit verlempern. Das ist doch überall gleich. Nein, man sollte an jedem größeren Bahnhof wissen, wo man – möglichst ortstypisch/regional einkehren kann…

 

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Sehr oft muss ich in Mannheim umsteigen, entweder in den Zug nach Saarbrücken oder von Saarbrücken kommend in einen Zug in der weiten Welt. Da kommt es mal vor, dass ich einen Anschluss verpasse. In diesem Fall gehe ich ins Murphys Law, 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Eine irische Kneipe mit original irischem Wirt. Also total ortstyoisch für Mannheim. Im April wurde ich (ich fand in diesem Fall den verpassten Zug überaus segensreich) im Murphys Law Zeuge des Rückspiels im Viertelfinale der Champions League. Manchester City gegen Liverpool.

 

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Das Spiel wurde auf der Großbildleinwand (in meiner Hand übrigens ein Kilkenny, mein irischer Favorit) während im Hinterzimmer das Ausscheiden von Barcelona in Rom gezeigt wurde. Aber die meisten interessierten sich für das rein englische Viertelfinale und ausnahmslos alle Anwesenden drückten den Reds die Daumen. Ein pakistanischer Fan im Liverpool-Trikot neben mir an der Theke („I work in Worms“) war ein großer Bewunderer von Kloppo. Ihr könnt Euch vorstellen, was im irischen Pub los war, als Liverpool die beiden Tore schoss…

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Vor ein paar Tagen, am 26. Mai, waren im Murphys Law wahrscheinlich wieder einige Liverpool-Fans am Start, aber eventuell nicht ganz so euphorisch wie zu Zeiten des Viertelfinals.

In lockerer Folge werde ich dann auf meinem Blog weitere Bahnhofrestaurations-Tipps geben. Hamburg, Köln, Nürnberg, München sind schon geplant. Wenn ihr Anregungen in weiteren Städten habt, her damit!

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Auf zur Laudenbacher Weinwanderung 2019!

Geschrieben am um 9:15

Vor dem Schloss von Laudenbach. Menschenmassen, ein Auflauf, als stünde eine Revolution bevor. Aber alle Menschen sehen fröhlich aus, voller Vorfreude, auch ich bin gespannt – auf eine sehr teilnehmerstarke Weinwanderung.

 

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400 Wanderer in allen Altersklassen lauschen, die meisten haben sich einen schattigen Platz gesucht, der Gruß-Rede von Andrea, der Vertreterin der Markelsheimer-Laudenbacher Winzergenossenschaft. Andrea hebt hervor, dass man sich freue, mit der charmanten Deutschen Weinkönigin Katharina und dem sympathischen Wanderexperten Manuel zu wandern. Allerdings sollte man ergänzen, dass Katharina auch sympathisch ist und ich ebenfalls sehr charmant sein kann.

Dann hat der Ortsvorsteher gesprochen, der Bürgermeister von Weikersheim, der Männergesangsverein hat die Reben besungen, die 69. Deutsche Weinkönigin Katharina hat gesprochen und nach 37 weiteren Grußworten begeistere ich die Menge mit einer dreistündigen Rede. Um die Mittagszeit geht es los, in ungefähr acht Gruppen starten die Wanderer auf den Weinerlebnis-Parcours. Zunächst gehen wir durch den historischen, ausgesprochen pittoresken Ortskern am Vorbach entlang, Ortsvorsteher Martin erzählt etwas über die Geschichte von Laudenbach.

Laudenbach, wo ist das eigentlich? Der Weinort liegt in einem verträumten Seitental der Tauber. Die Bewohner haben ein – sehr sympathisches – Identitätsproblem. Historisch gesehen gehören sie zum südlichsten Zipfel des Würzburger Einflussgebiets, der Ort war immer katholisch, daher wird in Laudenbach auch heftig Fastnacht gefeiert. Wegen der Verbindung zur unterfränkischen Residenzstadt Würzburg nennen sich die Laudenbacher auch Hohenlohe-Franken, obwohl man ja eigentlich zum Baden-Württemberg gehört. Andere nennen sich Tauber-Franken, um die Zusammengehörigkeit zur Tauber-Region zu dokumentieren. Dabei liegt Laudenbach gar nicht an der Tauber, sondern in einem Seitental am Vorbach. Gleichzeitig ist Laudenbach aber nicht eigenständig, man ist Ortsteil von Weikersheim, die Winzergenossenschaft arbeitet aber mit Markelsheim zusammen. Alles klar?

