Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Auf dem Frankfurter Grüngürtel (diesmal ohne Äbbelwoi)

Geschrieben am um 7:58

Im August 2015 habe ich in diesem Blog (oder heißt es auf diesem Blog?) ausführlich über meine ersten Erfahrungen auf dem Frankfurter Grüngürtelweg berichtet. Dieser stadtnahe Rundwanderweg ist ja im Herbst 2014 auf der Tour Natur zum schönsten urbanen Rundwanderweg Deutschlands gekürt worden. Im Sommer 2015 hatte ich den Nordosten Frankfurts erwandert, inklusive Streuosbtwiesen und Äbbelwoi. Nun, im Frühjahr 2016, war ich wieder dort für eine kurze Tour im Nordwesten, in den Nidda-Auen. Diverse Premieren habe ich auf dem kurzen Teilstück erlebt…

 

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Noch nie bin ich nämlich auf einer richtigen Landebahn gewandert. Die Frankfurter Startbahn Nordwest, die Älteren erinnern sich. Aber anscheinend scheint der dazu gehörige Flughafen schon des längeren stillgelegt zu sein. Eigentlich schade, sonst könnte man nach der Landung direkt auf der Landebahn weiterwandern. Der Flughafen mit der besten Wanderanbindung ist meines Wissens der Flughafen Hahn im Hunsrück, da führt neuerdings die Verlängerung des Saar-Hunsrück-Steigs entlang. Weitere Premiere auf dem Grümgürtelweg: ich sah das recht scheue Grüngürteltier…

 

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… erstaunlichweise war es doch zutraulich und lieb. Vollends begeistert war ich, als ich auf einer Metallplakete las, dass der Schöpfer dieses Tieres der großartige Robert Gernhard ist. Robert Gernhard, nicht nur Sohn Frankfurts, sondern auch der beste Dichter des 20. Jahrhunderts, sozusagen der zweite Goethe von Frankfurt. Wo wir schon bei den Dichtern sind, ich bin, dritte Premiere, dann auch noch auf dem Hölderlinpfad gegangen…

 

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… das war echt, äh, aufregend. Na ja, war es nicht. Aber aufregend, um nicht zu sagen erregend, war die Entdeckung des Glitzermooses, das sich schuppig, flechtig in der Autobahnunterführung ausgebreitet hatte. Ein schönes Kunstprojekt, denn mit den Jahren werden sich die künstlichen Glitzerflecken den ranzigen Schimmelflecken in anderen Unterführungen angleichen. Das ist mal sinnvolle Kunst am Bau. Ich werde das weiterverfolgen.

 

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Wege des Wassers + der Eisenbahnen + der Buchstaben + der Wegewarte + der Grenzen

Geschrieben am um 7:49

Im langen Spätwinter des Jahres 2016 bin ich eine Traumschleife im Nord-Saarland gewandert, die ich bisher nicht kannte. Der Name: Wege des Wassers. Start ist im ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt Büschfeld. Dort trafen die Verkehrsachsen Losheim – Büschfeld und Nonnweiler – Lebach aufeinander. Lange ist es her, heute kann man auf den alten Eisenbahntrassen sehr schön wandern.

 

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Ich liebe das Wandern auf ehemaligen Eisenbahntrassen, fragt mich nicht warum. Beim Eisenbahntrassenwandern kommen zwei Leidenschaften bei mir zusammen: Der Trainspotter, der wahrscheinlich immer noch hofft, dass ein Zug um die Ecke kommt, und der Wanderer, der manchmnal ebene und bequeme Strecken schätzt. Es gibt eine sensationelle Seite über das Bahntrassenradeln im Netz, warum gibt es noch keine Seite über das Bahntrassenwandern? Hintermstoaner, übernehmen Sie! Ich gehe also auf der Eisenbahntrasse, und denke, dass der Weg ja auch gut Wege der Eisenbahnen heißen könnte, da komme ich am Buchstabenfelsen vorbei.

