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Meine Bär Schuhe unterwegs in … Cornwall

Ich bin mal wieder in der großen weiten Welt gewandert: In Cornwall. Bitte verschont mich mit Eurer ersten Assoziation zu Cornwall: Ah, Du bist also Rosamunde-Pilcher-Fan. NEIN! Obwohl ich gar nichts für oder gegen diese Frau und ihre Bücher/Filme habe. Ich kenne sie einfach nicht. Für mich als Literaturliebhaber ist Cornwall vielmehr das Daphne-Du-Maurier-Land. Rebecca! Die Vögel! Jamaica Inn! Wilde Klippen, tiefe Gefühle, rauhe See. Und genau dort wollten meine Bär-Schuhe wandern.

 

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Mein erstes Wanderlebnis in Großbritannien hatte ich in Schottland. Die Geschichte ist in den Gesammelten Wanderabenteuern beschrieben. Viele schwärmen von den Highlands, ich finde es da eher öde. Lieber Hunsrück als Highlands. Aber in Cornwall an der Südküste auf dem Coast Path zu wandern, das ist auf jeden Fall ganz großes Wanderkino.

 

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Schmale Pfade, naturbelassen, manchmal mit Gras-Untergrund. Schon die pure Wegequalität der alten Schmuggler-Pfade ist absolut premiumwürdig. Was aber (zum Beispiel) der Hunsrück nicht zu bieten hat sind diese Blicke auf’s Meer, auf Buchten, auf Felsen, auf Brandung, auf kuschelige Piratenstädtchen. Natürlich muss man immer mal wieder – vor allem wenn man quasi ein See-BÄR ist – den Blick zum Horizont schweifen lassen.

 

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Denn mit dem Auftauchen der spanischen Armada ist an den Gestaden England jederzeit zu rechnen. Und auch den Franzosen ist nicht zu trauen, wie überhaupt diesen ganzen Festlandvölkern, die sich zur EU zusammen geschlossen haben. Dass der politische Kampf um den Brexit auch auf den britischen Wanderwegen angekommen ist, kann man unschwer an einer Tafel erkennen, die die Geldgeber des Landschaftsschutzes am Coast Path würdigt.

 

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Tja, da hat wahrscheinlich Boris Johnson himself wütend die EU-Flagge ausgekratzt. Aber nur mal zur Info, liebe Brexiteers: Die EU, also wir alle, haben diesen wunderschönen Weg mitfinanziert und das ist auch gut so. Aber diesen Fakt macht man nicht ungeschehen, inden man mit dem Hausschlüssel EU-Fahnen unkenntlich machen will. Außer man ist entweder geistig nicht zurechnungsfähig oder extrem infantil. Oder man hat den Tunnelblick.

 

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Klar, diesen Tunnelblick kann man auch auf dem Weg von Looe nach Polperro bekommen, weil wie auf einem Gemälder von Caspar David Friedrich die Gewächse am Wegesrand eine romantische Laube bilden.

Ich erwähnte schon, dass sich Daphne du Maurier in ihren Büchern literarisch an der Küste von Cornwall abgearbeitet hat. Aber bei meinen Wanderungen auf dem Coast Path musste ich auch immer wieder an die literarischen Meisterwerke einer anderen englischen Autorin denken.

 

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Diese einsamen unbewohnten Inseln. Die Schmuggler-Höhlen. Die schroffen Strände. Ich musste sofort an das „Geheimnis um ein blaues Boot“ denken. An die Insel der Abenteuer. An fünf Freunde und die Felseninsel. An fünf Freunde auf Schmugglerjagd. Von wegen Rosamunde-Pilcher-Land, Cornwall ist Enid-Blyton-Country. Und der Blick auf das dunkle Eiland erinnerte mich auch ein klein wenig an Tim und Struppi und die schwarze Insel. Aber das ist natürlich Quatsch, denn diese Geschichte spielt nun nachweislich in Schottland und nicht in Cornwall.


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6 Kommentare zu “Meine Bär Schuhe unterwegs in … Cornwall

  1. Nichts gegen die Highlands! Die Glasgow – Fort William – Wanderung kurz nach dem Abi hat mir seinerzeit a) durchaus sehr getaugt und war b) ein wichtiger Baustein auf dem Weg in die Wanderselbständigkeit! Auch wenn ich da die Organisation noch komplett Thomas überlassen und nicht mal eine eigene Wanderkarte dabei hatte.. irgendwie hab‘ ich Wanderkarten, die kein alpines Hochgebirge und also die gefährlichen Wegabschnitte kennzeichnen, damals noch nicht so für voll genommen.. egal: war wichtig! Die Cornwall-Bilder hier sind freilich sehr reizvoll, da gibts zunächst mal gar nix zu meckern.

    • Auf den Spuren Enid Blytons: das hat mir jetzt so richtig gut gefallen. Lang, lang ist’s her, da habe ich alle Bände verschlungen- die „5 Freunde“,die „Burg der Abenteuer“, die „Geheimnis um…“ Bücher. Und „Rebecca“ – das düstere Schloss Mandelerley über den Klippen der Cornwalllandschaft…
      Wie wäre es demnächst mit einer Wanderung auf den Spuren Astrid Lindgrens? Mit Manuel Blomquist durch Schwedens schönste Landschaften?
      Freue mich jetzt schon drauf!

  2. Dass ich mal in einem Wanderblog an meine Enid Blyton-Lektüre erinnert werden würde… Hieß die wirklich so? Komischer Name eigentlich, hab ich früher nie drüber nachgedacht, aber damals war ich ja jung und dumm, sprich: Bayernfan.

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