Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Traumschleife Nummer 55: Die Wadrilltal-Tafeltour im Nordsaarland

Geschrieben am um 7:21

Schon seit Jahren wollte ich die Tafeltour rund um Nonnweiler-Sitzerath (der Start ist verkehrsgünstig in der Nähe der A1 gelegen, Wanderer aus Hamburg, Bremen, Hagen, Köln und Saarbrücken sind also ruckizucki in Sitzerath) wandern, aber es hatte sich nie ergeben.

 

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Dann aber elektrisierte mich ein Blick in die Traumschleifen-Broschüre. Dazu muss man wissen, dass jede der 111 Traumschleifen eine eigene Nummer hat. Und die Tafeltour Wadrilltal hat tatsächlich die Nummer 55! It’s magic, den mein Klamottenausrüster ist bekanntlich Fifty Five. Also hopp, auf zu Traumschleife Fifty Five.

Lustigerweise ging ich an genau 55 Windrädern vorbei…

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Nein, nur ein Scherz, ganz so viele waren es nicht. Aber etwas anderes fiel mir auf: Auf der Traumschleife Nummer 55 wird mit menschlichen Wegweisern experimentiert. Die sollten aber besser geschult werden: Während die Markierungstafel nach links zeigt, zeigt der wegweisende Hominide nach oben. Ja was denn nu?

 

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Nach ungefähr vier Kilometern hatte ich das Wadrilltal erreicht. Völlig verrückt, aber wikipedia weiß zu berichten, dass das Einzugsgebiet des Flusses Wadrill 55 Quadratkilometer beträgt. Das ist doch alles kein Zufall mehr…

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Nachdem ich an 55 Felsen und 55 Bänken vorbeigewandert bin habe ich noch schnell auf einem Hochstand am Wegesrand 55 Wildschweine geschossen …

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Und dann, nur noch zwei Kilometer vor dem Ziel, die 10-Kilometer-Marke. Da steckt doch ein Generalplan dahinter, denn jetzt frage ich Euch mal: Was genau ist die Quersumme von 55? Hm? Da wird man doch glatt zum Verschwörungstheoretiker.

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In Sitzerath sollte man dann unbedingt im Landgasthaus Paulus mit sehr ambitionierter Küche und einem Weltklasse-Weinangebot tafeln. Deswegen heißt es ja auch Tafel-Tour. Ich bin natürlich auch eingekehrt, habe eine Parmesan-Crème-Brulée gegessen und einen Spitzen-Wein von der Obermosel getrunken.

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Das große Menü bei Paulus kostete übrigens 50 Euro. Wenn man ein Glas Wasser dazu trinkt und aufrundet zahlt man: Fifty Five Euro!



2017: Die erste royale Weinwanderung an der Mosel

Geschrieben am um 11:21

Die Turmbläser blähen ihre Backen und tröten ihre Fanfaren! Das ganze Schloss ist in heller Aufruhr! Die Hermelin-besetzten Outdoorjacken funkeln im Sonnenlicht! Was ist denn hier los? Nun ja, der gesamte Hofstaat wird auf den Beinen sein, denn am letzten April-Wochenende 2018 weinwandern die deutsche Weinkönigin Katharina und der deutsche Wandermeister Manuel im Rahmen des bundesweiten Weinwanderwochenendes. Zwei royale Wanderungen auf ausgesuchten Wanderwegen mit exzellenten Weinen. Am 28. April in Mühlhofen-Klingen in der Pfalz und am 29. April in Markelsheim im Anbaugebiet Württemberg.

Für den Rheinländer hat alles, was schon zum zweiten Mal stattfindet, den Status einer „Tradition“. Ab dem dritten Mal ist es dann Brauchtum. In diesem Sinne hat auch das royale Weinwandern schon Tradition. Im letzten Jahr, 2017, fand in Mehring an der Mosel die erste royale Weinwanderung der Welt statt. Dem Anlass entsprechend mit zwei Königinnen. Eigentlich – um ehrlich zu sein – waren es sogar drei Königinnen.

