Wander-Blog von Manuel Andrack

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Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

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Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. „Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern“ könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

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Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

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Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt „Zum Hungersberg“, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

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Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

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Wie sagt man im Saarland so schön: „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, „für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen“. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 


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14 Kommentare zu “Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

  1. Alle Wanderer lieben Hohlwege?? Weil man sich da geborgen fühlt?? Und warum weise ich da dann immer meinen Marschall an, die Schatulle mit den Golddukaten zwiefach zu flancieren mit Cürassieren und Füsilieren, aber festinatim?? Da drohen doch alle Arten von Wegelagerern! Banditen! Raubgesindel! Barbaren! Robin Hood! Hungrige Wölfe! Yosemite Sam! Der Tasmanische Teufel! Der Bär mit der Scher! Und kaum ist man raus aus der Gefahr, ist auch schon die Spanische Inquisition da.. nee-nee-nee.. saugefährlich, diese Hohlwege. Aber schön sind sie, das stimmt.

  2. Bei Treppen im Wald erreiche ich in der Regel nur die Bewusstseinsstufe „schlechte Laune“, weil die meistens so konstruiert sind, dass man gezwungen ist, jede Stufe mit dem gleichen Fuß zuerst zu nehmen. Das ist kein Albtraum, aber SEHR lästig.

    • Wohingegen die ein oder andere künstliche Trittstufe zur Kaltenbachwildnis oder auf den Traunstein freilich schon ganz nützlich ist..

        • Also „was man am meisten liebt, dem verzeiht man die Schwächen“. Wie war das seinerzeit auf Borkum, da hattest Du Dich doch an einer Glitschstelle im Dauerregen auf die Fresse gelegt, oder? War das eine mit oder ohne Stufen?

  3. Im Gegensatz zu sämtlichen bisherigen Bergtouren (ob im Dauerregen oder nicht, ob Treppen oder nicht) habe ich mich auf Borkum tatsächlich im Dauerregen voll auf die Fresse gelegt. Meereshöhe etwa 2m, flach wie das Münsterland, der Matsch glitschig wie nasse Holzbohlen… Worauf wollen Sie eigentlich hinaus, mein Herr? Dass ein auf diesem Absurdistan Borkum vollkommen unsinniges, unnützes Treppenhaus den Sturz verhindert hätte? Ok, ich geb’s zu: Meine Gedanken waren in den Bergen, nicht im Glitsch, also unkonzentriert – Klassiker Hilfsbegriff. Die Treppe zur Aussichtsdüne später war übrigens genau so eine doofe: rechter Fuß, Schritt, rechter Fuß, Schritt… NERV!!!

  4. Ein sich selbst verleugnender Link, der auf sich selbst verweist, müsste mal erfunden werden. Das wäre nicht plump oder subtil, sondern Philosophie. Die Frage nach dem eigenen Selbst, das Denken des Denkens – wäre alles drin!

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