Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die Welt der Wander-Kulinarik

Geschrieben am um 8:15

Wenn einer eine Wanderung macht, dann kann er etwas erleben, vor allem in der aufregenden Welt der Kulinarik.

2016 war ja für mich das Jahr des großen Rotkäppchen-Markenkäse-Gewinnspiels: 14 Wanderungen mit glücklichen Gewinnern auf den Wanderwegen Deutschlands waren für mich das gelungenste Wander-Gewinnspiel aller Zeiten. Natürlich gab es bei jeder Wanderung auch eine ordentliche Stulle für unterwegs mit original Rotkäppchen-Camembert und Rotkäppchen-Landrahm. Es gibt aber, auch das ist bekannt, noch ein anderes deutsches Nahrungsmittel, das „Rotkäppchen“ heißt:

 

dscf1698

 

Wegen der roten Kappe war der Rotkäppchen-Sekt schon zu DDR-Zeiten legendär. Allerdings wurden die Piccolöchen-Flaschen von Rotkäppchen während der Rotkäppchen-Wanderung in Brandenburg von zwei Berliner Studenten zweckentfremdet: Als Flachmann-Ersatz für den Spezial-Wodka. Da hieß es dann Nastrovje auf Rotkäppchen, das wir komischerweise schnell doppelt gesehen haben.

 

dscf1702

 

Bei einer anderen Rotkäppchen-Wanderung auf dem Wasserfallsteig (Schönster Wanderweg Deutschlands 2016) tranken wir nach der Wanderung mit den 20 Gewinnern noch einige Belohnungsbiere. Zu später Stunde oderte ich erschöpft und überhopft noch ein kleines Weizen – und bekam das kleinste Weizen der Welt, links im Bild.

Wieder Ortswechsel, Mosel. Eine andere Gewinnerwanderung,eine sehr schöne Veranstaltung mit der Moselland Weingenossenschaft. Erstmals in meinem Leben sah ich einen Öchslemesser.

 

dscf1729

 

Damit konnte man punktgenau bestimmer, wie viel Öchsle man schon intus hatte, wenn ich das genau verstanden habe.

 

dscf1190

 

Wieder Ortswechsel. Im Hochsommer bin ich im Renchtal auf dem Brennersteig gewandert, ich berichtete darüber in diesem Blog. Unser Wanderführer hatte einen Kartoffelsack dabei. Wollte der Kartoffeln sammeln und daraus ein gescheites Wässerchen nach russischer Art brennen? Weit gefehlt, im leeren Kartoffelsack, so lernte ich, lassen sich trefflich Pfifferlinge sammeln. Geschützt, aber luftig verpackt, damit sie nicht auf dem Weg zur heimischen Pfanne kaputt gehen. Wieder etwas gelernt aus der Welt der Kulinarik am Wegesrand.



Über Hansestädte, den Maierweg und „Bitte ein …“

Geschrieben am um 11:14

Ich schaue bei meinen Wanderungen immer auf die Schilder am Wegrand, da kann man sehr viel über Land, Leute und die Weltgeschichte lernen..

Zuletzt bin ich auf einem bergischen „Streifzug“ durch Wipperfürth gewandert, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren…

 

dscf1175

 

Wenn man 100 Leute (wie damals beim Familien Duell) fragt, was Ihnen zum Begriff „Hansestadt“ einfällt, sagen mindestens 95 davon wahrscheinlich „Hamburg“. Aber nur, weil die Heimat der HSV-Looser großspurig ein HH im Autokennzeichen führt, sollte man sich nicht auf die falsche Fährte locken lassen: Hamburg war zu Hochzeiten der Hanse von 1400 bis 1600 nicht mal eine richtige Stadt, geschweige denn eine Hansestadt. Das waren damals Lübeck, Bremen, Soest, Köln – und natürlich Wipperfürth. Die Wipperfürther bewerben sich schon um das Autokennzeichen HWIP.

Menschen mit Nachnamen wie Schmidt, Müller, Maier haben immer damit zu kämpfen, sich wenig aus der Masse herausheben zu können. Wer weiß zum Beispiel , wie unser aktueller Landwirstchaftsminister heißt? Christian MüllerSchmidtMaier? Gar nicht so einfach. Um so lobenswerter, dass in der Sächsischen Schweiz vor einiger Zeit ein Wanderweg mit echten Premiumqualitäten eingeweiht wurde: Der Maierweg. Wirklich eine der schönsten Wanderwege Deutschlands!

 

dscf1736

 

Und dann bin ich noch einem unglaublichen Werbespruch-Klau auf die Schliche gekommen…

 

dscf1726

 

Auf dem Moselsteig sah ich dieses jahrundertealte Werbeschild für guten Moselwein. Aber ich BITte zu beachten, dass sich eine kleine Brauerei aus der Südeifel diesen Marketing-Spruch angeeignet hat, und damit zu einer deutschen Premiumbiermarke aufgestiegen ist. Echt frech…



Auf dem Erzgräberweg in Schmelz

Geschrieben am um 7:05

Ich möchte mich vorab entschuldigen. In diesem Post wimmelt es von Namenswitzen. obwohl diese, laut einem ungeschriebenen Gesetz der Unterhaltungsbranche, absolut verboten sind. Würde zum Beispiel unser nächster Finanzminister Wolfgang Nimsgern (ein – nicht nur im saarland – durchaus üblicher deutscher Nachname), so wären alle Scherze über „nehmen ist seliger als geben“ AB-SO-LUT verboten. Aber wenn eine Traumschleife in Schmelz in Saarlands Mitte startet, wird man doch auf den zarten Schmelz hinweisen dürfen, mit dem einen dieser Ortsname über die Lippen kommt. Natürlich hat der Ortsname Schmelz auch etwas mit der Industrie-Geschichte des Orts zu tun. Eisenschmelzen und so.

 

img_0758

 

Und die Erzgruben sind ein großes Thema auf der Traumschleife, und wie man sieht, auch durchaus für Exkursionen mit dem Mathematik-Lehrer (vielleicht ist der Mathe-Pauker ja der große Horst?) geeignet: wenn der Durchmesser = 40 Meter, wie groß ist dann der Radius r und das Volumen V? Rechne und begründe!

 

img_0760

 

Aber auch die Erdkunde-Lehrerin kommt zu ihrem Recht. Denn obwohl die Lausebengel aus der letzten Reihe im Schritt des Kumpels nachgrabschen, ob der auch Lebacher Eier hat, ist er durchaus interessant, sich diese spezielle Gesteinsform bei Schmelz zu betrachten.

 

img_0764

 

Und dann ist die Biologie-Lehrerin an der Reihe. Denn die kann etwas über die Mendelschen Gesetze erzählen, während die Schulklasse staunend ins Bohnental hinab schaut und sich fragt, wo denn diese Hülsenfrüchte nun wachsen. Und das gesamte Kollegium der unteren Baumschule von Schmelz jauchzt, wenn es ungefähr bei der Hälfte des Erzgräberwegs zum Aussichtspunkt über fast das gesamte Nordsaarland geht. Wie in der Kommandozentrale des Raumschiffs Enterprise fühlt man sich dort, didaktisch überversorgt durch drei Schau- und Panoramatafeln. Wow!

 

img_0767

 

Ein weiteres Highlight kurz vor Schluss dieser Traumschleife: Der Steinbruch Großer Horst. (Schlimmer Kalauer-Gag: Was sucht der schwule Adler in den Lüften? Seinen Horst) Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Menschenhand nicht nur Landschaft zerstören, sondern auch aufregend modellieren kann. wenn man das sieht, kann man sich die Fahrt an den Grand Canyon doch echt sparen, oder?

 

img_0773

 

Nach den sehr abwechslungsreichen 12,5 Kilometern auf dem. Erzgräberweg kann man sich dann gemütlich in den Zug setzen und nach Lebach fahren. Ach so, die Strecke ist schon seit 1980 für den Personenverkehr stillgelegt? Schade, sehr schade. dann müssen Sie eben mit der Draisine nach Hause fahren. oder zu Fuß gehen.