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Für die deutsche Weinkönigin 2017, ihre Majestät Lena Endesfelder, war die Wanderung durch die Weinberge von Mehring ein Heimspiel, denn Sie stammt aus Mehring. Nun glaubt natürlich jeder, weil die Weinkönigin aus Mehring kommt, sind wir auch in Mehring gewandert, so etwas kann doch kein Zufall sein. Aber ich schwöre: Es war Zufall. Und nun gehen wir durch die Steillagen, hinter uns die letzten Häuser von Mehring, neben mir Lena I. Weitere königliche Begleitung haben wir durch die Ortsweinkönigin Annika aus Mehring und die Königin der Riesling Selection, Caro Hoffranzen. Erstaunlich ist, dass alle Königinnen ohne Entourage und Hofstaat unterwegs sind. Keine Zofen, kein Zeremonienmeister, keine Anstandsdamen. Die Royalität von Lena und Co. ist eben eine innere Qualität, sozusagen eine Charakter-Eigenschaft.

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Startpunkt der royalen Weinwanderung 2017 war vor einigen Minuten das Hofgut Hoffranzen in Mehring. Zur Begrüßung wurde ein roter Teppich ausgerollt. Ehrlich gesagt: Das kann man ja wohl auch erwarten! Die Weinwandergruppe ist schon sehr gespannt und wird von Weinkulturführer Stefan auf die kommenden Strapazen eingestimmt: „Diese Wanderung folgt dem Motto: 2.000 Höhenmeter in zwei Stunden.“ Das kann ja heiter werden. Stefan erkundigt sich, ob denn jemand Allergien hätte. „Ja“ meldet sich ein Mann in den besten Jahren, „ich bin allergisch gegen lange Wanderstrecken!“

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Wir folgen der Wegmarkierung des Moselsteigs und gehen durch die Weinberge. Die Markierung des Moselsteigs zeigt in gelb-orange-Tönen aufeinandergeschichtete Schiefersteine. Ich wandere neben der Weinkönigin Lena. Bezüglich der Anrede bin ich ein wenig unsicher, denn ich frage mich, wie man eine Weinkönigin korrekt anspricht: „Eure Hoheit“, „Frau Weinkönigin Lena“, „Ihre Exzellenz“? Lena sagt: „Lena reicht. Wein ist ein persönliches Getränk, man kommt ins Gespräch, der Winzer offenbart sich in Geschmack und Stil. Deshalb finde ich: Lena reicht““. Die ehemalige deutsche Weinkönigin Lena hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich. Lena erzählt: „Ich war Ortsweinkönigin, dann Prinzessin, dann Verbandsgemeinde-Weinkönigin.“

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Das war sozusagen die Regionalliga der deutschen Weinköniginnen. „Nach dem Studium in Geisenheim dachte ich mir, och komm, Du könntest Dich auch darum bewerben, Gebietsweinkönigin zu werden.“ Das klappte. Und so wurde sie die Weinkönigin der Mosel, das war schon die Bundesliga der Weinköniginnen. Die Konsequenz wurde ihr erst später klar. „Huch, da muss ich dann nach Neustadt!“ Neustadt an der Weinstraße, sozusagen das Versailles der deutschen Weinwelt. Dort entscheidet sich, wer Königin wird. Und wer nicht. Denn die dreizehn Gebietsweinköniginnen tragen jedes Jahr in Neustadt an der Weinstraße eine Art Weinköniginnen- Meisterschaft aus. Und die Siegerin trägt dann für ein Jahr den Titel der deutschen Weinkönigin.

Wir stoppen vor einer malerischen Trockenmauer aus Schiefergestein. Zeit für einen kurzen Fotostoppp. Lena kramt in ihrem Rucksack und zaubert ihr Weinköniginnenkrönchen hervor. Bei der royalen Wanderung ist sie bisher nicht als Königin kenntlich gewesen: Kein Zepter, kein Umhang, kein Reichsapfel – und auch keine Krone.

