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Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil II

Thorsten Hoyer war 238 Kilometer nonstop auf dem Neanderlandsteig unterwegs. Da konnte ich den Armen ja nicht komplett alleine lassen. Die Älteren unter Euch werden sich wahrscheinlich noch an meine 82 Kilometer-Wanderung mit Hoyer im Westerwald erinnern. Ausführlich dokumentiert in meinem letzten Wanderbuch. Mein Fazit damals: Na ja, 82 Kilometer sind eigentlich Kindergeburtstag, auf jeden Fall hatte ich danach keine Blase, keine Muskel- und Gelenkschmerzen. Aaaaber, die Nacht durchwandern ist für mich ein totales No Go. Also machte ich im letzten Absatz des Hoyer-Kapitels den kühnen Vorschlag: So eine Strecke könnte man ja auch an einem der längsten Tage des Jahres im Hellen wandern, ohne auf Hoyers blöde Stirnlampe angewiesen zu sein. Und ein neuer Rekord müsste doch eigentlich her, also sollte ich mindestens 83 Kilometer schaffen…

 

Und so startete ich am Samstag, 13. Juni, um 4:00 in der Dämmerung in Velbert, stoße zu Hoyer, der schon 88 Kilometer und eine durchwanderte Nacht in den Beinen hat. Ich mache für Hoyer ein wenig den Hasen, die Tempo-Lokomotive, ich bin ja noch frisch. Nur ein kleiner Schauer bei Kilometer 33 (dokumentiert durch Hoyers kreatives Regenjacken-Arrangement im letzten Blogeintrag) als Hindernis war zu verzeichnen. Na und? Und bei Kilometer 49 dann noch ein erfrischende Taufe…

 

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… mit Düsselwasser. Info für alle Nörgler und Zweifler: Hat gar nicht weh getan. Genau so wenig, wie ein Altbier zu trinken. Nur alte Männer wie Pur-Sänger Campino pflegen noch diese ranzige Köln-Düsseldorf-Rivalität. Aber irgendetwas scheint mit diesem Düsselwasser doch nicht gestimmt zu haben. Denn ab Kilometer 53, ab Gruiten Bahnhof, habe ich massiv angefangen zu schwächeln. Kondition war in Ordnung, aber jeder Schritt hat geschmerzt. Denn: Wie ein totaler Wanderdilettant habe ich für diese Mörder-Tour keine Ersatz-Socken und keine Blasenpflaster mitgenommen. Aaaaaarghhh! Erst haben mir die noch vom Schauer nassen Socken die Blasen beschert, die ohne Blasenpflaster sich mit jedem Schritt zu Kopfkissengröße aufpumpten. Was soll ich sagen, bei 64 Kilometer war Schluss mit lustig…

 

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Und wenn man denkt, die Blamage, die Erniedrigung könnte nicht größer gewesen sein, wartet dann noch ein Neanderlandsteig-Besenwagen, in den man wie ein willenloser Ork einsteigt, und Foto-Opfer von irgendwelchen Leser-Reportern wird. Peinlich.

 

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Nun ja, zuletzt hat Harald Martenstein im ZEIT Magazin eine schönen Satz zitiert: „Von Deinen Erfolgen wollen nur Deine Eltern etwas hören, alle anderen interessieren sich für Deine Misserfolge.“


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6 Kommentare zu “Hoyers 238 Kilometer und mein Scheitern, Teil II

  1. Das Düsselwasser, ich wusste es! Und dann noch der tückische Bahnhof Gruiten (auch so mancher Markazero hat da schon massiv geschwächelt), das konnte ja nix werden! Kein Blasenpflaster beim Rekordversuch, ts ts, das grenzt allerdings an grobe Fahrlässigkeit. Und DANKE!!!! Danke für „Pur-Sänger Campino“, das ist genial, da steckt wirklich ALLES drin!!!!

  2. Tja, wenn der germanische tubicen (vgl. Blogbeitrag vom 7.1.14) hier zwar seinen Notenständer dabei hat, aber die Trompete nicht, so dass er weder zu Aufbruch noch Angriff blasen kann, und wenn er einem dann noch zur Schmerzprophylaxe ungemischtes Wasser aus der Amphore übern Kopp schüttet (wo die barbari doch eigentlich Spezialisten für ungemischten Wein sind ut ipse Tacitus scribebat), ja dann kann das natürlich nix werden! Germani comici… das wird lustig werden bei der Limeseröffnung demnächst…

  3. Bin durch eine Freundin auf den Beitrag aufmerksam geworden. Sie hatte recht, sehr interessant. Liebste Grüße aus St Christina Dolomiten

  4. Irgendwann werde ich das Rätsel lösen, welche Marketing-Agentur es ist, die Südtiroler Großhotel-Wellness-„Oasen“ im kleinen, feinen Blog platziert… Wenn Wetterpilze als „Destinations-Hotspot inklusive nächtlicher Shuttlebus-Tour zur Rekreation des inneren Energie-Levels (Räucherstäbchen, Duftkerzen und Gothic-Musik inkludiert)“ sich am Markt durchsetzen, gebe ich aber auf…

  5. Hilft nix, es muss ins Netz hinein: „Sherlock Hintermstoaner hat’s schnell herausgefunden:
    http://www.brandnamic.com/de/service/beratung
    Unter „Referenzen“ steht auch der ein oder andere Mirgehtsdochguttempel, der früher schon im Blog platziert“. Diese Sprache da! Es graust einen! Lasst uns Wanderer doch in Ruhe mit eichernen Marketing-Käse!!!

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