 

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Allerdings müssen das Legasniker gewesen sein, regelrechte Anal-Fabäten, die diesen Felsen Buchstabenfelsen genennt haben, es sind nemlich gar keine Buchstaben zu erkenen. Sehr schön war, dass ich an einer steilen Passage der Traumschleife einem waschechten Traumschleifen-Wegewart begegnet bin. Der war ausgestattet mit Säge, Schaufel, Schneidegerät, Hammer, Markierungs-Täfelchen und bereitete den Weg für die kommende Wandersaison vor…

 

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Schon eine feine Sache so eine freigeputze Treppe, der Mann könnte bei mir zu Hause auch mal für Ordnung und Sauberkeit sorgen! Okay, jede Menge Wasser in vielen Bächen war auf dem Weg des Wassers natürlich auch zu sehen. Ganz klarer Höhepunkt der Traumschleife war das Sollbachtal. Dort wurde der Weg des Wassers zum Weg der Grenzen, denn nicht nur drei saarländische Gemeinden treffen in diesem Tal aufeinander …

 

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… nein, dieses Tal markierte dereinst auch die Grenze zwischen dem Deutschen Reich und dem Saarland. Die geschichtlichen Hardfacts sind in dem Tal von Info-Tafeln aufgearbeitet, die in Anschaulichkeit und Informationswert absolute Extraklasse sind. So geht Info-Tafel!

 

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Seltsam, seltsam, sonderbar

Geschrieben am um 7:57

Kleine Kinder lösen gerne Bilderrätsel, in denen subtile Fehler eingebaut sind. Da fahren LKWs über die Wasseroberfläche, Kühe können fliegen, der Polizist hat Schwimmflossen an den Füßen. Ganz schön lustig, Kinder sind begeistert, diese Fehler zu finden. Aber wer sagt denn, dass das alles Fehler sind? Manchmal sieht man ja auch in der sogenannten „Realität“ Sachen, die „falsch“ zu sein scheinen, aber wer will sich wirklich anmassen, das zu beurteilen? Ein fast schon philosophisches Thema. Ich habe da mal drei Beispiele, die mir beim Wandern in’s Auge gefallen sind. Beispiel Nummer Eins:

 

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Auf den ersten Blick eine klare Sache: der saarländische Hund trinkt natürlich bei einem kurzen Picknick einen Napf mit frischem Karlsberg. Wo ist das Problem? Tierschützer haben vielleicht eines, aber dem Hund schmeckt es und es ist ihm auch gut bekommen. Hund-trinkt-Bier. Ist das nun ein Fehler? Ich weiß nicht. Noch kniffliger ist Beispiel zwei:

 

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Auf dieser Bank am Hermannsweg sitzt ein Mann. Man fragt sich: Liegt der Fehler beim Mann weil der zu groß ist oder liegt der Fehler bei der Bank, weil die zu klein ist. Können Bänke, Dinge also, überhaupt Fehler produzieren? Klar können sie das, jeder Mensch, der schon einmal vor einem Computer gesessen hat, kann das bezeugen. Also ist wohl, weil der Mann – ischwöre – normal groß ist, die Bank fehlerhaft. Keine Sinnenbank, sondern eher eine Wahnsinnenbank. Ganz schlimm ist Beispiel drei:

 

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Fehler über Fehler, denn egal wer das geschrieben hat, hat nicht die geringste Ahnung vom simpelsten journalistischen Einmaleins. Denn weder ist die Frage WER? noch die Frage WO? und erst recht nicht die Frage WARUM? beantwortet. Ein Fehlerfestival in Wanderdeutschland.



Der Paderborner Höhepunkt

Geschrieben am um 6:54

Ich dachte immer, der Paderborner Höhepunkt wäre es, den Paderborner Dom zu besuchen. Oder in der Pader zu baden. Oder nicht in die dritte Liga abzusteigen. Aber erstaunlicherweise findet sich ein wahrer Höhepunkt auf dem Paderborner Höhenweg südlich von Neuenbeken …

 

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Das war ein im wahrsten Sinne des Wortes erhebendes Gefühl, auf diesem Mount Everest Paderborns zu stehen. Ohne Seilschaft und Sauerstoffgerät, Reinhold Messner wäre stolz auf mich, wenn er mich sehen könnte. Am höchsten Punkt auf 347 Meter war alles vorhanden, was zu einem g’scheiten Gipfel gehört: Ein Gipfelkreuz und sogar ein richtiges Gipfelbuch im schützenden Metallkasten…

 

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Natürlich habe ich direkt mit klammen Fingern ein Grußwort in’s Gipfelbuch hineingeschrieben, eine Art Entschuldigung, denn ich habe vor etlichen Monden in einem Anfall von geistiger Umnachtung etwas leicht Kritisches über die Qualitäten des Paderborner Wanderlands verlauten lassen…

 

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Ein Seite vorher im Gipfelbuch, erstaunlicherweise sogar am gleichen Tag, hatten „I + H“, also Ingrid und Herbert, einen „Höhepunkt auf dem Höhepunkt“…

 

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Da gratuliere ich nachträglich ganz herzlich: Zum Geburtstag und vor allem zum gemeinsamen Höhepunkt auf dem Höhepunkt. Paderborn, der Gipfel der sinnlichen Genüsse!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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