Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt…

Geschrieben am um 7:05

Letzten Samstag bin ich mit einer Gruppe gewandert – in der Nähe von Baden-Baden – denen ich das Prinzip des Premium- und Qualitätswege-Wamderns erklärt habe. Das mache ich sehr gerne, ich war nur mal wieder erstaunt, dass keiner, aber auch wirklich keiner der Wanderer/innnen jemals davon gehört hatte. Alles Wander-affine Leute, sehr erstaunlich. Farin Urlaub hat mal gedichtet: Mit einem eiskalten Getränk am Strand, da wird man leicht arrogant. So oder so ähnlich. Und wenn man wanderbegeisterten Leuten des Prinzip „Premium“ erklärt, hat man leicht das Gefühl: Mensch, ich weiß alles zum Thema Wandern. Doch das ist: FALSCH!

 

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Vor einigen Tagen durfte ich ein Veranstaltung des Bundesumweltministeriums in Berlin moderieren. Titel: Dialogforum 2017: Sport – Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft. Hört sich leicht dröge an, war es aber überhaupt nicht. Zunächst mal muss man einfach mal sagen: Ja, auch die Wanderer sind Sportler, im Jargon der Nachhaltigkeit sind wir „Natursportler“, die unter Umständen mit den Naturräumen wie Wald, Feld und Wiesen nicht nur in Kontakt, sondern auch in Konflikt kommen.

Aber ich wollte ja erzählen, was ich Neues über die Welt es Wanderns gelernt habe…

 

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Die Sporthochschule Köln wendet spannende Methoden an, um die sogenannten „Aufmerksamkeitspunkte“ von Wanderern zu fixieren. Keine Umfrage, sondern wirklich Fakten, gemessen mit GPS und VEB oder meinetwegen auch VEP. Vielleicht kommt ja dabei heraus, dass alle Wanderer doch heimlich nach Kraftwerken schielen, weil sie die so schön finden. Außerdem wollen die Sporthochschüler Wanderbewegungen messen: Per Drohne und Lichtschranken. Nichts bleibt unbemerkt!

Eine wirklich ganz erstaunliche Studie kam ebenfalls von der Sporthochschule Köln.

 

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Man muss wohl Abschied von der Vorstellung nehmen, Bewegung und Sport an sich sei gesund. NEIN! Wer in Großstädten joggt, wandert und skated, hat den Sensenmann quasi schon im Gepäck. In Großstädten sollte man in’s Kino gehen, arbeiten, in Kneipen versumpfen, aber keinen Sport machen, sonst, sonst, sonst, Demenz und alles ganz schlimm. Bitte geht zum Wandern in die Wälder, Stadtwandern macht blöde!

Und dann sind da noch die 33 %. Erst mal schön, so ein Ergebnis einer anderen Studie, dass für sportliche Betätigungen 77,6 Milliarden Euro jährlich in Deutschland ausgegeben werden. Chapeau! Aber genau 33%, also ein Drittel, fließt von diesem Geld in die Mobilität. Also in Sprit und Tickets, um zum Sport zu kommen. Das ist doch der Hammer. Da kann man nur sagen: man sollte mehr dort wandern, wo man wohnt, um Mobilitätskosten zu sparen. ABER DAS GILT NICHT FÜR STÄDTER!!! WEGEN DER DEMENZ!!!

Das Wanderleben ist sehr kompliziert.



Wahlempfehlung für den kommenden Sonntag

Geschrieben am um 8:09

Count Down an der Saar. Nächsten Sonntag wird gewählt. Die spannende Frage: Bleibt AKK Ministerpräsidentin und macht weiter mit GroKo, oder wird die ehemalige Kugelstoßerin AR (die immer noch den saarländischen Rekord hält) Ministerpräsidentin und macht weiter mit GroKo. Oder wird es doch ganz annersch und unser Oskar wird mal wieder Ministerpräsident? Im Wahlkampf-Endspurt begann alles ganz harmlos: Anke Rehlinger warb für gleiche Chancen bei der Bildung. Ganz ganz heißes Eisen. Lafonataine legte eine Schippe drauf und versprach eine Rentenerhöhung um satte 800 Euro im Schnitt. So wie in Österreich. Klar, aus Österreich kamen schon immer die besten Ideen.

 

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Kurz vor der Wahl ist dem Wahlteam um Oskar etwas total Verrücktes eingefallen: Sie haben den Oskar auf den Cloepfad oberhalb der Saarschleife hingestellt und er findet, dass „wir“ das Saarland lieben. Wer ist „wir“? Oskar und seine drei Ex-Frauen und die aktuelle? An dieser Saarschleife hängt übrigens immer noch das Blatt, das nicht zwischen Schröder und Lafontaine passen sollte. Denn exakt an der gleichen Saarschleifen-Aussichtsstelle veranstalteten vor fast 20 Jahren die beiden SPD-Alphatiere ein Händchenhalten mit Ehefrauen. Also mit den derzeitigen Ex-Ehefrauen.