 

img_0775z



Meine BÄR-Schuhe wandern in Baerenthal

Geschrieben am um 7:14

Meine Bär-Schuhe sind sehr international aufgestellt, wie man so schön sagt. Und meine Wander-Treter freuen sich besonders, wenn Sie an Orten wandern dürfen, die schon vom Namen her eine gewissen Bären-Anteil versprechen. In den nördlichen Vogesen findet sich, eingerahmt von einer imposanten Waldlandschaft, der kleine Ort Bärenthal. Oder vielmehr Baerenthal, denn das Französische kennt ja den Umlaut „Ä“ nicht, das sieht in französischen Augen genauso exotisch aus wie für uns das dänische „Ø“ in SMØREBRØD.

 

img_4859

 

Vor dem Ortsschild von Baerenthal hat sich mein Arnstein selbstständig gemacht und freut sich schon auf die kurze Wanderung im Départment 67, dem Départment Bas-Rhin. Das ist schon lustig, dass die Nordvogesen von Frankreich aus gesehen der Niederrhein sind. Wobei es in Baerenthal etwas anders aussieht als in Viersen, Hückelhoven und Mönchengladbach.

Weltberühmt in Baerenthal sind die „Ruines Ramstein“. Ein Ramstein, dass man nicht mit der amerikanischen Airbase Ramstein bei Kaiserslautern verwechseln sollte. Und erst recht nicht mit den Krach-Rockern von Rammstein. Der Name „Ramstein“ stammt übrigens wahrscheinlich von „Raben-Stein“, damit sind die Raben gemeint, die den Bären aus dem Baerenthal den Pelz gelaust haben.

 

img_4866

 

Interessant an dem Ruinen von Ramstein Schild ist ja auch, dass auf den „Col du petit Dunkeltal“ hingewiesen wird. „Col du petit Dunkeltal“. Das hört sich nach schwerer Bergetappe bei der Tour de France an. Ich finde auf jeden Fall die Mischung aus deutschem Originalnamen und französischer Sprachbesetzung herrlich. Aber ich wollte ja zu die Ruines Ramstein besichtigen. Und ich wandere und wandere, und sehe viel Wald, und ich sehe viele Felsen, aber was ich nicht sehe, das sind die Ruinen von Ramstein. Komplette Fehlanzeige. Möglichkeit Eins: Die Ruinen werden nach Bedarf in den Wald gestellt. Wochentags werden die abgebaut. Möglichkeit zwei: Die Bewohner von Baerenthal haben die Ruinen längst als Steinbruch entdeckt und ihre Häuser verschönert. Möglichkeit drei: Ich bin mit Blindheit geschlagen.

 

img_4867

 

Oder, quasi Möglichkeit vier: Vielleicht habe ich ja keine Augen für steinerne Ruinen, wenn man auf so schönen Wegen wandern darf. Wobei die Wege der Vogesen landschaftliche Ähnlichkeiten zu den Wegen der Pfalz aufweisen. Logisch, ist ja auch geographisch gesehen eine Einheit. Und meine Schuhe fühlen sich wohl auf diesen Wegen.

 

img_4870

 

Können diese meine Wanderschuhe doch auf flauschig weichem Weguntergrund wandeln, einem rot-sandigen Untergrund mit diesen Dingsen von der Kiefer. Ich wollte schreiben „Kiefernnadeln“ aber das ist natürlich Quatsch. Das sind doch keine Nadeln. Muss ich jetzt mal googeln. Okay gegoogelt, es handelt sich natürlich um Kieferzapfen, klar, Zapfen, wie BIER ZAPFEN, das lag mir doch auf der Zunge.

 

img_4874

 

Hatte ich schon erwähnt, dass ich meine Baerenthal-Tour bei höchsstsommerlichen Temperaturen unternommen habe? 35 Grad im Schatten, da ist man froh über jede Menge Schatten. Oder den Badesee von Baerenthal. Erfrischung für den erhitzten Körper. Meine Schuhe waren etwas traurig, dass sie nicht mitkommen durften. Aber sie haben mir beim Baden zugeschaut und auf meinen Rucksack aufgepasst. Wandern + Baden, eine phantastische Kombination: Auf nach Baerenthal!

 

img_4875


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren



© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.