Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Auf der Suche nach dem Hasen in der Kammer

Geschrieben am um 12:07

Anfang letzter Woche bin ich die Bopparder Traumschleife „Hasenkammer“ gewandert. Im Unterschied zu den anderen fünf Traumschleifen in Boppard gibt es keinen Rheinblick, sondern Hunsrück pur. Und die Suche nach der Kammer des Hasen. Zu meiner großen Freude war bei der Wanderung wieder der BBB dabei, der Bopparder Bürgermeister Bersch.

DSCF7702

 

Dr. Walter Bersch ist der Mann am rechten Bildrand, der gerade den Mund etwas voll genommen hat. Sie waren aber zu köstlich, diese süß-reifen Mirabellen an dem Obstbaum am Wegesrand. Ich habe mindstens zwanzig davon genossen. Wir waren am Ortsrand des Bopparder Ortsteils Herschwiesen gestartet. Und – wie der Namen schon andeutet – gibt es rund um Herschwiesen viele Wiesen, Obstwiesen. Traditionell sind Streuobstwiesen ein Jahrhunderte altes Kulturgut. Nicht so rund um Herschwiesen. Dort sind dank Bürgerengagement seit 2006 etliche Obstbäume gepflanzt worden.

DSCF7706

 

Eine der Verantwortlichen für das Obst-Wunder von Herschwiesen ist Peter Kreiser, Vorsitzender des Vereins Pro Obst. Man kann sich allerdings auch nicht vorstellen, was ein Verein Contra-Obst bezwecken sollte. