Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Frau Holle

Geschrieben am um 7:37

Es war einmal eine Traumschleife in der Nähe von Reinsfeld im südwestlichen Hunsrück. Dort kann man sich auf die Suche nach der gar mystischen Frau Holle begeben. Aber siehe da: Ein Haufen Jäger scheint sich auf den Weg gemacht zu haben, um den Bösen Wolf umzunieten.

 

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Aufgestachelt von der Mutter der sieben Ziegen und der Oma des Mädels mit der roten Mütze hat sich eine Meute von wilden Waidmännern aufgemacht, um dem armen alten Wolf den Garaus zu machen. Ich habe den einsamen Wolf gesehen und ihm geflüstert: Verschwinde, bevor es zu spät ist, wandere aus, aber schnell…

 

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Aber die Frau Holle, die habe ich immer noch nicht gesehen. Allerdings konnte ich Spuren einer ihrer zwei weiblichen Azubis sehen. Die Pechmarie, bekanntlich extrem faul, hatte natürlich nichts hinterlassen. Dagegen die Fleißmarie! Die hatte so viel Holz vor der Hütte, dass das wahrscheinlich für sieben milde Winter reicht!

 

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Aber immer noch keine Spur von Frau Holle. Keine Schneeflocke, kein Federkissen, wo war die gute Frau denn? Kurz vor Ende der kurzen Rundtour dann die Auflösung: Die Felsformation am Wegrand war die berühmte Frau Holle, versteinert eben. Nur – tragisch eigentlich – auch auf Frau Holle scheint eine Treibjagd stattgefunden zu haben. Denn es ist eindeutig ein Totenkopf, der den Traumschleifen-Wanderer felsig anstarrt.

 

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Ich schlage daher eine Umbennung der Traumschleife vor: „Mausetote Frau Holle“ wäre der passende Name. Nur endet dann das Märchen leider nicht mit den Worten: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“



Der Wander-Rechercheur hat’s manchmal schwör

Geschrieben am um 7:39

Bald liegt in NRW die Wanderbroschüre „Wunderbar Wanderbar“ aus. An Bahnhöfen, in Touristik-Infos, an Vorverkaufsstellen des öffentlichen Nahverkehrs. Alle acht Touren habe ich wie immer nicht nur ausgesucht, sondern bin sie alle abgewandert. In der Hochglanzbroschüre sind alle Touren recht lecker präsentiert, heute gibt es aber mal eine Art Werkstattbericht. Ich bin ja eigentlich hart im Nehmen, aber die Recherche-Wanderung auf dem Ilsetalpfad war schon ein hartes Brot

 

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Was ihr auf diesem Foto seht ist kein Schnappschuss auf dem Vormarsch Richtung Verdun 1916, sondern ein Blick in’s Siegerland Anfang Februar 2016. Eine Schlechtwetterfront vom Feinsten hatte das komplette Siegerland in seinem Griff. Eine Binsenweisheit: Rechtzeitig zum Beginn der Wandersaison soll „Wunderbar Wanderbar“ fertig sein, da muss ich eben zumeist im Winter die Wege ausprobieren. Gut, dass ich eine angeborene überragende Phantasie habe. Ich muss nur die Augen zumachen: dann höre ich Vögelgezwitscher, spüre die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, und renne mit meinen geschlossenen Augen vor einen nassen Markierungspfosten. Aber keine Angst, wenn ihr den Weg geht ist immer eitel Sonnenschein!

Andere Ecke von NRW: Münsterland. Ich bin an der Ems unterwegs zwischen Greven und Münster, das Wetter ist annehmbar, das Naturschutzgebiet Bockholter Berge hübsch, der Mittagstisch des Landhaus Oeding lockt…

 

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Aber dann der Schock: Betriebsferien beim Landhaus Oeding! Nicht ungewöhnlich im Januar, aber ein harter Schlag für mich. Statt Mittagstisch braune angematschte Banane aus dem Rucksack. Ich finde, ich habe von Euch jetzt ein lang gezogenes „Ooooohhh, armer Manuel“ verdient. Aber nur, wenn dieses „Ooooohhh“ auch einem tief empfundenen Mitleid entspricht.

Und was ist das jetzt wieder?

 

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Das Ding habe ich bei meiner Wanderung zwischen Arnsberg und dem Möhnesee gesehen, ich dachte, das wäre ein Sitzmöbel, so eine Art Sinnenschaukel. Aber als ich das Ding ausprobieren wollte, fand ich es schrecklich ungemütlich, eng, scharfkantig, kalt, viel zu viele Löcher. Kein Wunder, es handelte sich auch um einen KLANGWIEGE. Fragt mich bitte nicht, wer warum und wozu eine Klangwiege braucht, mir hat sie auf jeden Fall sehr weh getan, für mich war es eine KLAGEWIEGE. Also denkt dran, dass die Erstellung von „Wunderbar Wanderbar“ kein Larifari ist, sondern immer verbunden ist mit Blut, Schweiß und Tränen….



