Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Karneval an der Werra

Geschrieben am um 7:26

Nix „Kölle Alaaf“. Wir rufen „Woasinge Ahoi!“. Nicht Köln am Rhein ist die deutsche Karnevalshochburg, sondern Wasungen an der Werra. Warum? Weil in Thüringen der komplette Ort karnevalsverrückt ist. Da gibt es keine Karnevalsflüchtlinge, die wie in Köln vor den Horden besoffener Menschen aus dem Allgäu, der Eifel und dem Westerwald das Weite suchen. Nein, in der deutschen Fastnachtsstadt Nummer Eins sind alle 3.500 Ureinwohner beim Karneval dabei.

 

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Auf einer kombinierten Kanu- und Fußwanderung an der Werra von Meiningen nach Wasungen habe ich die thüringische Karnevalsenklave entdeckt. Schon verrückt: Auch die Tradition spricht im nationalen Narrenhochburgen-Vergleich für Wasungen. 2018 wird schon das 483. Wasunger Karnevalsfest gefeiert. Zum Vergleich: Den Kölner Rosenmontagszug gibt es erst seit 1823. Und so einen schönen Karnevalsorden wie in Wasungen gibt es auch in keiner anderen deutschen Fastnachtshochburg.

 

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Jedes Jahr wird mit großem Brimbamborium der „Größte Lüchesoack“ – also der größte Lügensack – ausgezeichnet. Das scheint in Wasungen eine große Ehre zu sein. Diesen Titel kann man auch mehrmals holen, ein gewisser Herbert Dreißigacker schaffte in den Fünfzigern einen Hattrick in drei Jahren hintereinander.

Das Wasunger Motto 2018 ist: „Ganz Woasinge steht Kopf“. 2016 hieß das Motto: „Mie falle ümmer uff“, das hört sich schon fast rheinisch an. Und 2003 war das Motto: „Es is rüü bi nüü“. Da braucht man wirklich einen Übersetzer, keine Ahnung, was das heißen soll. Und warum heißt der närrische Schlachtruf „Woasinge“ ahoi? Weil früher die Flößer auf der Werra zum Stadtbild gehörten, die maritime Tradition hat sich mitten in Thüringen erhalten.

Falls ich demnächst in Wasungen mitfeiere, habe ich auch schon ein Kostüm. Ich gehe dann als wandernder Rohrbert…

 

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Eine Mühlenwanderung rund um Fürth

Geschrieben am um 8:18

Alle Wege führen nach Rom, so mancher Weg führt sogar nach Fürth.

 

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Vor einigen Wochen bin ich in der fränkischen Metropole gewandert. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass es mittlerweile so viele Premiumwege im Frankenland gibt (fast 70 Wege!), man hat wirklich die Qual der Wahl. Ich entschied mich für den acht Kilometer langen Mühlenpfad.

 

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Als vor einigen hundert Jahren die Produktion der berühmten fränkischen Lebkuchen anlief, stieg auch der Bedarf an Lebkuchen-Mühlen. Denn ohne gemahlenes Lebkuchenkorn kein Lebkuchenmehl – ist doch logisch. Aber nicht nur der gerne besungenen Müller wanderte auf dem Mühlenpfad, sondern auch die fränkischen Hartfüssler…

 

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Mit den sogenannten Hartfüsslern sind nicht die klobigen Treter gemeint, die die Füße der Playmobil-Figürchen zieren. Die Playmobil-Männchen werden bekanntlich in der Nähe von Fürth hergestellt. Nein, die Hartfüssler waren die legendären Kicker der Spielvereinigung Fürth, die in den 1920er Jahren drei Deutsche Meisterschaften an den legendären Ronhof holten.

 

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In der Steinbachschlucht zeigte sich Fürth von seiner wildromantischen Seite und mein Premiumweg wurde immer anspruchsvoller …

 

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So anspruchsvoll, dass die Ansprüche des Weges sogar schriftlich bekannt gemacht wurden. So sind eben die Wege in der fränkischen Schweiz, die – Unterfranken und Oberfranken verbindend – vor den Toren Fürths ihre ganze Pracht entfaltet.

Sehr schön fand ich die Idee, am Wanderweg eine historische Karte von Fürth zu platzieren …

 

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Jedem Fürther wird bei diesem alten Kartographie-Kunstwerk das Herz aufgehen: Um Fürth herum nur Wälder, Berge, Wiesen, keine Spur der großen Konkurrenz Nürnberg.