 

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Als die sportliche Frau Rehlinger das Wahlplakat von Herrn Lafontaine sah, wollte sie auch so eines. Aber mit einer klaren politischen Aussage, nicht so ein Wischi-Waschi wie beim kleinen Napoleon von der Saar. Also steht sie jetzt mit einem Gesichtsausdruck, als müsste sie vor Glück heulen, dass Gabriel Martin Schulz erfunden hat, vor der Saarschleife und will das Saarland und die Stärke.

 

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Der feine Unterschied zu Lafo ist: Rehlinger steht. was jeder saarländische Wanderfreund sofort sieht, eine Stufe höher an der Saarschleife. Seit letztem Jahr thront nämlich ein mächtiger Baumwipfelpfad samt spiraligem Aussichtsturm über der Cloef.

 

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Mit etwas Höhenangst steht Frau Rehlinger sozusagen an der Rehling (schlimer Kalauer, Entschuldigung) und zeigt, in welchem Stockwerk Sie sich und ihre Partei ansiedelt. Ganz, ganz weit oben. Gut, dass die amtierende Ministerpräsidentin AKK noch ein Ass im Ärmel hat. Sie wird kurz vor der Wahl noch ein Plakat-Motiv veröffentlichen, auf dem sie herzhaft in eine Lyoner (Wurst) beißt, während sie im Gleitschirm über die Saarschleife fliegt. Dabei sagt sie: „Ich mache das Saarland wieder groß“.



Kurz vor dem Gipfel

Geschrieben am um 6:04

Kurz vor dem Gipfel sollte man standhaft bleiben, deswegen bin ich nach Baden-Baden gefahren, um mich vor Ort über die Vorbereitungen auf das G20-Treffen der Finanzminister aus aller Welt zu informieren. Kein internationaler Gipfel ohne Proteste, denn Globalisierung ist doof, Nationalismus allerdings ist supi, oder habe ich da was falsch verstanden? Auf jeden Fall hat die SPD (mit der es nach der Wahl, die Schulz mit absolutester Mehrheit gewinnen wird, höchstens ein G19einhalb geben wird – aber mit ganz viel Gefühl) diese SPD hat zum Gipfelmarsch auf den Merkur aufgerufen. Leider habe ich mich verlaufen und bin auf einem Berggipfel gegenüber gelandet: Auf dem Fremersberg.

 

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Es gibt auf dem G20-Treffen Kulturveranstaltungen, eine Kunstaktion und ein Abendprogramm im Festspielhaus … aber keine Wanderung auf dem Premiumweg PBB, dem Panoramaweg Baden-Baden. Das ist ein Skandal, aber dagegen wird nicht protestiert. In der Nähe des Panoramawegs – Höhe Waldsee – befindet sich ein Flüchtlingsheim. Dort werden die G20-Teilnehmer übernachten, echtes Refugees-Welcome-Feeling inklusive.

 

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Außerdem kann der schwäbische Finanzminister Schäuble den anderen 19 Finanzministern zeigen, wie die schwäbische Hausfrau spart. Die Flüchtlinge selber werden während des Gipfels ausquartiert und im Brenners Park Hotel untergebracht.

Es wurde viel gemutmaßt, warum das G20-Treffen der Finanzminister gerade in Baden-Baden stattfindet. Weil es quasi die Heimat von Wolfgang Schäuble ist? Weil sich schon im 19. Jahrhundert die Diplomaten und gekrönten Häupter Europas in Baden-Baden getroffen haben? Man prägte dafür sogar den Fachbegriff „diplomatie thermale“, eine Art wärmende Unterwassermassage. Oder treffen sich die G20-Leute einfach in Baden-Baden, weil man so wie „Der Spieler“ bei Dostojewski es im Casino mal so richtig krachen lassen kann?

 

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Der Panoramaweg führt übrigens auch am Porphyrfelsen Pulverstein vorbei. Der Pulverstein wird morgen früh, also kurz vor Beginn des Treffens, von CIA, deutschem Verfassungsschutz und PKK in die Luft gesprengt. Ein Pulverstein stellt naturgemäß ein Sicherheitsrisiko dar. Man sagt ja auch, die sitzen auf einem Pulverstein.

 

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Bliebe die Frage, wie man eigentlich stilecht in Baden-Baden wandert. Da gibt es – noblesse oblige – eigentlich nur die klassische Variante: In Pelz-Funktionskleidung, superhohe Wassersäule und atmungsaktiv auch bei wärmender Frühlingssonne!

