Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Einkehrparadies Ostwestfalen

Geschrieben am um 8:01

Der Frühling naht mit riesigen Schritten und damit die legendäre Wanderbroschüre „Wunderbar Wanderbar“ von NRW Busse und Bahnen. In diesem Jahr geht es unter anderem nach Ostwestfalen auf den Hermannsweg. Ich bin von Steinhagen (da kommt der Steinhäger her) hinauf auf die Höhen des Teutoburger Walds gewandert und schließlich hinein in die pulsierende Metropole Bielefeld. Das Schöne an dieser gut zehn Kilometer langen Wanderetappe: Ich kann mich nicht entsinnen, je eine Etappe eines Weitwanderweges mit höherer Einkehrdichte gegangen zu sein.

 

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Gaststätte Nummer Eins ist bei einem ominösen Peter auf dem Berge. Ob es sich bei Peter auf’m Berge um Peter Neururer, Peter Pan oder Peter den Großen handelt, habe ich nicht kapiert. Aber kaum hat man nach der Einkehr das erste Pils verdaut, ist man schon zum Fernsehturm auf der Hünenburg gewandert.

 

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Nun gut, der Kiosk hatte zu, weil weder schönes Wetter (Winter) noch Wochenende. aber die Meierei Olderdissen, die hat ganzjährig und täglich geöffnet.

 

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Kaum hat man den rundgetrunkenen Deckel in der Meierei bezahlt, geht es schon in das Café des Bauernhausmuseums. Egal ob drinnen (oder) draußen. Die Frage (ist): Warum (Klammern) um das (und)?

 

 

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Aber wenn man so richtig chillen will vom harten Workout im Homeoffice auf’m Petermountain, sollte man in den Beergarden gehen…

 

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Und wer dann noch nicht die Luken offen hat, kann auch noch auf der Sparrenburg litern. Prost, Du Sparren!

 

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Hier noch der Beweis, dass ich wirklich am Hermannsweg war, der Selfie Beweis, keine alternativen Fakten oder so. Und kostenlos gibt es an dieser Stelle noch einen kleinen Styling-Tipp von mir.

 

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Wenn es wirklich saukalt ist, also unter Null und Schnee und Eis und Bibber, dann ziehe ich bei Wanderungen unter meine Fleece-Jacke noch den blauen Kuschel-Hoodie an, das ergibt zwar manchmal so eine verdrehte Wurst im Nacken wegen der Doppel-Kapuze, aber das stört mich nicht. Im Gegenteil, das wärmt auch noch den Nacken.

Aber mal was anderes. Kann nicht einer mal der Grinsebacke neben dem H sagen, dass man bei einem Selfie nicht immer ein Doppelkinn machen muss? Danke.



Auf dem Offizierspfad

Geschrieben am um 8:57

Die Winterzeit ist für mich immer eine schöne Gelegenheit, saarländische Premiumwege abzuwandern, die ich noch nicht kenne. Für alle, die es noch nicht wussten: Es gibt im Saarland fast so viele Premiumwege wie Einwohner. Apropos schlechte Saarland-Witze: Irgendwer sollte dem Bremer Polizisten-Sohn Böhmermann (der ein wirklich tolles Haus in Köln-Neu-Ehrenfeld gekauft hat) mal sagen, dass das Genre des Saarland-Witzes so sexy ist wie die Frisur von Donald Trump.

 

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Es erschließt sich auf den ersten Schritt übrigens nicht so recht, warum eine Kochmütze als Logo für den Offizierspfad gewählt wurde. Ist eine Kochmütze eine typische Kopfbedeckung von Offizieren? Außerdem ist es sowieso etwas merkwürdig, einen Wanderweg nach einem Offizier zu nennen. Die feinen Herren Offiziere sind doch nicht gewandert, sondern waren die berühmten Herrenreiter.

 

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Es müsste also eher Offizier-der-sein-Pferd-verloren-hat-Pfad heißen. Ist aber für die Vermarktung etwas zu lang. Sehr schön ist es, im Winter auf dem Offizierspfad zu wandern, wenn der Schnee unter den Offiziersstiefeln knirscht und der fast bodenlange Offiziersmantel den Wams wärmt.

 

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Am Wegrand steht als Überbleibsel aus dem saarländischen Winterkrieg 70/74 eine 300 Jahre alte Napoleoneiche. 300 Jahre alt, da war der kleine Korse doch noch gar nicht geboren! Neben der Eiche gut zu erkennen: Ein Veteran aus dem russischen Winterkrieg 54/90.

Ein Highlight der Wanderung ist das Hofgut Imsbach:

 

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Napoleon selber hat es seinem Offizier (daher der Offiziersbezug!) Charles Louis Narcisse Lapointe geschenkt Chapeau!

Man kann auf dem Hofgut auch übernachten, das scheint sehr sehr komfortabel zu sein…

 

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Aber die Öffnungszeiten der Gastronomie sind, weil abendlastig, nicht sehr wanderfreundlich. Ganz anders dagegen das zweite Highlight der Wanderung, die Johann Adams Mühle

 

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Dort kann man einkehren, wann man will. Morgens um 10.00 zum Frühstück, um 13.00 um den Scharfen Heinz zu genießen, Nachmittags zum Kaffee/Kuchen oder Abends zum Bier. Kein Ruhetag, keine Betriebsferien. Herrlich.



