Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Am Limes bin ich an meine Grenzen gegangen

Geschrieben am um 7:17

Schon oft bin ich an meine Grenzen gegangen: Am Watzmann, bei der 82-Kilometer mit Thorsten Hoyer, bei total unterhopften Wanderungen. Am Limes im Südtaunus bin ich Mitte Juli im wahrsten Sinne des Wortes auf und an einer Grenze gegangen. Seit kurzem ist der Limeserlebnispfad vom Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg zertifiziert worde. Die Eröffnungswanderung startete am Limesturm in Taunusstein-Orlen …

 

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Jeder, der wissen will, in welcher Region dieser Limesturm liegt, kann sich ein ungefähres Bild anhand eines alten grünen Schildes machen: zwischen Wehen und Idstein. Jedem Fußballfan ist Wehen bekannt als das Dorf des Unternehmers Heinz Hankammer, der die Brita-Wasserfilter erfunden hat. Und jedem Jack-Wolfskin-Fan ist Idstein bekannt als das Dorf der Tatzen-Firma. Der Limes trennt also im Taunus die Welt der Wasserfilter von der Welt der Outdoor-Bekleidung.

 

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Ich hatte mich gerade geographisch orientiert, als ich von zwei Römern eingekesselt wurde und einen Schnaps in die Hand gedrückt bekam. Ich wusste gar nicht, dass die Römer so Schnapsdrosseln waren, ich dachte, die standen eher auf Wein. Und komisch kam es mir auch vor, dass der Römer wie Aristoteles und die Römerin wie Kassandra aussah. Hatten sich da vielleicht Griechen heimlich als Römer verkleidet?

 

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Eine kleine Wanderpause legte die Wandertruppe am Limes Rastplatz Steckenroth ein. Dort standen original römische Sitzmöbel. Aber ob die so original waren, wage ich zu bezweifeln. Hatten die Römer so schmale Hintern? Die haben sich doch eher – auch zum Essen – lang gelegt, oder? Der Holzstuhl am Limes war auf jeden Fall sehr grenzwertig…

 

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95, die Zweite

Geschrieben am um 7:42

Ich bin wie in der Vorwoche immer noch unterwegs auf der Traumschleife Felsenweg im Saarland, der mit 95 Punkten die beste Bewertung aller deutschen Premiumwege bekommen hat. 95 von 100 möglichen Punkten sind eine Menge Holz. Woher kommen die Punkte, außer für tolle Wegführung, hoher Pfadanteil, wenig Aspalt und viele Aussichten?

Vom Deutschen Wanderinstitut gibt es auch immer ordentlich Punkte, wenn die Möblierung stimmt.

 

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Daher hat man am Felsenweg einige neue Picknick-Garnituren aufgestellt. Was mich nur irritiert hat: Echt schwäbisch ist an jeder Bank ein Handkehrer angebracht. Kehrwoche im Saarland? Soll man damit die Wanderschuhe, den Tisch oder den ganzen Rastplatz fegen? Nichts für mich. Richtig pfiffig fand ich aber die drehbare Sinnenbank an der Mega-Aussicht in Scheiden…

 

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…. mit dieser Bank auf einem drehbaren Teller kann man sich die Blickachse aussuchen. Da habe ich direkt unter Wanderspezialisten Unmut gehört, was solle denn der Quatsch, dass man sich mit dem Rücken zur grandiosen Aussicht drehen kann. Kinners, das ist doch wohl klar, warum diese Möglichkeit besteht, denn wir leben im Zeitalter des Selfies und Selfiestick …

 

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…. und nur so kann man das eigene Antlitz und die Aussicht auf ein Bild bekommen und dabei auch noch sitzen!

Ein weiteres bewährtes Highlicht sind natürlich die Felsen auf dem Felsenweg. Sonst hieße der Weg ja nicht Felsenweg, sondern zum Beispiel Fünfundneunziger. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut man auf dem Bärenfelsen den Bären erkennen kann…

 

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… eben leicht kubistisch verfremdet.

Meine Lieblingsstelle auf dem Felsenweg ist aber der Grenzgraben zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz. Mancher Saarländer würde sich wünschen, dieser Graben hätte die Ausmaße eines Grand Canyons, aber auch so ist er nahezu unüberwindbar…

 

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… mit jedem Bein kann man so in einem anderen Bundesland laufen. Man fühlt irgendwo sehr körperlich die eigene Zerrissenheit, echt mal.

Fazit: 95 Kilometer Felsenweg, die überzeugen. Nein noch mal: Jeder Kilometer des 95-Punkte überzeugt. egal ob man ihn links rum oder rechts rum läuft. Herzlichen Glückwunsch Felsenweg!