 

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Mit meinen Bär-Schuhen in Norwegen

Geschrieben am um 6:16

Wanderer, kommst Du nach Norwegen, musst auf den Preikestolen wandern. Dieser Fels ist wie kein anderer Fels auf der Welt, die Felskante stürzt steil 604 Meter hinab bis zur Wasseroberfläche des Lysefjord. Der Preikestolen, zu deutsch Predigtstuhl, ist allerdings kein Geheimtipp. Es gibt wahrscheinlich keinen Norweger, der nicht zu diesem Felsen an der Westküste Norwegens gewandert ist. Und man MUSS wandern. Genau 4.000 Meter hinauf zu dem großen Stein. Denn es fährt keine Seilbahn und keine Zahnradbahn zu diesem Felsen, der Anstieg ist sogar durchaus anspruchsvoll.

 

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Da ergibt es sich zwangsläufig, dass man andere Wanderer überholt. Ich hatte das Gefühl, die ganze Welt war auf den Beinen, um den Preikestolen zu erklimmen. Ich habe Menschen aus allen Herren Ländern gesehen, mit hochroten Köpfen – wegen der Anstrengung. Russen, Engländer, Holländer, Deutsche, Schweizer, Tschechen, Amerikaner, Asiaten. Und natürlich Norweger. Die Frage ist natürlich, warum ich relativ schnell auf dem sehr anspruchsvollem Weg unterwegs sein konnte. Ihr werdet es schon geahnt haben: Mein exzellentes Schuhwerk hat mir wahrhaft Flügel verliehen.

 

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Denn der Weguntergrund war alles andere als einfach. Normale Waldwege und Bohlenwege gab es auch. Aber die meiste Zeit ging es über Felsbrocken, die man als eine Art Treppe nutzen konnte oder über gigantische, flache Felsplatten. Dazu ab und zu ein glasklarer Gebirgssee und immer wieder Aussichten zum Niederknien. Nicht umsonst haben auch die Beatles dereinst der norwegischen Flora mit „Norwegian Wood“ einen eigenen Song gewidmet. Die Ausschilderung des Weges hinauf zum Preikestolen ist mehr als perfekt.

 

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Immer wieder gibt es Info-Tafeln, die anzeigen, wie weit man schon gekommen ist. Es gibt vier gößere Anstiege hinauf zum norwegischen Super-Felsen, wobei der dritte Anstieg, ein sehr steiles alpines Stück, schon ein regelrechter Scharfrichter ist. Als zusätzlichen Service hat man Hinweispfähle in den Boden gerammt, die auf 50 Meter genau anzeigen, was man schon geschafft hat, und wie weit man noch zu laufen hat.

 

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Und ich muss sagen, dieser Markierungs-Service hat bei mir regelrechte Glücksgefühle ausgelöst. Hilfreich waren die Pfähle vor allem, als das Schlimmste überstanden war (der dritte Anstieg!): 1.050 Meter, 700 Meter, 450 Meter, 200 Meter. Das war ein tolles, ein erhebendes Gefühl, Wanderglück pur.

 

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Dann also auf dem Fels-Giganten. Schnell wollte ich ein Ich-war-auf-dem-Preikestolen-Beweisfoto haben und drückte meine Kamera einer Amerikanerin in die Hand. Dabei habe ich der Fotografin ganz klare Anweisungen gegeben. „Do you have also the shoes in the sucher?“ Ja, hatte sie, sehr fein gemacht. Und dann? Wie vertreibt man sich denn die Zeit auf dem norwegischen Super-Felsen?

 

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Man könnte ja ein Picknick an der Felskante machen, so wie es viele asiatische Familien praktiziert haben. Problem 1: ich hatte nichts zu essen dabei. Problem 2: Alleine Picknicken macht einsam. Problem 3: Ich wollte bloß weg vom Preikestolen. Warum? Weil ich Höhenangst habe, schreckliche Höhenangst. Und ich kann nicht verstehen, warum ein so reiches Land wie Norwegen es nicht schafft, ein stabiles Geländer an die Felskante zu bauen.

 

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Das Problem ist nämlich, dass sich meine Höhenangst auch auf andere Menschen bezieht. Wenn ich also sehe, wie an der Felskante junge Menschen für ein lausiges Smartphone-Foto an der Felskante herum turnen, wird mir blümerant. Da könnte doch ein Windstoss kommen, und die runter fegen. Oder es gibt Blitzeis und sie stürzen ab. Oder da liegt ne Bananenschale rum, die eine asiatische Familie bei ihrem Picknick vergessen hat, und sie stürzen 604 Meter in die Tiefe…

So schnell ich konnte, trugen mich meine BÄR-Schuhe wieder zurück zum Ausgangspunkt. Und auf dem Wanderweg fühlte ich mich auch wieder sicher.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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