Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mittsommer im Renchtal

Geschrieben am um 7:49

Ihr erinnert Euch. Letzte Woche hatte ich von meiner Wandertour auf dem Brennersteig im Renchtal berichtet. Und vom Hafer-Pflaumen-Schnaps von Brenner Huber. Und nach dem ersten Schluck dieses genialen Getränks hatte ich kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen. Ich öffnete die Augen wieder und alles wurde dunkel um mich herum. Und wenige Sekunden später regnete es junge Hunde. Starkregen, Gewitter, ein typischer Sommertag 2016 eben. Was sollte unsere Wandertruppe machen? Die Rettung war die Gastfreundschaft von Familie Huber.

 

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Die Hubers machten spontan ihre Garage zu einem Zufluchtsort, spendierten Kaffee, Kekse und natürlich Schnaps – herrlich. Als es drohte langweilig zu werden, präsentierte Opa Huber (88 Lenze jung) seine beeindruckende Sammlung selbst hergestellter Wanderstöcke.

 

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Mitwandererin Gabi erstand einen Stock für eine Freundin – aber nicht als Wanderutensil, sondern als Material für einen Hexenbesen. Ganz ehrlich, so sind sie, die Frauen im Renchtal.

Später wechselten wir vom Brennersteig auf den Renchtalsteig, einen 98,2 Kilometer langen Qualitätsweg. Um diesen Weg zu würdigen, wurde am Rastplatz Ofenloch eine 9,82 Meter lange Bank aufgestellt. Gemeine Halunken haben, so wurde mir erzählt, die Bank in einer Nacht- und Nebelaktion um ca. 50 Zentimeter kürzer gemacht, einfach einen Teil der Bank abgesägt. Gemäß der Längenlogik wurde dann auch der Renchtalsteig um 5 Kilometer verkürzt.

 

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Der Höhepunkt meiner Wanderung auf Brennersteig und Renchtalsteig war die Festwiese des Mittsommerfestes im Renchtal. Weil mich die Fußtour noch nicht ausgelastet hatte, hat Fat-Andrack sich auf einem Fat-Bike mit Elektro-Unterstützung betätigt. Ich muss sagen, auch mit einem E-Bike kann man sportlich bergan fahren, aber mit der elektronischen Unterstützung fliegt man bergauf und das macht schon sehr großen Spaß. Ich habe einige meiner E-Bike-Vorurteile über Bord geworfen.

 

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Zum romantischen Schluß habe ich dann noch den Sonnenuntergang und das Mittsommerfeuer genossen und mal wieder gelernt: Hab keine Angst vor gruselige Wettervorhersagen, es wird dann doch (meistens) schöner als gedacht. Wenn die Erwartung niedrig ist, ist das Wanderglück umso größer…

 

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Der Brennersteig

Geschrieben am um 6:45

Kürzlich dachte ich, dass ich mal die Perspektive wechseln sollte. Nicht nur immer die Unterhopfung bekämpfen, nicht nur manisch vom Belohnungsbier träumen. Auch nicht (wie am Moselsteig) dem Reiz der Reben erliegen oder gar ganz auf Alkohol verzichten (geht das beim Wandern überhaupt???). Nein, ich habe mich auf eine Reise in’s Reiche des Hochprozentigen begeben. Meine erste Assoziation zum Brennersteig war natürlich, dass ich mich auf einem Weg in Östereich wähnte, angelegt zu Ehren von Kommissar Brenner, Kultbuch Hilfsbegriff. Aber es ging im Renchtal in der Nähe von Oberkirch auf den insgesamt 13,9 Kilometer langen Brennersteig. Bevor ich aber den ersten Schabau (so nennt der Kölsche den Hochprozenter) verkostet habe, wanderte ich am Material des Brenners vorbei…

 

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… keine Schwarzwälder Kirschtorte kommt nun mal ohne Schwarzwälder Kirschwasser aus und Schwarzwälder Kirschwasser gibt’s nicht ohne Schwarzwälder Kirschen. Aber diese Kirschen sind sehr klein, um nicht zu sagen mickrig, nicht zu vergleichen mit prallen Sauerkirschen zum Verzehr. Daher, so lernte ich, heißen die kleinen süßen roten Dinger Brennkirschen oder Schnapskirschen.

Eine kleine Unterweisung in die Schnapskunde erhält man bei Brenner Halter, der ersten Station auf dem Brennersteig. Auf einem Schnapslehrpfad sieht man die Pflanzen, die das „Material“ für den Hochprozenter liefern: Walnuss, Zwetschge, Holunder. Und in einem Holzkästchen versteckt sich das gebrannte Endprodukt zum Verkosten …

 

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Am Ende des Schnapslehrpfads wirft man dann einen Euro pro Schnapsprobe in ein Kästchen. Wenn man dann noch in der Lage ist, alle Gläschen zusammen zu rechnen.