Zum Abschluss der Wanderung kehrte ich in Wern’s Mühle in Fürth im wunderschönen Ostertal ein. Dieses Restaurant ist absolut großartig. Natürlich gab es ein im Haus gebrautes Mühlenbier. Typisch fränkisch. Zum Hauptgang entschied ich mich gegen Schäufele und Nürnberg Würstchen und kostete die Rinderleber. Köstlich! Dazu einen schönen Silvaner aus dem Bocksbeutel. Wanderer, kommst Du nach Fürth, kehre in Wern’s Mühle ein.



Mein Name ist Hase

Geschrieben am um 6:55

Der Fluss Hase war früher beim Spiel Stadt-Land-Fluss mein Geheim-Tipp, wenn es um den Buchstaben „H“ ging. Man konnte das gleiche Wort wie bei „Tier“ unter „Fluss“ eintragen, und kein anderer Mitspieler hatte die Hase auf dem Zettel. Bingo!

 

Manuel Andrack am Haseufer in Osnabrück

 

Vor kurzem hatte ich endlich mal Gelegenheit an der Hase – nun ja, nicht zu wandern, eher zu spazieren und Rad zu fahren. Mit der Chef-Landschaftsplanerin von Osnabrück habe ich mir einige Bauprojekte angeschaut, die die Hase der Osnabrücker Bevölkerung näher bringen.

 

Manuel Andrack am Haseufer in Osnabrück

 

Natürlich hätte ich auch gerne mal einen Hasen gesehen. Aber wir haben nur Enten, Krähen und eine Ratte gesichtet. Aber hinter dem Kaufhof haben wir das scheue Tier gesichtet, das auf der roten Liste der bedrohten Stadt-Land-Fluss-Tiere steht…

 

Manuel Andrack am Haseufer in Osnabrück

 

Um beim Thema Flüsse zu bleiben. Auf der Werra habe ich mich in ein Kanu gesetzt und mit Kapitän Thomas Wey die wilden Stromschnellen des thüringischen Flusses bezwungen…

 

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Dafür braucht man natürlich spezielle Bekleidung. Um sich im Werra-Kanu vor dem Ertrinken zu retten, trage ich Fifty Five. Um mit den Hasen angeln zu können, nehme ich Fifty Five. Und wenn ich mit der Landschaftsplanerin Christiane Balks-Lehmann im Regen an der Hase steh, bevorzuge ich Fifty Five. Es kann sooo einfach sein.



Andrack weinwandert am Mittelrhein

Geschrieben am um 8:02

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Ich stehe mit meinem Wanderkumpel Peter mitten am Mittelrhein, oberhalb von Rheinbrohl und wir genießen das phantastische Flusspanorama. Peter ist mit deutschen Mittelgebirgslandschaften eigentlich unterfordert, am liebsten spaziert er auf den Sechstausendern der Schneeberge im Osten Tibets umher. Aber heute muss Peter auf Minya Konka und Dsha-Ra verzichten, wir haben uns zum Weinwandern auf dem Rheinbrohler Lay verabredet. Wir können nicht anders, wir müssen über die Vielfalt des Rheintals staunen: Wir sehen Burg Rheineck, viele Weinberge, natürlich unseren Vater Rhein, die Schiffe, die Autos, die Eisenbahnen, auf der gegenüberliegenden Seite das Radioteleskop von Effelsberg, weiter rheinaufwärts die Erpeler Ley. Peter und ich machen das, was Rhein-Touristen seit mindestens 200 Jahren machen – wir machen uns ein Bild vom Rhein.

 

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Und dann dürfen wir auf einem wirklich sensationellem Pfad wandern. Schmale Pfade sind das, die an der Hangkante verlaufen. Links des Weges begrenzen Weidenzäune den Weg, rechts des Weges beglücken uns Ausblicke auf den Rhein. Das ist wirklich Wandern auf höchstem Niveau, wie es die Prospekte über den Rheinsteig versprechen. In langgezogenen Serpentinen wandern wir hinunter in den Weinort zum Weingut Zwick. Dort sind wir mit zwei anderen Wanderern verabredet – Andreas und Holger. Das Wichtigste am Weinwandern ist ja: bloß kein Stress! Das haben sich zumindest Andreas und Holger gedacht und sich den steilen Aufstieg zur Rheinbrohler Lay gespart. Jedem das Seine. Es ist kein Zufall, dass wir uns in Hammerstein treffen, und erst recht ist es kein Zufall, dass wir zu viert sind – seit über 30 Jahren spielen wir in dieser Konstellation Doppelkopf.