 

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Wir kommen auf unserem Weg hinaus aus dem Ort an einer Bäckerei vorbei. An der Hausfassade in geschwungenen Bändern die Schrift: „Trinkt heimischen Wein“. Anscheinend wird in Laudenbach auch zu Gebäck, Croissant und Kuchen der Markelsheimer Wein getrunken. Wir gehen auf dem Radweg hinaus aus dem Dorf Richtung Weikersheim. Am Ortsschild sitzt „der Zecher“, eine Holzfigur, auf einem Holzfass und prostet uns zu. Wir unterqueren die Landstrasse und dann geht es hinauf Richtung Weinberge. Ich kann es vorweg nehmen, wir werden die ganze Tour auf Asphalt laufen, der Schwerpunkt der Weinwanderung liegt eindeutig auf den schönen Gesprächen mit den Mitwanderern und dem Weinerlebnis. Da es bergan geht und es unglaublich heiß ist, versprechen die Sonnenschirme und Bäume auf dem Ghäuberg Schatten und Entspannung.

 

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An der ersten Weinstation geht ein Korbflechter seinem Handwerk nach und an der Weinbude gibt es drei Weine zur Auswahl. Ich entscheide mich zunächst für einen alkoholfreien Blanc de Blanc mit Kohlensäure, also ein Sprudelwasser. Als der Durst gelöscht ist teste ich einen Silvaner der WG. Ich finde, WG hört sich immer so an, als würde eine Wohngemeinschaft spontan Wein machen, aber hinter den exzellenten Weinen steckt natürlich die Winzergenossenschaft. Dass die Winzergenossenschaft den schönen Silvaner im Angebot hat, deutet nicht nur auf die unmittelbare Nähe zum Anbaugebiet Franken. Auch die Bodenverhältnisse von Laudenbach mit viel Muschelkalk entsprechen den fränkischen Voraussetzungen.

Bisher mit ich mit Weinkönigin Katharina in der ersten Wandertruppe gewandert. Nun schließen wir uns der zweiten Wandergruppe an, die von Jungwinzerin Chrissi begleitet wird. Auch der Altersschnitt der Wandergruppe hat sich dramatisch gesenkt, während sich der Königinnen- und Prinzessinnen-Anteil fulminant erhöht hat.

 

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Ungefähr fünfzehn Ortsweinköniginnen und -prinzessinnen aus Baden, Franken und Württemberg (wir wandern eben in einem Anbaugebiets-Dreiländereck) geben der königlichen Katharina ihr Geleit. Chrissi erklärt sehr eloquent und kenntnisreich (die ehemalige Ortsweinkönigin wäre eine ideale Gebietsweinkönigin, aber sie will nicht so recht, Mensch Chrissi, überleg Dir das nochmal!) die Wirkung von Duftstoffen auf Schädlinge und praktiziert einen beherzten Rebenschnitt. Zwischenfrage aus dem Publikum: „Muss echt so viel weggeschnitten werden? – der arme Rebstock.“ Klar muss das Überflüssige weg, sonst kein optimaler Wein.

Wir erreichen die zweite Genuss-Station der Weinwanderung mit atemraubenden Ausblick auf Laudenbach. An der Weinbude beglücken uns Mitarbeiter der Markelsheimer Weingärtner eG. Auf dem Rücken der T-Shirts steht: Lust Genuss Tradition. Ich lerne neue Wein-Vokabeln, denn in Laudenbach heißen Winzer Weingärtner und die Trockenmauern, die die Weingärten der Weingärtner terrassieren, heißen Steinriegel. Die Winzergenossenschaft Laudenbach-Markelsheim vereinigt die Trauben des Ortes Laudenbach (das eben nicht zu Markelsheim gehört, sondern zu Weikersheim) und den Ort Markelsheim (wobei Markelsheim nicht zu Weikersheim gehört, aber Stadtteil von Bad Mergentheim ist). 190 Winzer liefern ihre Trauben und bewirtschaften knapp 200 Hektar Anbaufläche.