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Ein flinker Lurch flitzt zwischen den Steinen herum, Lena platziert ihre Krone zwischen den Steinen und macht ein Stilleben mit Schiefer und Krönchen. Ehre wem Ehre gebührt: Denn ohne den Schiefer der Mosel wären die Riesling-Weine nicht Weltklasse. Und ohne Welt-Klasse-Weine keine strahlende deutsche Weinkönigin. Also bekommt der Schiefer auch die Ehre, bekrönt zu werden und in den Hofstaat der deutschen Weinkönigin aufgenommen zu werden. „Dabei sind Gesteine gar nicht so meins“, sagt Lena und muss lachen. Für den Contest der Weinköniginnen in Neustadt musste sie tatsächlich vor allem Gesteinskunde büffeln, denn es kommt bei der Wahl zur Weinkönigin vor allem auf Weinwissen an. Dass aber ihr Krönchen nun in einer Schiefer-Ritze steht, brauche ich ihr als Moselanerin aber natürlich nicht zu erklären.

Wir gehen weiter, aber schon bald unterbrechen wir unsere royale Wanderung ein weiteres Mal. Was wäre eine Weinwanderung ohne Wein? An einer kleinen Schutzhütte gibt es den ersten Wein-Stopp, drei Weine werden ausgeschenkt, unter anderem das „Mehringer Urgestein“. Zum Wein singen einige stimmgewaltige Herren „Oh Mosella“

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O Mosella! Du hast doch so viel Wein!
O Mosella! Trinkst du den Wein allein?
In deinem Garten Eden,
Wächst doch der Wein für jeden,
Und ohne Wein kann ich nicht sein!

Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, auch ein wenig kitschig. Aber mit dem kühlen Riesling im Glas, mit Blick auf die sonnenüberflutete Mosel und dem Gesang im Hintergrund wird mir ganz warm ums Herz.

Unser Weinkulturführer Stefan sieht sich als Bindeglied zwischen Weinkäufer und Winzer. Auf dem Wanderweg gelingt es ihm, der Wandertruppe sachkundig und sehr unterhaltsam die Besonderheiten des Weinbaus an der Mosel zu erklären. Stefan zaubert ein langes Seil aus seinem Rucksack, legt es in einer schnurgeraden Linie auf den Boden und erklärt, wie es zu den mäandernden Windungen der Mosel kommen konnte. An das eine Ende des Seils legt er ein Foto der Porta Nigra, an das andere ein Foto vom Deutschen Eck.

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Wir lernen: Schon vor etlichen Jahrmillionen entstanden die Römer-Städte Trier und Koblenz, die gibt es quasi schon immer. Damals war die Mosel noch schnurgerade. Dann erhoben sich in einem revolutionären Akt die Gesteine des rheinischen Schiefergebirges und die Mosel musste sich ihren Weg bahnen. Inzwischen hat Stefan das ursprünglich gerade Seil auf dem Wanderweg in Schlingen gelegt. Voila! Zwischen den Prallhängen und den Gleithängen des Flusses entstanden die Voraussetzungen für herausragenden Weinbau.

Wir wandern an einem Wegweiser vorbei, der auf den Seitensprung „Zitronenkrämerkreuz“ hinweist, das ist ein besonders schöner Premiumweg.

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Uns zieht es allerdings zur alten Römerleitung in Pölich und anschließend über die steile Himmelsleiter hinauf zur Finnbahn von Mehring. Auf der Finnbahn mit den vielen weichen Holzhackschnitzeln kann man ganzjährig seine Runden drehen, als Jogger oder auch als Spaziergänger. Unsere Wandergruppe ist aber vor allem an einer weiteren Weinverkostung interessiert, die Hoffranzen präsentiert. Caro hat 2016 eine ganz besondere Auszeichnung errungen: Sie ist deutsche Jungwinzerin für das beste Riesling-Sortiment geworden. Man merkt, wie stolz sie darauf ist, und das vollkommen zu Recht. Das Weingut Hoffranzen (man spricht das Hof-Franzen, das war eben der Franz vom Hof, nicht Hoff-Ranzen) wurde schon 1601 gegründet.

