Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Buchen buchen

Geschrieben am um 7:30

Seit kurzem bin ich Baumpate. Bisher hat es für mich zwar zum mehrfachen Vater gereicht, aber ein Patenkind habe ich nicht. Nun habe ich ein Bäumchen als Patenkind. Im zarten Alter von ca. 120 Jahren wird eine Buch am Saarbrücker Wildgehege unverhofft zum Andrack-Baum.

 

Baumpate Andrack 3
Das mit dem Alter haben mir die Leute vom Nabu gesagt, die mir wortgewaltig die Buche für 250 Euro angedreht haben. Ich kann das Alter nicht wirklich glauben, der Baum sieht mir eher nach 200 Jahren aus, aber das überlasse ich den Naturexperten. Diese Baumpatenschaften laufen unter dem Motto „Buchen buchen“. Bald kann man auch Eichen eichen, Weiden schneiden und Fichten vernichten. Fichten vernichten läuft unter Naturliebhabern als gute Tat, denn man weiß ja: „Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten“. Zurück zu den buchbaren Buchen. Die Idee ist, für einen kleinen Obulus, 250 € eben, Bäume im für die Holzindustrie interessanten Alter dem Bald-bist-Du-ein-Billy-Regal-Schicksal zu entreissen. Vierzig Jahre lang (bis 2055, da bin ich 90 Jahre alt und Merkel ist immer noch Bundeskanzlerin) gibt es nun für meinen Baum im Saarbrücker Wildgehege Bestandschutz. Und jetzt mal ehrlich: Ist sie nicht wunderschön, meine Buche? Ich habe sie auf jeden Fall knuddellieb…

 

Baumpate Andrack 2

 

Nicht erst seit der Lektüre des Bestsellers von Kuschel-Förster Peter Wohlleben weiß ich, dass Bäume Gefühle haben und kommunizieren können. Bäume haben auch die Fähigkeit, das hat mir im Herbst ein Ranger am Rothaarsteig gezeigt, sich selbst zu heilen und zu verbinden…

 

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… der böse Hirsch hatte sein Geweih am Baumstamm gewetzt und damit die Baumrinde verletzt. Nicht schön. Aber der Baum hat sich gesagt, da nutzt kein Jammern und hat sich mit einer weißen Flüssigkeit eine Art Verband gesetzt. Die Rinde kann nun wieder heilen. Wieder was gelernt. Früher dachte ich, wenn ich die weißen Stellen an den Bäumen sah, der Baum würde schimmeln oder das wäre eine phantasielose Wegmarkierung – nein, alles Baum-Erste-Hilfe. Und Bäume (einige) sind clever. Während beim berühmten Kyrill-Sturm im Sauerland und Siegerland Fichten im großen Stil umknickten wie Streichhölzer, blieben die wenigen Douglasien standhaft…

 

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Die Douglasien habe nämlich ein stabile Wurzel, haben im Sturm alle Äste verloren, sie haben sich also sozusagen dünn gemacht. Aber der Stamm, der blieb stehen und mittlerweile sind auch viele Äste wieder nachgewachsen. Von wegen mein Freund der Baum ist tot. Die sind zäh, diese Burschen. Aber apropos toter Baum. Das ist eigentlich der Witz an der Baumpatenschaft. Denn gerade ein toter Baum ist, sagt der Nabu, ein guter Baum, denn das Totholz ist ein Paradies für die Artenvielfalt des Waldes. Meinen Patenbaum wird es also wahrscheinlich, bis er verrottet noch 180 Jahre geben. dann bin ich 230 Jahre alt und Angela Merkel immer noch Bundeskanzlerin. Das wird schön!

Bleibt mir nur noch, allen andrackblog-Lesern ein frohes Fest und einen guten Rutsch zu wünschen, ich gehe in die Blog-Winterpause und schreibe den nächsten Blog Anfang Februar…



Mein Wanderhund

Geschrieben am um 6:30

Womit kann man in der medialen Öffentlichkeit immer punkten? Antwort: Kinder und Tiere. Daher ist es an der Zeit, meinen Wanderhund Luna vorzustellen…

 

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Das ist Luna, geboren im Juni 2005, Mutter Border Collie, Vater Berner Sennhund.

Wir haben den Hund im Sommer 2014 übernommen (das alte Frauchen hatte schreckliche Hundeallergie bekommen) und Luna war ein richtiger Stadthund. Zu dick, zu wenig Bewegung. Wir haben sie dann auf Diät gesetzt und ich habe sie als Wanderhund ausgebildet. Und Luna ist der perfekte Wanderhund, definitiv.