Ich wollte es wäre Nacht und meine Pappenheimer kämen

Geschrieben am um 7:53

Der Vorteil eines abgeschlossenes Studiums ist nicht nur, dass man automatisch und direkt zur Elite und zum Establishment gehört. Der Vorteil eines abgeschlossenes Studiums ist auch, dass man jederzeit und überall schlau daher reden und mit Zitaten um sich werfen kann. Man kann es nicht nur, man sollte es auch. Warum? Damit alle staunen und sich wundern natürlich. Als Inhaber des großartigsten akademischen Titels aller Zeiten (Magister Artium, das ist ungefähr so viel wert wie ein Doktortiel und ein Diplom zusammen) und fertig studierter Germanist verfüge ich über umfassende Kenntnisse der klassischen deutschen Dramen.

 

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So viel (ich bin zwar superschlau, aber auch Gelegenheitslegasniker) es mir nicht schwer, aus dem Stegreif Schillers Wallenstein zu zitieren, als ich meinen Wanderführer im Altmühltal sah. Der war ein gebürtiger und damit waschechter Pappenheimer. Also stellte ich mich in Positur und zitierte: „Ich kenne meine Pappenheimer, auch Du, mein Sohn Brutus?“

 

Es gibt tatsächlich eine Burg Pappenheim: Da isse:

 

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Und historisch korrekt war das von Wallenstein ja positiv gemeint gewesen mit den Pappenheimern, so in dem Sinne, klar, ich kenne die, und auf die kann man sich verlassen. Man wäre ja in antifaktischen Zeiten, in denen so einiges ins Rutschen gerät, froh über etwas mehr Zuverlässigkeit. Ich bin daher für eine Pappenheimerisierung der Weltpolitik! Lasst uns dafür streiten!

 

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Aber wenn dann auch noch die Pappenheimer anfangen zu lesen, dann gehören die auch ganz schnell zur Elite und zum Establishment und dann fängt der ganze Mist von vorne an.



Meine Bär Schuhe unterwegs in … Cornwall

Geschrieben am um 7:12

Ich bin mal wieder in der großen weiten Welt gewandert: In Cornwall. Bitte verschont mich mit Eurer ersten Assoziation zu Cornwall: Ah, Du bist also Rosamunde-Pilcher-Fan. NEIN! Obwohl ich gar nichts für oder gegen diese Frau und ihre Bücher/Filme habe. Ich kenne sie einfach nicht. Für mich als Literaturliebhaber ist Cornwall vielmehr das Daphne-Du-Maurier-Land. Rebecca! Die Vögel! Jamaica Inn! Wilde Klippen, tiefe Gefühle, rauhe See. Und genau dort wollten meine Bär-Schuhe wandern.

 

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Mein erstes Wanderlebnis in Großbritannien hatte ich in Schottland. Die Geschichte ist in den Gesammelten Wanderabenteuern beschrieben. Viele schwärmen von den Highlands, ich finde es da eher öde. Lieber Hunsrück als Highlands. Aber in Cornwall an der Südküste auf dem Coast Path zu wandern, das ist auf jeden Fall ganz großes Wanderkino.

 

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Schmale Pfade, naturbelassen, manchmal mit Gras-Untergrund. Schon die pure Wegequalität der alten Schmuggler-Pfade ist absolut premiumwürdig. Was aber (zum Beispiel) der Hunsrück nicht zu bieten hat sind diese Blicke auf’s Meer, auf Buchten, auf Felsen, auf Brandung, auf kuschelige Piratenstädtchen. Natürlich muss man immer mal wieder – vor allem wenn man quasi ein See-BÄR ist – den Blick zum Horizont schweifen lassen.

 

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Denn mit dem Auftauchen der spanischen Armada ist an den Gestaden England jederzeit zu rechnen. Und auch den Franzosen ist nicht zu trauen, wie überhaupt diesen ganzen Festlandvölkern, die sich zur EU zusammen geschlossen haben. Dass der politische Kampf um den Brexit auch auf den britischen Wanderwegen angekommen ist, kann man unschwer an einer Tafel erkennen, die die Geldgeber des Landschaftsschutzes am Coast Path würdigt.

 

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Tja, da hat wahrscheinlich Boris Johnson himself wütend die EU-Flagge ausgekratzt. Aber nur mal zur Info, liebe Brexiteers: Die EU, also wir alle, haben diesen wunderschönen Weg mitfinanziert und das ist auch gut so. Aber diesen Fakt macht man nicht ungeschehen, inden man mit dem Hausschlüssel EU-Fahnen unkenntlich machen will. Außer man ist entweder geistig nicht zurechnungsfähig oder extrem infantil. Oder man hat den Tunnelblick.

 

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Klar, diesen Tunnelblick kann man auch auf dem Weg von Looe nach Polperro bekommen, weil wie auf einem Gemälder von Caspar David Friedrich die Gewächse am Wegesrand eine romantische Laube bilden.

Ich erwähnte schon, dass sich Daphne du Maurier in ihren Büchern literarisch an der Küste von Cornwall abgearbeitet hat. Aber bei meinen Wanderungen auf dem Coast Path musste ich auch immer wieder an die literarischen Meisterwerke einer anderen englischen Autorin denken.

 

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Diese einsamen unbewohnten Inseln. Die Schmuggler-Höhlen. Die schroffen Strände. Ich musste sofort an das „Geheimnis um ein blaues Boot“ denken. An die Insel der Abenteuer. An fünf Freunde und die Felseninsel. An fünf Freunde auf Schmugglerjagd. Von wegen Rosamunde-Pilcher-Land, Cornwall ist Enid-Blyton-Country. Und der Blick auf das dunkle Eiland erinnerte mich auch ein klein wenig an Tim und Struppi und die schwarze Insel. Aber das ist natürlich Quatsch, denn diese Geschichte spielt nun nachweislich in Schottland und nicht in Cornwall.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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