Wanderer, Du überschreitest gerade den 9. Längengrad

Geschrieben am um 6:27

Bald blüht alles wieder, das ist jedes Jahr die Zeit, in dem auch die Knospen des neuen Heftes „Wunderbar Wanderbar“ von NRW Busse und Bahnen wieder sprießen. Acht knallbunte Frühlingswanderungen in allen Verkehrsverbünden der Nordrhein-Westfalen habe ich zusammen gestellt. Mit dabei ist eine Tour auf dem Weserberglandweg (seit 2012 Qualitätsweg) von Rinteln nach Porta Westfalica. Ich möchte Euch heute einige visuelle Impressionen vom Weg zeigen:

 

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Die deutsche Sprache ist einfach wunderbar. Und ein neuer Zungenbrecher bietet sich an: „Der Bergbauschauer auf dem Bergbauschaupfad schaut Bergbau“. Oder so ähnlich. Da möchte man ja direkt das Handtuch werfen, wie dieser Anhänger eines ehemaligen Meisters der Herzen:

 

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Keine Ahnung, wie das dahin gekommen ist. Sehr bemerkenswert ist auch Korffs Quelle.

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Wer ist dieser Korff? Hat der die Quelle entdeckt, sitzt der den ganzen Tag auf der Bank und schaut meditativ auf die Quelle? Handelt es sich gar bei dem „Korff“ um den beliebten Fernsehstart der Achtziger, Hans Peter Korff? Sehr schön auch dieses Schild:

 

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Danke Stadtsparkasse Porta Westfalica, dass Du uns das enthüllt hast, ich (also der Wanderer) wäre sonst nach Sparta gegangen, um dort den 9. Längengrad zu suchen (kleiner, schlechter Scherz für Schiller-Liebhaber)

Der absolute Hammer ist aber die Königshütte kurz nach Rinteln. Erbaut wurde sie 1910 von Herrn König und der hat einige bemerkenswerte Sprüche an den Außenwänden anbringen lassen

 

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Leider konnte ich nicht ganz genau entziffern, was dort noch als Zusatz eingeritzt worden ist. Es scheint sich um eine moderne Ergänzung des Sinnzusammenhangs zu handeln.

 

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Gefällt mir sehr gut, dieser Spruch. hat eine sehr philosophische Komponente. Werde ich demnächst öfter mal am Frühstückstisch fallen lassen.

 

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Ein geniale Verhohnepipelung der deutschen Paragraphenreiter, die scheint es auch schon kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs gegeben zu haben. Alles in allem: Danke Herr König, weiter so!

Diese Tour und sieben weitere finden sich in dem Heft „Wunderbar wanderbar“, liegt an allen relevanten Bahnhöfen und Vorverkaufsstellen in NRW aus.



Die Traumschleife Domblick

Geschrieben am um 7:22

Als Kölner im Saarland werde ich oft gefragt, ob ich nicht meine Heimatstadt vermisse, die Colonia Ara Agrippinnensium und den Blick auf den Dom? Jaaaaaa, ich vermisse den Dom, das schönste Bauwerk der WELT, ich will ständig zo Foss noh Kölle jonn! Ich war wirklich froh/glücklich/überwältigt, dass es jetzt auch eine kölsche Traumschleife namens Domblick gibt.

 

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Handtuchgroße Hinweisschilder zeigten mir den Weg. Eigentlich nicht nötig, denn aus fast allen Himmelsrichtungen kann man die 157 Meter hohen Domtürme ganz gut erkennen. Nun muss man noch erwähnen, dass ich zu meiner Wandertour zum Dom in aller Frühe aufgebrochen war, ich war sozusagen mit den Hühnern aufgestanden.

 

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Daher lag eine unheimliche und frische Morgenlandschaft vor mir, menschenleer wie der Kölner Bahnhofsvorplatz in den frühen Morgenstunden. Aber vom Dom immer noch keine Spur, merkwürdig. Die Domblick führten mich zu einem Gotteshaus …

 

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… aber, da muss man jetzt mal ehrlich die Kirche im Dorf lassen, das konnte nun wirklich nicht der Dom sein. Ein Dom muss einen zwei Türme haben, das wurde spätestens auf dem Konzil von Ephesus festgelegt. Aber dann sah ich ihn, den Dom …

 

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… den Hunsrück-Dom von – Ravengiersburg. Na ja. So eine Art Dom-Methadon. Eine Dom-Nikotin-Kaugummi. So prickelnd wie alkoholfreier Champagner. Muss ich wohl noch weiter zo Foss jonn.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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