Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Cloefpfad 4.0

Geschrieben am um 6:45

Bei der schon fast unüberschaubaren Anzahl von Premiumwegen komme ich gar hinterher, alle neuen Premiumwege zu erwandern. Selbst neue und alte Premiumwege in meinem Wohnumfeld habe ich noch nicht komplett erkundet. Ich wohne ja seit einigen Jahren im Saarland (das sind die, die erst seit 1957 dabei sind, nicht die, die erst seit 1990 dabei sind) und da gibt es bei mir umme Ecke die Traumschleifen. Leider oder Gott sei Dank sind es aber genau 111 Traumschleifen und ich habe erst ungefähr 48,2 Prozent unter die Füsse genommen. Ich bin natürlich bemüht, meinen Traumschleifenquotienten zu erhöhen, dafür muss/sollte ich immer neue Wege gehen. Wenn ich allerdings mit einer größeren Gruppe gehe, wie zuletzt Anfang Juli, schlage ich wiederum gerne Wege vor, die ich schon kenne und schätze.

 

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Also bin ich den Cloef-Pfad gewandert, den ich schon vor zwei Jahren gegangen bin. Gut, da erwartet man eben die gleiche solide Wegführung. Aber nichts da. Die ersten ungefähr zwei/zweieinhalb Kilometer des Cloef-Pfads waren vollkommen NEU, spektakulär an Felsen vorbei und über Felsen drüber, schmale Pfade ohne Ende und als Highlight eine Passage durch einen mediterran anmutenden Hof in Orscholz. Très magnifique! Nicht genug der Neuerungen, der Cloefpfad schien runderneuert, gepimpte Version, Wanderweg 4.0 sozusagen.

 

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Denn dass der Baumwipfelpfad mit dem Aussichts-Wendel-Wandel-Turm soooo schnell fertig würde, hätte ich nicht gedacht. Von unten an der Saar stehend sieht er etwas gewöhnungsbedürftig aus, wie eine hölzerne Riesenwarze über der Cloef. Wenn man oben am Saarschleifen-Aussichtspunkt steht, geht es eigentlich. das Ding ist schon monströs, aber von vielen Bäumen umsäumt/versteckt. Eins bleibt auf jeden Fall unberührt, beim Blick vom saarländischen Balkon…

 

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… die Aussicht auf der Dom, äh, auf die Saarschleife. Wenn man sich dann an den Baumwipfelpfadturm gewöhnt hat und weiter Richtung Atrium wandert, sieht man die gigantischen Dimensionen dieses Projekts. Für schlappe 21,50 Euro (das sind annähernd 40 Pfund, liebe Engländer) kann man mit der Kleinfamilie den Baumwipfelpfad entlang gehen. Mal gucken, ob ich das investiere. Ich habe – statt Baumwipfelpfad – lieber am Ende des Wegs für den höchst gelungenen Cloefpfad fünf Euro gespendet und bin dafür mit einem halb-esoterischen Spruch belohnt worden.

 

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Der Kalorienpfad

Geschrieben am um 7:42

Die alte Gretchenfrage an den Wanderer ist doch: Warum wanderst Du? Da gibt es naturgemäß tausend Gründe, jeder setzt da unterschiedliche Schwerpunkte. Aber über einen Fakt sind sich alle Gesundheitsapostel einig: Wandern macht schlank. Wenn man möchte. Es ist natürlich ein Problem, wenn nach dem Wandervergnügen etliche Belohnungsbiere den Gewichtsverlust ausgleichen. Aber gehen wir einmal davon aus, man könnte nach einer Wanderung auch ein leckeres stilles Wasser oder einen grünen Tee genießen. Dann kann man wirklich beim Wandern abnehmen.

 

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Wer spüren will, wie die Kalorien dahin schmelzen, sollte nach Hilchenbach ins Siegerland fahren. Dort gibt es den Kalorienpfad rund um den Breitenbach-Stausee. Mit sieben Kilometer nicht furchterregend lang, aber damit der Abnahmeeffekt steigt, hat man sich einen Trimm-Dich-Pfad 4.0 mit hochmodernen Geräten ausgedacht. Über die oben abgebildete Brücke soll man übrigens nicht balancieren, das wäre unter Umständen ungesund, obwohl man natürlich auch im Krankenhaus mit zwei gebrochenen Beinen bei Schon-Kost schön Gewicht verlieren kann. Nein, man soll sich an dem Sportgerät entlang hangeln. Etwas merkwürdig fällt nur die Bedienungsanleitung aus …

 

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… wenn ich das richtig verstehe, ist es mega-supi, wenn ich das einmal schaffe. dafür gibt es den vollen Smiley. Wenn ich das zweimal schaffe, na ja, geht so. Und richtig mies ist viermal. Hääää? Je mehr ich mich anstrenge, desto schlechter ist das? Ist das Programm von radikalen Anti-Kapitalisten geschrieben worden? Auf jeden Fall kann man auf diesem kurzen Kalorienpfad schön nachverfolgen, wie die Kalorien verschwinden …

 

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Wie die legendären Schogetten machen sich die kleinen Kalorien auf und davon, je mehr man geht, desto mehr sind verschwunden. Wir fühlen uns schon ganz leicht. Sehr schön ist die Station, an der ein paar Festmeter Holz umgeschichtet werden müssen …

 

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… nach dieser Lumberjack-Übung fühlt man sich fit für einen sechswöchigen Wanderurlaub in Kanada ohne Kompass und Wanderkarte. Aber soll ich Euch mal sagen, was für mich das schönste Fitnessprogramm beim Wandern ist? Antwort: Einfach ein schöner Weg. Denn der verschafft einem die nötige glückliche Entspanntheit, die für ein unglaubliches Körpergefühl sorgt. Egal, was dann hinterher die Waage sagt.

 

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Ein Felsen wie ein Stiefel

Geschrieben am um 8:03

Im Saarland pilgert man zum großen Stiefel, das habe ich schnell gelernt, als ich vor einigen Jahren in das kleinste Bundesland Deutschlands gezogen bin. Da ich seit zwei Jahren der Chefwanderbeauftragte von BÄR-Schuhen bin, bin ich mal wieder zum großen Stiefel in St.Ingbert vor den Toren von Saarbrücken gewandert. Ich hatte mir für meine Tour extra einen Mittwoch Nachmittag frei gehalten, denn als Wanderfreund weiß man, die Stiefel-Hütte, die hat nur Mittwoch Nachmittag und Sonntag geöffnet.

 

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Denn die Wanderhütte am großen Stiefel gehört zum eng gewebten Netz der Wanderhütten des Pfälzischen Wald Vereins, die in Deutschland in punkto Urigkeit unvergleichlich sind. Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich – wieso Pfälzischer Wald Verein mitten im Saarland? Die Saarländer und die Pfälzer, das muss man dazu sagen, verhalten sich zueinander wie Feuer und Eis, wie Köln und Düsseldorf, wie Nord- und Südkorea, wie Geha und Pelikan. Man muss aber wissen, dass der südöstliche Teil des Saarlands bis 1920 zur bayerischen Pfalz gehörte, weswegen es (Gott sei Dank) auch im Saarland P.W.V. Hütten gibt.

 

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Aber ohne Schweiß kein Preis. Es geht ein ziemlich steiler Weg hinauf zun Stiefel-Felsen, da musste ich hinauf stiefeln mit meinen herrlichen Sieben-Meilen-Stiefeln. Oben am Felsen stellte ich fest, dass der Stiefel-Felsen eigentlich Stiefeler Felsen heißt. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Stiefeler Felsen. Irgendwie hört sich das sehr sehr komisch an. Ich bleibe dabei, das ist der Stiefel-Felsen.

 

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Denn dieser Felsen ist wirklich klasse. Manchmal hat man es ja mit Felsen-Benamsungen zu tun, die einen verzweifeln lassen. Die drei steinernen Jungfrauen auf der Ostalb sehen zum Beispiel eher aus wie Mensch-Ärgere-Dich-Spielfiguren (siehe Gesammelte Wanderabenteuer Seite 356). Gaaaanz anders der Stiefel-Felsen, da sieht man direkt: so wird ein Schuh draus. Ein SCHUH, denn ein Stiefel ist das Ding nicht, es ja gar kein hoher Schaft bis knapp unters Knie erkennbar. Nein, das ist ein richtiger Wanderschuh. Und da man sieht, dass der Platz für Zehen und Vorderfuß gigantisch ist, muss es eines der Ursprungsmodelle von BÄR sein.