Auf dem Weg von der zweiten zur dritten Station durch die Weinberge (der Weg geht schon wieder bergan, muss das denn bei der Hitze sein?) lerne ich zwei Ehepaare aus NRW kennen. Die einen kommen aus Brilon im Sauerland, die anderen aus Krefeld am Niederrhein. Ganz schön weit weg, aber beide Paare haben sich auf den Weg nach Laudenbach gemacht, weil sie Fans der Genossenschaftsweine und der Region sind. Dem Ehepaar vom Niederrhein habe ich noch ein paar NRW-Wandertipps gegeben, ich bin eben ein mobiler Wander-Ratgeber.

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An der dritten Raststaion probiere ich den Tauberschwarz. Diese Rebsorte hat Laudenbach quasi exklusiv, nirgendwo auf der Welt wird so viel Tauberschwarz wie in Laudenbach angebaut. Die Rebsorte ist keine Kreuzung, sondern eine alte uralte Traube der Region, nicht ganz leicht zu pflegen, eine etwas zickige Rebsorte, eine arbeitsintensive Rebsorte, wenn man den Zeitpunkt der Lese verpasst hat, kann sie ganz schon schnell vertrocknen, hat man mir erzählt.

 

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Ich genieße mit meiner Wandertruppe die Aussicht, aber wir sehen, wie andere Wandergruppen nicht den offiziellen Weg gehen. Die kürzen ab, gehen direkt von Station 2 zu Station 3, ohne den letzten Anstieg, die letzte Wegschleife mitzugehen. Ich stelle mich der Wandertruppe mit Megaphon in den Weg, also ehrlich, bei so was werde ich zum totalen Weinwanderspiesser, und verkünde der mogelnden, abkürzenden Wandertruppe, sie müssten auf den Weingenuss an Station 2 verzichten. Das lässt sich natürlich – Gott sei Dank – nicht durchsetzen. Wir sind ja ehrlich gesagt auch alle zum Spaß hier und wollen uns nicht wandernd durch die Hitze quälen. Auch die übernächste Wandertruppe, die die Diretissima mitten durch die Weinreben hin zur dritten Station wählt, wird mit großem Hallo begrüßt.

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Später gehen wir bergab wieder hinein nach Laudenbach und erreichen bald das Schloss. Dort kommen alle Wandergruppen im fröhlichen Miteinander zusammen und lassen den Weinwandertag bei Schlussvesper und weiteren himmlischen Weinen ausklingen.

Das Schönste an der Weinwanderung in Laudenbach sind die Begegnungen mit vielen netten Menschen. Klar, der Wein ist toll, das Wetter genial, die Aussichten in den Weinbergen phantastisch, die Informationen über den Weinbau sehr interessant. Aber ich finde es wunderbar, mit dem Organisations-Genie Paul zu plaudern, von Wilma und Jürgen über ihre Bekanntschaft mit Kati Wilhelm zu hören und mich mit Raimund über die Zukunft des 1.FC Köln zu unterhalten – Raimund ist seit den 1960er Jahren als Tauber-Franke Fan der Geißböcke. Mein Fazit: Ich kann nur jedem Weinwanderer empfehlen, auch einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um im nächsten Jahr an der Laudenbacher Weinwanderung 2019 teilzunehmen.

Ich bedanke mich bei Paul Gölz für drei Fotos!



Saarlännisch foor Beginners

Geschrieben am um 6:34

Seit feststeht, dass unsere nächste Bundeskanzlerin aus dem Saarland kommt, sollte jeder, der noch alle Tassen im Schrank hat, dringend saarländisch lernen. Erfreulicherweise bekamm ich sogar kürzlich eine Mail von meinem lieben Freund Ulli, dem Chef von Fifty Five. Und siehe da, auch er ist total scharf darauf, saarländisch zu lernen. Legen wir also direkt mit Lektion eins los, Vokabelhefte raus, das erste Wort ist die für jeden saarländischen Mann unerlässliche:

SCHAFFBUX

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Die Schaffbux ist die spezielle Hose, die man nicht unbedingt für gut anziehen würde. Die Schaffbux wird vielmehr am Samstag angezogen, wenn man im Garten schafft (=arbeitet) oder kleinere Reparaturen am Haus erledigt. Denn merke: Der Saarländer hat den weitaus größten Eigenheim-Anteil aller Deutschen. Es kann natürlich auch mal passieren, dass man überhaupt keine Lust hat, zu schaffen, weil man gerade die

FLEMM hat.