Nach dem ersten Brenner hatte ich schon leichte Aussetzer. Wanderführer Gerd vom Schwarzwaldverein sprach ständig davon, wir kämen bald am Grünen Baum vorbei. ich dachte nur, was haben sie dem Armen denn in den Schnaps getan, hier stehen doch ganz viele grüne Bäume herum. es handelt sich beim Grünen Baum allerdings um eine Vier-Sterne-Hotel.

 

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Der „Grüne Baum“ ist übrigens kein Schnapshisli, sondern ein Wellness-Hisli. Der Bade scheint wie der Schwabe auf Verniedlichungen zu stehen. Denn der Kurze wird im Renchtal Schnäpsle genannt. Neben der Schnapsverkostung sind wir natürlich auch gewandert. Und eins kann ich mit Sicherheit sagen: Die Aussichten auf dem Brennersteig, die muss man sich wirklich nicht schön trinken, die sind einfach atemraubend.

 

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Beim Brenner Hube habe ich sechs Aussichten später einen ganz besonderen Schnaps getrunken: Hafer-Pflaume, eine gigantische Kombi. Ein Brand, der gar nicht brennnt, sondern geschmeidig-wärmend alle Geschmacksknospen aktiviert, ganz großes Kino!

 

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Ich hatte kurz die Augen geschlossen, um den Schnaps angemesssen wirken zu lassen, machte sie auf und alles wurde dunkel um mich herum. Und was dann geschah, erzähle ich nächste Woche auf andrackblog.de



Wandern wie ein Römer

Geschrieben am um 8:23

Liebe andrackblog-Freunde, ich werde ab sofort einmal im Monat einen Blog über die Abenteuer mit meinen Bär-Wander-Schuhen bei andrackblog einfügen. Den bärschuhblog mache ich schon seit zwei Jahren, auch ältere Einträge könnt ihr Euch gerne anschauen. Und selbstverständlich kann ich Euch die Wanderschuhe von Bär und Joe Nimble nur wärmstens an’s Herz legen.

Kürzlich bin ich mit meinen Bär-Wander-Schuhen im ehemaligen römischen Besatzungsgebiet an der Mosel gewandert. Authentischer wäre es natürlich gewesen, mit römischem Schuhwerk zu laufen. Aber wer mein neues Buch „Schritt für Schritt“ gelesen hat, kennt meine schlechten Erfahrungen mit diese Sandalen (gleich dazu mehr). Immerhin muss man das ja den Römern lassen. Die haben schon vor ca. 2.000 Jahren „geschnallt“, dass die fünf Zehen an jedem Fuß Freiheit brauchen und nicht durch eine zu enge Schuh-Passform eingeengt werden dürfen. Bär hat dann diese grundsätzlich gute römische Idee noch etwas verfeinert.

Ich gehe also mit meinem Wanderkumpel Markus auf dem Moselsteig, einen wirklich sehr lohnenswerten Abschnitt zwischen Müden und Pommern, und wir erreichen nach einiger Zeit die alte römische Kultstätte auf dem Martberg, dem Berg des Gottes aller Schokoriegel: Mars. Wir waren schon reichlich unterhopft zu diesem Zeitpunkt, haben uns also sehr auf den Hinweis auf eine Taverne gefreut…

 

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… aber jetzt mal ehrlich, seit wann hat der normale Römer in einer Taverne Kaffee getrunken? Die hatten doch nicht den Kaffee auf, die haben sich doch vielmehr schläucheweise den Wein die Kehlen herab gestürzt. Es gibt ja die Theorie, dass die Römer den Limes genau an der Stelle platziert haben, an dem gerade noch Weinbau möglich war. Das restliche Germanien konnte denen gestohlen bleiben: Kein Wein, kein Gesang, keine Lebensqualität. Noch viel größer war unsere Enttäuschung, als wir am Archäologiepark auf dem Martberg ankamen und überhaupt keine Taverne vorhanden war. Das Hinweisschild war ein Fake gewesen, ein verspäteter Aprilscherz! Gut, dass ich immer ein Notration Mini-Bierdosen im Rucksack dabei habe…

 

