Wander-Blog von Manuel Andrack

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Raffael und Lenin in der Sächsischen Schweiz

Es ist hinlänglich bekannt, dass ich durchaus ein passionierter Alleinwanderer bin. Keinem verpflichtet, mein eigener Herr, herrlich! Aaaaaber, wenn ich in der Sächsischen Schweiz unterwegs bin, dann gibt es für mich nur eins, ich muss Arndt dabei haben, Mitglied im Stiegen- und Wanderfreundeverein der Sächsischen Schweiz. Warum Arndt so klasse ist? Weil er einem Sachen zeigen kann, die man sonst im Leben nicht gefunden hätte. Wie zum Beispiel dieses Engelsgesicht oberhalb der Amselfallbaude.

 

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Zunächst einmal hätte ich ohne Arndt den Weg dorthin gar nicht gefunden. Ein Weg gänzlich ohne Wegweiser, überwachsen von Gestrüpp, einer der vielen verbotenen Wege der Sächsischen Schweiz. Man fragt sich nur, wer sich die Mühe gemacht hat, diesen wunderschönen Engelskopf dorthin zu drapieren. Andereseits, wozu habe ich vor etlichen Monden Kunstgeschichte studiert? Gehen wir die Sache doch mal logisch an…

 

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An was denkt man denn, wenn man hört: Sachsen und Engel? Nein nicht Engels, Engel. Und- auch Nein – ich ich meine nicht Sahra Wagenknecht, die kommt aus Thüringen. ich meine natürlich die berühmten schelmisch guckenden Putten am unteren Bildrand der Sixtinischen Madonna von Raffael. Millionenfaches Postkartenmotiv. Aber wie hat der Raffael diese tollen, süßen Puttengesichter hingekriegt? Na klar: Üben, üben, üben! Und so hat sich der große Raffael in die Einsamkeit der Sächsichen Schweiz verzogen, hat erst mal dort ein Puttengesicht in den Felsen gemeißelt. Nicht schlecht geworden! Und nach dieser Steinskizze hat er dann sein berühmtes Gemälde gemalt. Lösung gefunden.

Dann hat mir Arndt noch unterhalb von Hohenstein einen weiteren Engel gezeigt, sozusagen die russische Variante.

 

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Der gute alte Lenin in Stein gemeißelt. Ich frage mich: Warum ist das kein Pilgerort? Bei diesem Bildnis liegt es nahe, dass Zar Putin I. persönlich (denn er hat ja lange in Dresden gelebt) den mächtigen Revolutionsführer in den Fels gehauen hat. Ein wunderschönes Lenin-Denkmal, denn auch in der Sächsischen Schweiz gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, das ist ja mein Lieblingsspruch des alten Sowjet-Zausels.


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13 Kommentare zu “Raffael und Lenin in der Sächsischen Schweiz

  1. Erst dachte ich „Hä? Das ist doch der Mann im Mond? Der Mann im Mond ist Lenin? Aber dann müsste er doch eigentlich ‚Lunin‘..“ – aber dann waren doch genug Schluck Kaffee intus und also auch zu erkennen, dass beim anderen Bild „soli deo gloria“ und nicht irgendwas wie „Rolling Stone“..

  2. Die Raffael-Theorie ist absolut zwingend, es kann gar nicht anders gewesen sein! Allerdings der Lenin… Zunächst dachte ich an Martin Kippenberger: „Ich beim besten Willen kein Hak…, äh, keinen Lenin entdecken“, aber dann… Ja, tatsächlich! Ist eigentlich auch logisch: Spionage ist ein fulltimejob, da bleibt wenig Zeit zum Üben, also seien wir gnädig mit dem Bildhauer Wladimir.

  3. Das ist noch gar nichts im Vergleich zur Hinterzero’schen ikonologischen Untersuchung des Schriftzugs über dem Engel: Es gibt eine Band namens Solo Diaboli Gloria, Black Metal aus Petrozavodosk, Karelien. Nicht nur sind wir damit wieder in Russland gelandet, sondern auch von der Sixtinischen Madonna zu Satanismus und Nihilismus gewandert, in nur einem Blog-Beitrag, kurz vor Weihnachten! Da sage noch einer, Wandern sei nicht verstörend und aufwühlend.

  4. Ganz ganz klare Sache, diese Felshandschrift ist äußerst typisch, das kann sich nur um den gleichen Künstler handeln, der auch den Lenin schuf. Also ein postraffaelitisches Werk, zuzuschreiben Wladimir persönlich in einer frühen Phase. Wahrscheinlich (aber da gibt es abweichende Expertenmeinungen) ein Selbstbildnis des Potentaten, als er sich noch offen zu seiner Homosexualität bekannte.

    • Die Analyse beeindruckt nicht allein deswegen, weil sie trotz abwägender Berücksichtigung diverser Expertenmeinungen in maximal sieben Minuten entstanden ist.
      Allerdings hat Wladimir hier nicht direkt sich selbst dargestellt, sondern den Komponisten Franz Liszt im Kleid der Hauptprotagonistin „Prinzessin Elzire“ aus seiner Oper „Don Sanche oder das Schloss der Liebe“, die er im zarten Alter von 13 Jahren geschrieben hatte. In lis(z)tig verklausulierter Weise hat der Jüngling Wladimir hier also seine eigene sexuelle Identität in Stein gemeißelt. Warum Liszt und nicht etwa Richard Wagner, sollen die Putin-Biographen oder Sigmund Freud klären.

      • Und was hat es in diesem Zusammenhang zu bedeuten, dass just am 7. Juli 2011, dem Tag der Bayreuther(!) Premiere der Liszt-Oper Putin und Gerhard Schröder in St. Petersburg beim Italiener sitzen und „zwei Tage später sickert durch, dem russischen Premier werde der Quadriga-Preis verliehen.“ (DER SPIEGEL 30/2011) ? – Verschwörungstheoretiker dieser Welt: formiert euch!

  5. An der Identität des Künstlers kann kein Zweifel bestehen, die Schlussfolgerungen der beiden vorherigen Interpreten sind allerdings haarsträubend und werden diesem subtilen Meisterwerk in kleinster Weise gerecht. Bei dem Dargestellten handelt es sich natürlich um Gregor Gysi, welcher sich anlässlich einer Karnevalsfeier in Köln-Ehrenfeld einmal als Dolly Parton verkleidet hatte. Dass Wladimir deren Haupt-Attribute „shock“ und „awe“ in einem Akt der Selbstzensur schamhaft mit Flechten überdeckt hat, ist allenfalls ein Beweis für das zarte Gemüt des Künstlers, keinesfalls ein Hinweis auf etwaige Homosexualität. Das Gegenteil ist richtig, denn im linken Bildbereich hat er noch kunstvoll und ironisch das Antlitz des lupenreinen Demokraten Georg Büchner eingefügt, der „einen Blick riskiert“!

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