Ich habe mich aber nicht lange mit diesen Überlegungen aufgehalten, sondern bin wie ein gestiefelter Kater noch einige Höhenmeter weiter gegangen, denn es lockte ja das Belohnungsbier in der Hütte. Was für eine Enttäuschung, als ich sah: Die Hütte hat geschlossen. Und auf dem Schild mit den Öffnungszeiten war der Mittwoch einfach schnöde durchgestrichen. Kinners, so geht das aber nicht!

 

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Glücklicherweise hatte ich auf der Hinfahrt einen zauberhaft schönen Biergarten im Dorf Sengscheid unterhalb des Stiefel-Felsens entdeckt. Dort saß ich unter den Linden und durfte mir das Hofpengold durch die durstige Kehle rinnen lassen. Beim Thema Bier und Stiefel denke ich natürlich sofort an das Sommerfest bei den BÄRs am 5. August. Es gibt nicht nur ein Super-Programm, eine Super-Wanderung am Neckar, sondern auch die Weltpremiere des Joe-Nimble-Biers. Schuh und Bier, Bier im Schuh, das wird bestimmt eine tolle Sache. Ich werde berichten. Nächsten Monat.

 

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„Wir sind heute 16 Kilometer gewandert!“

Geschrieben am um 6:59

Mit einer großen Wandertruppe zu wandern finde ich toll. 25 bis 30 Leute gehen mit, denen ich meine Lieblinsgwege zeige, ein paar gut abgehangene Anekdoten erzähle sowie geduldig auf die Lieblingsfrage („Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Harald Schmidt?“) antworte. Alle haben großen Spaß, spätestens beim Belohnungsbier setzt sich allgemein das Wander-Du durch und wir singen „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ So ist das normalerweise bei „meinen“ Gruppenwanderungen.

Etwas anders stellte sich die Situation an einem leidlich sonnigen Freitagvormittag im Juni dar. Ich hatte im Rahmen eines Artikels im Seniorenblatt „Kölner Leben“ eine kurze, flache Wanderung auf dem Kölnpfad vom Königsforst durch die Wahner Heide nach Wahn angeboten. 10,8 Kilometer, ungefähr. Als ich aus der Straßenbahn stieg, standen da 116 Menschen, die mit mir wandern wollten. Schluck. Um es kurz zu machen, ich habe sie alle heil zum Ziel in der Gaststätte Eltzhof gebracht.

 

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Wander-Du und gemeinsames Schunkeln gab es aber nicht, eher war die Stimmung leicht gereizt, weil sehr viele Senioren Stein und Bein schworen, dass die Gesamtstrecke die angekündigten 10 Kilometer weeeeiiiit überschritten hätten. Einige zeigten mir als Beweis ihren Schrittzähler (Schrittzähler, nicht Herzschrittmacher!). Die meisten dieser Hightechinstrumente zeigten 12 Kilometer, einer sogar 16 Kilometer…

 

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Ich versuchte zu argumentieren, dass es eher unmöglich sei, mit einer Gruppe von 116 Leuten mit etlichen Pausen sechzehn Kilometer in gut drei Stunden zu schaffen. Aber dann musste ich irgendwann Abbitte leisten. Ich gebe zu: es waren über 10 Kilometer, wahrscheinlich auch über 16 Kilometer, wahrscheinlich waren es 21 Kilometer mit einer Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit (WDG) von ungefähr 7 km/h. Die russische Leichtathletik lässt grüßen.

Zur Erinnerung für alle, die an dieser High-Speed-Veranstaltung teilgenommen hatten, füge ich hier noch mal den Panoramablick auf die Wahner Heide (die ist eine ganz wilde) an. Diesen Blick hat vielleicht der eine oder andere meiner Wander-Senioren im Geschwindigkeitsrausch verpasst…

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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