Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




The Grand Elbsandstein Walk

Geschrieben am um 6:43

Weltpremiere: Heute der erste Andrack-Wanderblog mit musikalischer Untermalung. Es geht ganz einfach: You-Tube-Link klicken und den Soundtrack zum Blog anhören. Ihr hört den besten Soundtrack der letzten Jahre, natürlich Oscar-prämiert: The Grand Budapest Hotel.

Kann los gehen mit Track 13, Nighttrain to Nebelsbad.

 

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In meinem Fall war es der Orientexpress, den ich für einen Wanderausflug bestieg. Mit einer Dose Efes-Pils stieg ich stilecht in Mannheim in meine Nachtzug-Suite. Nun gut, die Reise endete nicht in Konstantinopel, der Türke ist ja zur Zeit etwas gereizt. Ich fuhr auch nicht nach Nebelsbad, sondern nach (Nebels-) Bad Schandau.

 

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Es geht weiter mit Track 14: The Lutz Police Militia

Die Militia der Sächsischen Schweiz ist die Garde des Nationalparks. Neeeeiin, ganz so schlimm ist es nicht, das sind sehr sehr nette Jungs, die mich im letzten Jahr auf eine Exkursion durch das Sandsteingebirge mitgenommen haben. Danke noch mal dafür. Was ich aber gelernt habe: In einem Nationalpark gibt es Regeln, die man beachten sollte. Und es gibt eben auch Verbotsschilder, ganz klare Sache.

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Ich kann Euch ein Geheimnis verraten (dazu bitte Track 20 spielen: Escape Concerto): Wenn Ihr jahrelang brav auf den regulären Wanderwegen im Nationalpark Sächsische Schweiz gewandert seid, dürft ihr auch die Kletterwege-Zugangswege bewandern. Wie formulierten es die Nationalpark-Ranger so schön: Man muss es sich verdienen. Wandern, wandern, wandern, und dann geht es auch auf die „geheimen“ Wege. Da kann man sich dann gehen lassen!

Doch obacht: nicht jeder Weg führt zum Ziel (Der passende Soundtrack ist Track 23 The Society of the Crossed Keys)

 

 

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Es gibt wirklich zahlreiche Zuwege, die in Sackgassen führen. Man sollte sich auf den Übersichtskarten orientieren, wie zum Beispiel auf der Tafel in Schmilka. Wenn man zu den Gipfeln 109 – 112 geht, ist man angeschmiert. Alles One-way-Wege. Aber wer aufmerksam hinschaut, wird einige andere, interessante und vor allem durchgehende Wege finden, zum Beispiel den Unteren Terassenweg.

 

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Was total unerlaubt ist (Bitte jetzt Track 12: hören Up the stairs/down the hall), noch viel unerlaubter als aaaab und zu die Kletterwegzuwege zu wandern, ist in den Boofen zu poofen. Natürlich, klar, Tradition, haben wir schon immer so gemacht. Aber es gibt natürlich zu respektierende Naturschutzzonen. Auf dem Bild oben sehen wir ein verlassenes Boofe-Lager, die Schläfer wurden von der Nationalpark Militia vertrieben. Oder sind gerade mal ausgetreten.

Zum Finale bitte das große Meisterwerk des Soundtracks hören: Track 27 – Canto at Gablemeister’s Peak. Übrigens wurde der großartige Film The Great Budapest Hotel auch tatsächlich teilweise in der Sächsischen Schweiz und in Bad Schandau (Personenaufzug!) gedreht. Schaut Euch diesbezüglich noch mal den Film an. Aber jetzt Finale: So sieht er nämlich aus, der Terrassenbergpfad.

 

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Und den dürfen auch Wanderer gehen. Wenn ich das richtig verstanden habe. An dieser Stelle kommt dann noch der Abspann. Die Credits. Ich danke – wie schon gesagt – den tollen Nationalpark-Rangern. Viel gelernt und erlebt und mit Boofe-Campern geschimpft. Und ich danke Alexandre Desplat, für den gigantischen Soundtrack zu diesem Post.