 

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Als Hütehund braucht sie nicht so viel Auslauf wie ein Jagdhund, aber sie geht sehr gerne, auch im hohen Alter. Das Entscheidende aber ist: Man kann sie problemlos ohne Leine laufen lassen. Andere Hunde, vor allem die kläffenden Exemplare, straft sie mit hoheitlicher Ignoranz. Auch andere Wanderer sind uninteressant, es sei denn, sie essen gerade ein Wurstbrot. Das ist echt äußerst angenehm, ich hätte nie Lust auf einen Hund gehabt, der andere Menschen ungefragt ansabbert, ankläfft, anspringt. Bei Luna ist die Reaktion der anderen Wanderer eher: Oh Gott, ist die süüüss, darf ich sie streicheln?

Nicht zu vergessen. Sie hört auf’s Wort: Sitz, Platz, Bei Fuß, Bleib, Fass, alles im Programm. Nur das mit dem Apportieren klappt nicht. Sie läuft zwar nach dem Stöckchen, will es aber partout nicht wieder hergeben.

 

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Außerdem ist Luna der perfekte Premiumweg-Hund. Als ob sie Wegmarkierungen lesen könnte, biegt sie immer in den richtigen Pfad ein. Auch wenn es mal einen Kilometer über einen breiteren Waldweg geht, findet sie immer zielsicher den Pfad, auf dem der Premiumweg weitergeht. Es gibt wertvolle Trüffelschweine, Luna könnte man als Premiumwegscout einsetzen: „Such den schönsten Weg, such!“

Wenn es überhaupt an Luna etwas zu meckern gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie im Strassenverkehr doch eher unbedarft ist. Wenn es etwas zu schnuppern gibt, lässt sie sich nicht von heran rasenden Autos abhalten und läuft schnurstracks auf die Straße…

 

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Daher gilt auf dem Bürgersteig und bei einer Strassenüberquerung immer Leinenzwang. Denn Sie soll uns ja noch lange erhalten bleiben, unsere Luna. Und noch viele Wanderungen als Wanderhund genießen können.



Hightech-Wandertussis

Geschrieben am um 7:00

Wandern Frauen anders als Männer? Diese Frage, die Heerscharen von Philosophen, Psychologen, Neurobiologen und Soziologen seit Jahrhunderten beschäftigt, wird wohl mehr oder weniger unbeantwortet bleiben. Einer möglichen Antwort dieser Frage bin ich kürzlich bei einer Wanderung im Sauerland näher gekommen. Ich traf Martina, die mir schon kurz nach der Begrüssung erklärte: „Ich bin eine richtige Wandertussi“ Nun, liebe Martina – ich darf es vorweg nehmen, da wir ja mit einer fröhlichen Gruppe den ganzen Tag zusammen gewandert sind und ich Dich ein wenig kennenlernen durfte – Nein, Martina, Du bist wahrlich keine Wandertussi. Aber sehr beeindruckend fand ich die hochprofessionelle Ausstattung von Martina. Sie hatte am Handgelenk eine Art Transponder…

 

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Mit diesem Hightech-Armband konnte sie sich („Beam me up, Scottie“) an jede beliebige Stelle unseres Wanderwegs beamen. Außerdem hatte dieses Armband, wenn ich das richtig verstanden habe, die Funktion, bei einem Absturz in eine tiefe Gletscherspalte Notrufsignale abzusondern. Eine ähnliche Funktion hatte die Wanderpfeife von Martina …

 

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… ich kannte den Begriff „Wanderpfeife“ bislang als Schimpfwort für Menschen, die sich bei einer Wanderung übernehmen und die gesamte Wandertruppe aufhalten: „Du Wanderpfeife!“ Aber die Pfeife an Martinas Rucksack dient dazu, Hilfe herbei zu flöten. Obwohl das Sauerland nicht ungefährlich ist, sind wir bei der gesamten 17-Kilometer-Tour ohne Wanderpfeife und Transponder ausgekommen.

Dann habe ich noch etwas über Wander-Frauen gelernt. Jeder kennt diese Klischees, dass Frauen angeblich nicht einparken könnten (stimmt überhaupt nicht, sagt mein Fahrlehrer) und alle zwei Tage zehn neue Paar Schuhe kaufen müssen (stimmt schon eher). Im Sauerland hat mir eine Wanderfrau erklärt, Frauen könnten keine Wanderkarten zusammen falten…

 

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Ehrlich gesagt kenne ich ab er auch sehr viele Männer, die das nicht können. Eine Wanderkarte sieht bei denen schnell aus wie ein kreatives Origami-Kunstwerk. Vielleicht sind deshalb ja Premiumweg so beliebt: Die Wege können auch ohne Wanderkarte erwandert werden. Diese Wege sind nicht nur unverlaufbar, sondern auch unverfaltbar.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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