 

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Im Weingut Zwick werden wir äußerst herzlich vom Winzer-Ehepaar empfangen (Herr Zwick links im Bild). Seit elf Generationen beschenkt die Familie Zwick ihre Gäste und Kunden mit tollen Weinen. Andreas fühlt sich direkt heimisch und schlägt vor, auf der herrlichen Terrasse des Weinguts schon mit dem Kartenspiel anzufangen. Winzer Zwick wird hellhörig: „Ihr sei doch vier Mann, da würde sich ja Doppelkopf anbieten“ Touché, der Mann hat ins Schwarze getroffen. Eine glückliche Fügung, dass der Winzer unserer Wahl auch noch Kenner unseres Spiels geht. So können wir nicht nur über Wein fachsimpeln, sondern auch über Doppelkopf-Regeln. Und es gibt mindestens so viele unterschiedliche Regelungen, wie man Doppelkopf spielen kann, wie es Möglichkeiten für einen Winzer gibt, seinen Wein auszubauen.

 

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Wieder auf dem Rheinsteig gehen wir durch Weinberge und Wälder und erreichen eine Aussicht mit Tisch und Bänken. Neben der Aussichtsbank blickt ein Wanderer aus Basalt-Lava nachdenklich zum Rhein hin, aus seinem Rucksack lugt eine Flasche Wein. Gut, dass in meinem Rucksack auch noch eine Flasche-to-go des Zwickschen Rieslings einen Platz gefunden hat.Wir lassen unsere Blicke beim Glas Wein über die Rheinebene südlich von Andernach schweifen. Das Rheintal weitet sich am Neuwieder Becken und auch der Weinbau am Mittelrhein macht eine schöpferische Pause, um südlich von Koblenz wieder an Fahrt aufzunehmen. Aber so weit reichen unsere Aussichtsmöglichkeiten ohne Fernglas nicht.

 

Wir kommen auf unserem Weg hinunter zum Rhein an der Edmund-Hütte vorbei. Im Bereich der Edmundhütte wird es richtig alpin auf dem Rheinsteig, wir müssen uns anstrengen, um auf dem Felsenpfad mit Handseil nicht die Übersicht und das Gleichgewicht zu verlieren.

 

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Oberhalb von Leutesdorf verlassen wir den Rheinsteig, der sich wieder auf luftige Höhen begibt, und orientieren uns an der gelb-orangen Markierung Richtung Ortsmitte und Rhein. Wir gehen an der Rheinpromenade entlang und erreichen das Historische Wirtshaus Leyscher Hof. Dort wollen wir unsere Weinwanderung ausklingen lassen und endlich Doppelkopf spielen.

Am Anfang läuft es ganz schön mies für mich, wer sich mit Doppelkopf auskennt, weiß, wie mies dieses Blatt ist…

 

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…Wir bestellen – jeder nach seinem Gusto – Weine des Weinguts Mohr. Und starten unser Spiel. Im Laufe des Abends gehe ich dazu über, Weinschorle zu trinken. Die Riesling-Schorle ist eigentlich ein logisches Getränk für diese Region, denn Riesling-Weinberge gibt es reichlich, das haben wir während unserer Wanderung gesehen. Überall sprudelt und brodelt es in der Erde. In Rheinbrohl gibt es die Arienheller-Quelle, in Brohl auf der anderen Rheinseite heißt es: „Trink Brohler, dann wird dir wohler“. Also stoße ich auf einen erfolgreichen Doppelkopf-Abend mit meinem schorligen Kaltgetränk an und dichte: „Trink Schorle mit dem Wein vom Rhein, dann wird Dein Leben schöner sein.“

 

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Von der Terrasse der Gaststätte haben wir übrigens einen hervorragenden Blick auf Europas größten Kaltwasser-Geysir bei Andernach, der in bestimmten Abständen mit einer gewaltigen Fontäne auf der anderen Rheinseite in die Höhe schiesst. Ich fühle mich sauwohl am Mittelrhein, die Karten in der einen Hand, ein gutes Glas Wein in der anderen, der Blick auf Vater Rhein.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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