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Eine 135 cl-Dose, da wird selbst ein Kölschglas zum Riesenhumpen. Ich habe die Dosen netterweise von Bär-Schuh-Chef Sebastian Bär geschenkt bekommen. Er hat sie mir von seiner letzten Japan-Reise (Japaner sind verrückt nach Bär-Schuhen!) mitgebracht. Am besten schmeckt das japanische Bier aber vor der Weltklasse-Kulisse des Moseltals. Nachdem unser Durst gestillt war, haben wir uns endlich den römischen Bauten zugewandt …

 

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Das sind alles Nachbauten, man kann aber ganz gut das römische Flair nachvollziehen. Wir wandelten zum Beispiel in der Wandelhalle und uns wurde schlagartig klar, wie das römische Reich jahrhundertlang den europäischen Kontinent beherrschen konnte: die Römer sind oft gewandelt, und beim Wandeln sind ihnen die besten Ideen gekommen, da hatten Germanen und Gallier (Ausnahmen bestätigen die Regel) wenig entgegen zu setzen. Etwas ratlos standen wir dann vor dem Tempel …

 

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… ratlos, weil der Tempel den Namen „Tempel K“ trägt. Wieso denn K? Wer wird da verehrt? Temple M wäre naheliegend gewesen auf dem Martberg, Tempel B hätte ich auch noch verstanden, wegen Bacchus und so. Aber Tempel K? Welcher Gott fängt denn mit K an? Keptun? Kupiter? Kapoll0? Schon aus Prinzip kannte der Römer an sich überhaupt kein „K“. Die haben doch alles mit „C“ geschrieben: Cäsar, Cicero, Colonia Agrippina. Römerforscher, bitte helft mir!

Ich möchte aber noch mal auf’s Schuhwerk zurückkommen. In meinem Giftschrank habe ich zwei Fotos von meiner Wanderung in Legionärsklamotte (Schritt für Schritt, Malik, 19,99 €) gefunden. Nach wenigen hundert Meter fing die Römersandale an zu bröseln…

 

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… und irgendwann musste ich mit einer Art Fußbandage laufen. Mit Bär-Schuhen wäre das nicht passiert, da gibt es doch eindeutige Fortschritte gegenüber der Römerzeit. Übrigens: Wer mit mir auf dem großen und sehr empfehlenswerten BÄR-Sommerfest wandern will, kann sich einfach auf der BÄR-Homepage anmelden.

 

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Eine gute Bank kann die Entscheidung bringen

Geschrieben am um 7:09

Es ist eine Binsenweisheit – beim Wandern, bei Geldgeschäften, beim Fußball: Die Bank ist eintscheidend. Wer den EM-Titel holen will, braucht immer den Überraschungseffekt bei einer Einwechlsung, auf der Bank sollten nicht nur Maskottchen, Stimmungskanonen oder Halbinvalide hocken. Und seit meinem ersten Wanderbuch beschäftige ich mich selbstredend mit den Wanderbänken der Republik, den verrotteten Bänken, den halben Bänken, den Sinnenbänken. Ein schönes Exemplar habe ich am Tecklenburger Bergpfad entdeckt …

 

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… eine grüne Bank ohne Schnickschnack oder Rückenlehnen. Kein neumodischer, ergonomischer Quatsch. Und die im 90 Grad abstehende Zusatzbank ist ein Service für Ehepaare, die sich nun wirklich überhaupt gar nichts mehr zu sagen haben: Einer kann auf der „normalen“ Bank die Aussicht genießen, der andere sich mit dem Rücken zum Ehegatten platzieren. So muss man nicht miteinander reden, muss sich noch nicht mal anschauen, einfach herrlich!

Eine ganz spezielle Bank habe ich wenige Kilometer später gesehen. Erst einmal fühlte ich mich durch eine ganz spezielle Einladung angesprochen …

 

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Kleine Waldmusik? Aber klar, wo doch mein zweiter Vorname „Musikalität“ ist! Also setzte ich mich und gab einer ergriffenen Zuhörerschaft ein kleines Konzert. Ich spielte mich in einen Rausch und gab eine Rhapsodie von Rachmaninov zum Besten. Ich griff in die Tasten, dass Glenn Gould vor Neid erblasst wäre. Hat sich also die vormusikalische Erziehung von Yamaha doch gelohnt…

 

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Die schönste Bank ist aber immer noch die klassische Picknick-Bank. Die wird aber erst richtig schön, wenn das Picknick Weltklasse ist: Mit meiner neuen Kühlbox von Rotkäppchen Weichkäse kann man nicht nur Weichkäse, sondern auch kalte köstliche Bierspezialitäten aus Saarbrücken genießen: Das erste Weizen, dass man problemlos aus der Stubbi-Flasche trinken kann. Dieses Bier ist auch eine Bank.

 

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Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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