Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die traumhafte Traumschleife Schluchtenpfad – eine Traumdeutung

Geschrieben am um 6:40

Träume, das wissen wir seit der Erfindung der Psychoanalyse, sind keineswegs Schäume, Träume sind vielmehr ein Spiegelbild unserer Seele. Daher darf ich Euch heute dazu einladen, mich mit sozusagen traumwandlerischer Sicherheit im Sinne der Traumdeutung auf der Traumschleife Schluchtenpfad zu begleiten.

 

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Kurz nach dem Start am Dorfplatz in Losheim-Rissenthal gehen wir durch einen wunderbaren Hohlweg. „Durch diese hohle Gasse müssen wir wandern“ könnte man in leichter Abwandlung von Wilhelm Tell sagen. Die Frage ist doch: Warum lieben alle Wanderer Hohlwege? Natürlich, weil man sich in dieser Wander-Half-Pipe geborgen fühlt, umschlossen. Bestimmt spielen auch unterbewusste ödipale Sehnsüchte eine Rolle, man wünscht sich zurück in den mütterlichen Schoss, oder so. Erwähnte ich schon, dass mein zweiter Vorname Sigmund ist? Auf zu den Treppen…

 

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Eigentlich ist es ja logisch, dass es bei einem Weg, der einige Schluchten durchquert, auch viele Höhenmeter zu überwinden gilt. Das ist beim Schluchtenpfad vorbildlich gelöst. Viele Premiumwege-Betreiber gefallen sich darin, Steilstellen im Naturzustand zu belassen. Das ist nicht gut, denn diese Weg-Abschnitte werden bei schlechtem Wetter zu Rutschbahnen. Viel besser ist es, Treppenhäuser in die Landschaft zu bauen, das bringt erst den vollendeten Wanderspaß. Und nun die Traum-Deutung von Treppen: Auf Traumtreppen will man hoch hinaus, den Himmel stürmen, nach den Sternen greifen, eine neue Bewusstseinstufe erreichen. Darunter machen wir es nicht …

 

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Oberhalb von Rissenthal, in der Nähe des Aussichtspunkt „Zum Hungersberg“, gehen wir über einen sich schlängendem Traumpfad. Kein Scherz, diesen Abschnitt bin ich hin und zurück und wieder hin gegangen, so schön ist der. Ganz klar, wenn man von einem solchen Pfad träumt, dann ist man im Traum im Schlaraffenland, im Wander-Paradies angekommen. Was will man mehr?

 

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Man will natürlich zum krönenden Abschluss durch die Große Grät wandern. Die Gräten sind das Besondere an dieser Traumschleife. Wer bei Gräten an Fische denkt, ist im Nordsaarland falsch gewickelt. Dort haben sich nämlich über die Jahrtausende Kerbtäler in den weichen Buntsandstein ausgeschwemmt. Und der Grand Canyon dieser Gräten ist eben die Große Grät. Ich brauche gewiss nicht die sexualisierte Bedeutung von Schluchten und tiefen Erdspalten in Träumen zu betonen, das kann sich jeder Hobbypsychologe schon selbst zusammen reimen..

Wenn man sich aber gegen Ende der Traumschleife für die ganze traumhafte Wanderei selber belohnen möchte, steht ein chromglänzender Schwenker zur Verfügung.

 

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Wie sagt man im Saarland so schön: „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“. Und schon ist man beim beliebtesten dreifachen Teekesselchen des Saarlands: Auf dem Schwenker (der Grill) liegt der Schwenker (das Fleischstück) und wird vom Schwenker (dem Mann mit der Grillzange) gewendet. Aber was bedeutet es, von Essen zu träumen? Essen im Traum kann, so habe ich das im Internet gelesen, „für die Einverleibung von Erfahrungen, Erkenntnissen und geistigen Werten stehen“. Damit können nur die Erfahrungen, Erkenntnisse und geistigen Werte auf dem Schluchtenpfad gemeint sein. Probiert es aus dort zu wandern, ich wünsche Euch schöne Träume!

 



Bombige Wanderfundstücke, von denen man sich mal eine Scheibe abschneiden könnte, oder um die man einen Haken schlagen sollte – sowie ein Dings

Geschrieben am um 8:45

Gerade wenn bei einer Gruppenwanderung die Stimmung bombig ist, sollte man sich daran erinnern, dass es mal Zeiten gab (vor allem nach dem letzten Weltkrieg), an dem jeder Schritt im Wald ein gewisses Restrisiko beinhaltete.