Weinwandern in der Pfalz

Geschrieben am um 8:49

Ab heute werde ich in lockerer Folge von meinen Weinwanderungen in Deutschland berichten. Das Deutsche Weininstitut hat mich beauftragt, als Weinwander-Botschafter die 13 Anbaugebiete Deutschlands zu erkunden. Ich beginne mit einer Wanderung auf dem Pälzer Weinsteig von Bad Bergzabern nach Schweigen-Rechtenbach an der französischen Grenze.

 

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Mittwoch Mittag, 13:00, an einem herrlichen Frühlingstag. Weinwanderer Andrack ist glücklich. Ich habe eine Weinstube im Dornröschen-Dorf Dörrenbach gefunden, die Weinstube zum Spundloch. Nach unglaublich strapaziösen fünf Kilometern auf dem Pfälzer Weinsteig war ich am Ende meiner Kräfte. und brauchte dringend eine Stärkung. Nach einer großen Portion Saumagen mit Sauerkraut plus Grauburgunder plus Gewürztraminer kam ich wieder zu Kräften und konnte weiter wandern.

Märchenhaft war der Witz, den ich in der Weinstube erlauschte: Kommt eine Fee zum Saarländer, der hat einen Wunsch frei und wünscht sich eine hohe Mauer um das Saarland als Schutz vor der Pfalz (Honecker und Lafontaine sind eben auch Saarländer). Puff, der Saarländer bekommt die Mauer. Auch der Pfälzer hat einen Feenwunsch: „Und jetzt bitte innerhalb der Mauern alles fluten“. So was muss man sich als Saarländer in der Pfalz anhören, echt fies.

 

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Auf der Wanderung blieb es märchenhaft. Im Pfälzer Wald muss man nur laut rufen „Tischlein Deck Dich“, schon wird eine herrliche Flasche Rotwein auf den Steintisch gezaubert. Das funktioniert aber nur in der Pfalz, denn dort gibt es das größte deutsche Rotweinanbaugebiet der Welt und da bleibt so manche Flasche guten Rotweins übrig.

 

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Am Stäffelsbergturm sehe ich, wie es zwei Wandersleute im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen hat. Haben die zu oft „Tischlein Deck Dich!“ gerufen und sind jetzt im Reich der Weinseligkeit? Ich vermute eher, dass die Aussicht auf das Rheintal die beiden umgehauen hat …

 

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Bis auf die gegenüberliegenden Schwarzwaldhöhen bei Karlsruhe kann man sehen, ein traumhaftes Panorama. Weiter ging es über die typischen, sandigen Kieferwaldwege des Pfälzer Walds. Der Witz am Pfälzer Weinsteig ist ja, dass man zum überwiegenden Teil im Wald wandert, umso schöner sind die Aussichtspunkte wie an der Ruine Guttenberg.

 

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Das ist schon interessant: die Geschichte der Gutenbergburg wird auf der Erklärtafel erläutert. Nur: Irgendwann wird aus der Gutenbergburg die Guttenbergburg. Sehr sehr verdächtig, wenn da nicht dieser ehemalige Bundesminister mit den gegelten Haaren seine Finger im Spiel hat. Kann sich noch jemand daran erinnern, dass der Guttenberg früher als Angie-Nachfolger gehandelt wurde? Und: Kann sich noch jemand erinnern, dass der Schulz früher als Angie-Nachfolger gehandelt wurde?

 

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Normalerweise würde ich sagen: Der Blick auf Schweigen wäre zum Niederknien. Aber bei so einem Ausblick sollte man eher: schweigen. Okay, blöder Kalauer. Nach 15 Kilometern habe ich mein Wanderziel in Schweigen-Rechtenbach erreicht, dort tummeln sich diverse Weltklasse-Winzer direkt an der französischen Grenze. Und zum Ende der Wanderung habe ich noch ein Erfolgserlebnis der besonderen Art:

 

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Mit einem satten Links-Schuß erziele ich ein spektakuläres Weintor. Der Jubel ist grenzenlos: Wein! Tor!