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Auch darauf ist Caro stolz: „Wir sind Winzer in der 17. Generation.“ Ich weise Caro auf diese Zahlenmystik hin. 17 Mal müssen sie und Lena und alle anderen Steillagenwinzer jedes Jahr in den Weinberg, und sie ist in der 17. Generation Winzerin. Verrückt!

Unsere royale Weinwanderung hat ein romantisches Ende, denn wir wandern an den Rebstöcken der Weinkönigin Lena Endesfelder vorbei. Lena ist eine Königin mit Herz, denn sie hat die Zweige ihrer Rebstöcke in Herzform gebunden. Sie hat also 17 Mal im Jahr ein Rendezvous mit ihren Rebstöcken in der Steillage.

 

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Nachdem es letztes Jahr bei der royalen Wanderung an der Mosel so herrlich war, freue ich mich unglaublich auf die beiden royalen Wanderungen in diesem Jahr. Wer sich über alle Angebote des bundesweiten Weinwanderwochenende am letzten Aprilwochenende informieren möchte, kann die Broschüre unter info@deutscheweine.de bestellen oder alle Weinwander-Angebote unter www.deutscheweine.de/tourismus/weinwanderwochenende anschauen. Vielleicht sehen wir uns ja bei den royalen Weinwanderungen in der Pfalz oder in Württemberg!



Mit Kindern wandern

Geschrieben am um 7:03

Endlich! Der erste deutsche Kinderwanderführer ist in der Buchhandlung Eurer Wahl erhältlich. Und gut, dass ich auf den Touren meine persönliche Kinderwanderführerin dabei hatte …

 

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Und so geht das Buch los:

Norwegische Kinder lernen schon in jungen Jahren: Wer sich viel an der frischen Luft aufhält, hat immer gute Laune. Ich finde, das gilt auch in Deutschland. Kinder sind nach einer Wanderung – und die Eltern ebenso – glücklicher und entspannter. Bei Kinderwanderungen kann man als Familie nicht nur jede Menge erleben, man kommt auch ganz anders ins Gespräch als im normalen Familienalltag. Bei einer Kinderwanderung kürzlich wollte meine sechsjährige Tochter ausdiskutieren, ob ich dereinst ihre Enkelkinder lieber haben würde als sie selbst. Ich musste erst einmal ausrechnen, ob ich überhaupt die theoretische Chance habe, die Enkelkinder von Nika noch live zu erleben.

Oft ist es allerdings so, dass Eltern und Großeltern durchaus wanderwillig sind, aber der Nachwuchs nicht so recht mitzieht. Oder man ist sich elternseitig nicht so recht sicher, welche Wege man gehen soll. Denn die Wegauswahl ist für die Wanderlust der Kinder entscheidend. Viele Eltern haben in ihrer eigenen Kindheit erfahren müssen, dass sie in jedem Sommerurlaub auf langweiligen Forstwegen stiefeln mussten, ein Wandertrauma ist die Folge. Daher möchte ich in dem Buch konkrete, kindgerechte Touren in ganz Deutschland ausführlich vorstellen.

Ich habe pro Bundesland zwei Kinderwanderwege ausführlich proträtiert. Manchmal bekommt man nasse Füße, wie auf dem sensationellen Barfußpfad von Bad Sobernheim …

 

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… manchmal sind auch fast alpine Steigungen zu meistern wie diese am Königsstuhl auf Rügen …

 

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Kurzum. „Wandern mit Kindern“ ist das ideale Buch für alle, die mit ihren Kindern jetzt schon wandern, irgendwann mal vorhatten zu kinderwandern und auch für die, die bisher noch nie Bock hatten, mit ihren Kindern zu wandern.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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