 

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Diese amerikanische Fliegerbombe traf ich …, nein Quatsch, noch mal. Diese amerikanische Fliegerbombe sah ich bei einer Wanderung oberhalb der Sauer in Luxemburg. Wenn solche Bomben normalerweise in den Medien auftauchen, dann werden zumeist ganze Stadtviertel evakuiert. Hoffen wir mal, dass die luxemburgischen Bombenentschärfer auch ihr Geschäft verstehen, und das Ding am Wanderrastplatz nicht noch scharf ist…

 

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… scharf wie diese Brotschneidemaschine am Neanderlandsteig zwischen Velbert-Nierenhof und Nordrath. Was soll dieses Gesamtkunstwerk dem Wanderfreund sagen? Schärfe Deine Sinne? Von diesem Wanderweg kann man sich mal ’ne Scheibe abschneiden? Darf’s ein bißchen mehr sein?

Letztes Jahr war es die Weltneuheit, 2015 ist das Ding schon ein wenig abgehangen (sorry für den schwachen Kalauer). Die Rede ist vom „Hiking Hook“, dem Cousin von Captain Hook von der Jolly Roger.

 

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Diesen Wanderhaken soll, kann, muss man mit einem Band an einen x-beliebigen Baum binden, dann kann man seinen Rucksack oder eine Jacke bequem aufhängen. Eher etwas für ordentliche Leute, die ihren Kram auch daheim nicht einfach auf den Fußboden pfeffern. Und dann habe ich noch ein Fundstück, das mir Kai-Uwe, ein in der Schweiz lebender Exil-Saarländer (was es alles gibt!) geschickt hat…

 

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Kai Uwe hat das Dings auf einem Schweizer Flohmarkt erstanden, ganz genau konnte ihm der Verkäufer auch nicht sagen, wie dieses Dings funktioniert, angeblich sei es aber ein Entfernungs-Messgerät für Wanderer. Nun fragt sich Kai-Uwe, und ich frage mich das auch: Aus welchem Jahrhundert ist dieses Dings, wer war der Hersteller, wie benutzt man es genau und vor allem: Warum gehen auf dem großen Rad die Zahlen nur bis 18? Ist das ein Messgerät nur für Wanderer bis zum Erreichen der Volljährigkeit? Oder nur für Touren bis 18 Kilometer? Ich bitte Euch, helft Kai-Uwe und mir: Sachdienliche Hinweise nimmt das Aktenzeichen XY, die örtlichen Polizeidienststellen sowie die Kommentarleiste dieses Blogs entgegen.



Poco, Stempeldings und Äbbelwoi – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 2

Geschrieben am um 7:46

… weiter geht es auf der super-amtlichen Grüngürtelwegwanderung. Das Logo des 66 Kilometer langen Rundwanderwegs ist recht hübsch geraten …

 

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… zumindest lässt es der Fantasie (dummer Kinder Kalauer: was ist das Gegenteil von Fantasie? – Cola-Er!) freien Spielraum. Die Leute vom Amt erzählten etwas von grünem Gürtel, dem Main und der Stadt (symbolisiert durch einen Punkt). Na ja. Ich sehe eher ein windschiefes Smiley-Gesicht. Oder eine Art hessische Version des @-Zeichens. Sozusagen ein @ nach vielen vielen Äbbelwois.

Ich hatte schon letzte Woche angedeutet, dass man auf dem Grüngürtelweg an superalten Buchen entlang wandert, durch Naturschutzgebiete, durch den Fechenheimer Wald, aber auch eben am Poco entlang…

 

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… ich hatte kurz überlegt, mich dort mal nach einer dringend benötigten Schrankwand umzuschauen, bin aber dann doch bis zum nächsten Stempelpunkt mitgewandert. Stempelheftchen, einerseits ein alter Hut, andererseits immer wieder der Hit bei alt und vor allem jung, denn da kommen die uralten Triebe des Jäger und Sammlers heraus. Stempel sammeln ist einfach großartig.

 

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In Frankfurt hat man stempelmäßig den Stein des Weisen gefunden: Eine stabile, wetterfeste Stempelmaschine. Kein Ärger mit Gastronomen, die den Stempel nicht rausrücken oder ständig Ruhetag haben. Keine Vandalisten, die das Stempelkissen an der Kette klauen, zerstören, unbrauchbar machen. Super-Sache. Aber ohne Fleiß kein Preis, denn ich hatte mich auf eine relaxte Flachlandwanderung eingestellt – und dann kam die Steigung am Berger Hang. Alpe d’Huez Hilfsbegriff. Hoch auf den 1600, äh 160 Meter hohen Gipfel…

 

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… Belohnung: Ein schöner Ausblick auf die Frankfurter Skyline. Apropos Belohnung. Nach dreizehn Kilometer auf dem Grüngürtelweg war ich ordentlich unterhopft und hatte Lust auf ein eiskaltes Binding, ich war bereit für flüssiges Lokalkolorit. Aber im Main Äppel Haus gab es nur typisch hessischen Apfelwein. Junge Mitwanderer hatten mich die ganze Zeit damit genervt, wie sehr sie sich auf einen gespritzten Äppler freuen würden. Aha, dachte ich mir, in der Post-Heinz-Schenk-Ära sagt man wohl Äppler statt Äbbelwoi. Also bestellte ich beim Chef des Main Äppel Haus einen Äppler. Der hätte mich fast geteert und gefedert und zu Apfelsaft verarbeitet…

 

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… um es ganz klar zu sagen. man sagt ÄBBELWOI. Punkt. Und wenn man genug von dem Zeug getrunken hat, kann man die nächsten Etappen des Grüngürtelwegs in Angriff nehmen!



Urban Bee Keeping und Böller beim American Football – auf dem Frankfurter Grüngürtelweg, Teil 1

Geschrieben am um 6:40

Wenn mein alter Wanderkumpel Michael vom Wandermagazin schon seine Hand für einen Wanderweg in’s Feuer legt („großartiger Stadtwanderweg, wirklich durchdachtes Konzept“), dann liegt die Latte schon mal ziemlich hoch. Irgendwie hat der gute Michael sich ganz schön in den Grüngürtel-Weg in Frankfurt verliebt. Immerhin hat dieser Weg im letzten Jahr den Preis für den schönsten Wanderweg Deutschlands in einer Metropolregion gewonnen. Zeit, sich das mal anzuschauen. Letzten Sonntag bin ich dort gewandert und ich muss sagen: wahrscheinlich bin ich im meinem Leben noch nie so AMTLICH gewandert wie in Frankfurt, denn ich hatte mich mit 80 anderen Wanderern auf Einladung des Frankfurter UmweltAMTS auf dem Danziger Platz am Ostbahnhof eingefunden. Dieser Platz ist wirklich magisch. Die liebe EZB (die laut Herrn V. angeblich die Krieschen terrorisiert) ist mit ihrem etwas windschiefen Gebäudekomplex in Sichtweite.

 

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… aber mitten auf dem Danziger Platz breitet sich seit zwei Jahren der „Frankfurter Garten“ aus, ein Projekt, das man eher in Kreuzberg verorten würde. Ein städtisch-alternatives Gartenprojekt mit gefühlt 500 unterschiedlichen Tomatensorten, einem coolen Biergarten und einem Urban Bee Keeping Projekt. Ihr kanntet noch nicht Urban Bee Keeping? keine Sorge, ich auch nicht, das ist der letzte Schrei, gib Biene Maja eine faire Chance und verwerte Deinen eigenen Honig …

 

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Die Bienenkästen im Frankfurter Garten sehen ein wenig aus wie tibetische Kindersärge, aber den Bienen geht es mitten in der Großstadt angeblich besser als auf dem Lande bei reaktionären Alt-Imkern. Ich war dennoch ganz froh, dass die kleinen Summer nicht mitgewandert sind. Um es mir mit meiner Bewertung des Grüngürtelwegs nicht zu einfach zu machen, hatte man die urbanste, städtischste, asphaltierteste Etappe für mich und die 80 Mitstreiter ausgesucht. Aber der Ostpark, den fand ich schon klasse …

 

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Nicht nur wegen der alten Bäume, sondern auch wegen einer großartigen Skulptur von F.W.Bernstein. Bernstein hat, wie viele Vertreter der Neuen Frankfurter Schule (Titanic, Pardon, Robert Gernhardt und Co, leider zu viele schon zu früh verstorben) humorvolle Skulpturen an den Grüngürtelweg gestellt. Großes Kino. Elfmeterpunkt auf Erdachse, muss man sich angucken.

Aber dann zerreisst ein Knall die Luft, ein Riesen-Böller startet in den azurblauen Himmel. Wir wandern am Stadion des FSV Frankfurt vorbei, aber seit wann werden da Böller gezündet? Haben die überhaupt schon mal ein Tor geschossen? Die mitwandernde Journalistin des Fechenheimer Anzeiger klärt mich aufgeregt auf. In dem Stadion fände doch jetzt ein Spiel der Frankfurt Galaxy American Football Mannschaft gegen München statt, und bei jedem Böller gäbe es einen Touch Down der Frankfurter zu feiern…

 

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… aaach so, Mensch, es ist ja eine Stimmung im Stadion, da fliegt ja bald die Gummipuppe des 12. Manns weg. Fast wäre ich versucht, mir im Stadion dieses hyperspannende Spiel anzschauen, aber ich muss weiterwandern, auf dem Grüngürtelweg. Aber wer oder was Poco ist, warum die amtlichen Frankfurter Wanderexperten eine Weltsensation erfunden haben und warum ich kein Belohnungsbier bekommen habe, das erfahrt Ihr leider leider erst nächste Woche …


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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