Schengen grenzenlos

Geschrieben am um 7:41

Meine Bär-Schuhe sind ziemlich international aufgestellt. Allein in den letzten Monaten sind sie in England, Mazedonien, Norwegen, Frankreich, Holland und im Saarland unterwegs gewesen. Wandern ohne Grenzen, Wandern in vielen europäischen Ländern. Da liegt es nah, sich mal einen total grenzenlosen Wanderweg vorzunehmen.

 

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Wo könnte man schöner grenzenlos Wandern als in dem Ort, der wie kein anderer für das vereinte Europa steht: Schengen an der Obermosel, seit den berühmten Abkommen von 1985, 1990 und 1995 der Inbegriff für die Europäische Union. Wenn man an der Schengener Tourist-Information am Ufer der Moselle steht, kann man sich nicht vorstellen, dass ein klar denkender Mensch gegen diese EU sein könnte. Aber wie es Täler und Berge gibt, so scheint es politische Wellenbewegungen zu geben: Mal für mehr, mal für weniger Internationalismus, Völker hört die Signale!

 

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Aber muss man wegen der EU-Kritik unbedingt wie in der Schengener Tourist-Information die EU-Flagge in die Tonne kloppen? Kinder, so geht das aber nicht!

Die grenzenlose Traumschleife von Perl ist nicht lang, 7,7 Kilometer inklusive dem Zuweg ab der Mosel, aber es sind ein paar gemeine Steilstücke darunter. Gute Kondition ist am Dreiländereck gefordert. Und dass die Region nicht immer grenzenlos war, kann man an einem alten Grenzstein erkennen, der die Grenze von L-iechtenstein markiert.

 

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Ach nein, Quatsch, das war ja das andere Steuerparadies mit „L“. Wir wandern natürlich von Luxemburg rein nach Frankreich, wahrhaftig grenzenlos. Hoffen wir, dass das auch nach der französischen Präsidentenwahl so bleibt. Im Fall eines Wahlsiegs könnte ja Madamm Lö Päng eine Mauer rund um die Grong Nation ziehen – und dann ist Feierabend mit „sans frontières“.

Wir wandern also auf französischem und luxemburgischem Staatsgebiet, Deutschland liegt auf der anderen Moselseite.

 

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Beim Blick auf das wunderschöne Perl kann man allerdings verstehen, warum dieser Ort die am stärksten wachsende Gemeinde im Saarland ist. Oder könnte es daran liegen, dass die Immobilienpreise doch ein klein wenig günstiger als im Herzogtum sind? Tanken in Luxemburg, wohnen in Perl, das scheint die – Achtung Wortspiel – DEVISE zu sein. Dass allerdings kein Luxemburger auf der französischen Seite wohnen will, ist auch klar.

 

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Denn wenn man genau hinschaut, sieht man auf der Traumschleifen-Wanderung die vier fröhlich rauchenden Kühltürme der VIER Atomreaktorblöcke von Cattenom. Die Saarländer schauen immer nach, ob auch alle vier Türme schmauchen. Mal nachzählen: Eins, zwei, drei … Huch! Nach der Wanderung erfahre ich im Netz, dass es einen Tag vor meiner Wanderung eine der fast täglichen Zwischenfälle gegeben hat. Ein Block wurde ausgeschaltet, weil es ein kleines Feuer gegeben hat. Oh, la, la, pas de problème! Schulterzucken auf Französisch, deshalb hat man doch VIER Reaktoren, damit ein bis drei auch ruhig mal ausfallen können.

Ohne größere Strahlenbelastung kehre ich zurück zum Moselufer und gönne mir noch einen Riesling von der luxemburgischen Obermosel.

 

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Die Zukunft der EU wird in Schengen durch drei kommunizierende Röhren mit sehr sehr vielen Sternen symbolisiert. Und da die meisten der unzähligen Sterne rot leuchten, gehe ich davon aus, dass der Beitritt von Russland in die EU unmittelbar bevorsteht. Dann kann man demnächst bis zum Pazifik grenzenlos wandern.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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