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Wenn jemand sagt: „Ich hann die Flemm“ bedeutet das, dass sich über denjenigen oder diejenige eine leichte Schwermütigkeit gelegt hat. Keineswegs handelt es sich bei der FLEMM um eine schwerwiegende Depression, nein, man gönnt sich nur eine kleine psychische Auszeit, nur Idioten sind immer gut drauf. Nicht schön ist es, wenn man nicht nur die Flemm hat, sondern auch die:

FRECK

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Wer die FRECK hat, ist krank, aber auch in diesem Fall gilt: Das ist eher eine Krankheit light, man kann also durchaus schaffen gehen, auch ein eventuellerKrankenhausaufenthalt ist weit entfernt. Aber man sollte demjenigen, der die Freck hat, nicht zu nahe kommen, sonst steckt man sich noch womöglich an.

Das letzte Wort für heute ist UWWERAASCH.

 

 

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Neunmalkluge, vorlaute Streber meinen jetzt vielleicht, das hieße Oberarsch. Mitnichten! Wenn es Unordnung gibt, Chaos, dann spricht man im Saarland von UWWERAASCH. So wie ich, wenn ich mich mal wieder nicht entscheiden kann, welches Wanderhemd ich anziehe. Wenn man die Freck oder die Flemm hat, bleibt eben manchmal etwas liegen, dann gibt es Uwwerasch. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man die Schaffbux anziehen, um wieder die Ordnung herzustellen.

Die ersten Vokabeln frage ich beim nächsten Mal ab. Aber ihr könnt Euch freuen, denn in Zukunft könnt ihr Eure Kanzlerin AKK etwas besser verstehen.



Unterwegs mit den coolsten Wander-You-Tubern und Wander-Bloggern der Republik

Geschrieben am um 8:41

Erster Mai, auch für mich Tag der Arbeit. Arbeitstreffen war in Homburg/Saar. Gekommen waren die coolsten Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Mitglieder der größten Facebook-Gruppe „Wandern und Fernwandern“, schon über 10.000 Mitglieder hat die Gruppe.

 

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Angesprochen hatte mich Youtuber Timo, (sein Kanal (heißt das Kanal bei Youtube?) heißt ‚Waldkult’) Timo ist admin der 10.000 Mitglieder Facebook-Gruppe. Mit ihm bin ich vor drei Jahren auf dem Harzer Hexenstieg gewandert. Timo kommt aus dem Ruhrpott und war daher sehr angetan von jedem Torbogen, der aussah wie ein Stolleneingang.

Da ich ja eher ein digitaler Legastheniker bin, dachte ich, ich schaue mir mal an, wie Wander-You-Tuber, Wander-Blogger und Facebook-Wanderer so unterwegs sind. Wir sind übrigens den Premiumweg Schlossbergpfad gegangen, 13,9 Kilometer, sehr abwechslungsreich und interessant.

 

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Einige Steigungen waren natürlich auch zu meistern und ich habe gestaunt, wie professionell die coolen Social-Media-Wanderer ausgestattet waren. Die meisten hatten tatsächlich Beatmungsgeräte dabei und nach ein paar Luftzügen mit reinem Sauerstoff wurde die Atmung wieder flacher.

 

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Auch eine Einkehr mit Wander-You-Tubern ist speziell. Während sich um uns herum alle Jugendlichen mit unterschiedlichsten berauschenden Getränken erster-Mai-mäßig zudröhnten, standen bei den Social-Media-Wanderern Equipment von Feinsten auf dem Tisch.

 

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Ein Gruppenfoto haben wir natürlich auch gemacht. Es waren wirklich Menschen aus allen Ecken Deutschlands dabei: Heidelberg, Wolfsburg, Darmstadt, Ost-Belgien, Baden-Baden. Und sogar aus dem Saarland, völlig verrückt!

 

 

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Eins habe ich gelernt, als angesagter Video-Blogger musst man eine Art Uniform tragen: Hipster-Bart, Nerd-Brille, Hipster-Kappe. Da muss ich echt noch dran arbeiten.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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