95, die Erste

Geschrieben am um 6:17

„95“ ist eine gewaltige Zahl, knapp unter der Dreistelligkeit. Eine Zahl, für die der Franzose genau vier Ziffern braucht, um sie darzustellen: Vier-Zwanzig-Fünf-Zehn. 95 startete die Harald Schmidt Show und Conquest of Paradise von Vangelis war der größte Hit in Deutschland. Echt lange her. Seit Kurzem verbindet aber Wanderdeutschland die „95“ mit dem Felsenweg im nördlichen Saarland. Denn es wurde am ehemaligen Besten Wanderweg Deutschlands 2005 noch einmal ordentlich herum geschraubt, und das Deutsche Wanderinstitut vergab für den gepimpten Premiumweg 95 Punkte. Das ist gleichzeitig deutscher Rekord, Vize-Europarekord, Vize-Weltrekord. Also habe ich mich nach Waldhölzbach aufgemacht, um mir dieses achte Wander-Weltwunder anzuschauen. Für mich war es eine Premiere, denn ich bin den Felsenweg erstmals in umgekehrter Richtung gelaufen, mit dem Uhrzeigersinn. Verrückt, oder?

 

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Toll war, deshalb direkt zu Beginn am Barfusspfad von Waldhölzbach vorbei zu kommen. Bislang hatte ich nach den mitunter ganz schön fordernden 13,7 Kilometer noch nie Lust gehabt, meine Schuhe auszuziehen. Muss echt nicht sein, so kurz vor dem Ziel. Aber diesmal habe ich es gewagt, bin über Kiesel, Sand, Holzschnitzel, Matsch, Steine und Rundhölzer gegangen. Und siehe da, die Füsse gut durchblutet, war das genau der richtige Aperitiv für die „95“

Außerdem ein Vorteil des Rechts-Rum-Gehens: Die spektakulären Neuerungen des Felsenwegs werden einem direkt auf dem Silberteller präsentiert…

 

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… wunderbare Pfade durch noch wunderbarere Wälder, eine Aussichtsplattform auf Feuchtwiesen im Lannenbachtal (sind nicht alle Wiesen feucht, wenn es geregnet hat?). Aber das absolute Highlight ist natürlich der Pfad über eine Viehweide. Es gibt zwar noch den Hinweis: „Wer die Begegnung mit den Tieren vermeiden möchte, kann den breiten Weg nach rechts weiterwandern“, aber wer bei Verstand ist, geht natürlich über die Viehweide. Kühe und Pferde sollen dort ab und an stehen, ich habe leider keine Viehsichtung gehabt. Aber der Clou ist ja eh, dass man als Wanderer eingezäunt ist, nicht das Vieh. Ich weiß nicht warum, das müssen uns die Natursoziologen erklären, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht, dort entlang zu wandern.

Eine halbe Stunde später bin ich in Scheiden angekommen, wo eine Aussicht über fast das komplette Saarland auf den Wanderfreund wartet. Und dort gibt es neuerdings bewegliche Sinnenliegen, der absolute Hammer. Doch dazu mehr nächste Woche …



Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil III

Geschrieben am um 6:16

Heute dritter und letzter Teil meiner Neanderlandsteig-Trilogie. Nicht ganz so dramatisch wie Winnetou III, ich gebe es zu. Mein Scheitern habe ich ja schon letzte Woche ausgiebig gefeiert. Aber nun gilt es die Leistung einer der der größten Wandersportler aller Zeiten zu feiern. Thorsten the Hoyer. Unglaublich dieser Mann. Er möchte nicht „Extremwanderer“ genannt werden. Klar, ist ja auch alles im normalen Bereich, was der Bursche abflaniert. Nennen wir ihn also: „Giga-Wanderer“

 

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Aber selbst Giga-Wanderer müssen mal pumpen. Wie hier, sechs Kilometer vor dem Ziel in Erkrath. 232 Kilometer geschafft, da tun die Beine weh. Hinsetzen mochte sich Hoyer nicht, das wäre tödlich gewesen. Also weiter, quäl Dich Du Sau…

 

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Hier Hoyer (rechts) auf den letzten Metern. Neben ihm (links) Marion. Marion ist nun wirklich eine Extrem-Wandererin, nach sieben 200-Kilometer-Märschen, unzähligen 100-Kilometer-Märschen, nach vielen Schwächephasen (normalerweise „wandert“ sie am liebsten auf Asphalt) hat sie sich immer auf Hoyers Fersen geheftet und auch die 238 Kilometer gemeistert. Respekt!

 

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Und dann hat er ihn, den WM-Pokal!!! Ach so, doch nur ein Hefeweizen. Aber das war auf der Strecke immer Hoyers Hauptproblem. Kondition? Alles fit! Tun die Beine weh? Ach wo! Und was ist mit der Unterhopfung? Keine Ironie in Hoyers Blick: Mein wirklich größtes Problem…

 

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Und dann gab es noch die „Trophy“. Die offizielle Er-hat-tatsächlich-die-verdammten-238-Kilometer-geschafft-Trophäe. Das war leider nicht eingraviert. Sondern die Umrisse des italienischen Stiefels, so der gar nicht so schlechte Witz des stellvertretenden Landrats, der die Trophäe an Thorsten Hoyer übergab. Nein, es sind natürlich die Umrisse des Neanderlands, die komplette Wegstrecke, die Hoyer gemeistert hat. Ein Wander-Weltrekord im Kreis Mettmann. Ich verneige mich …


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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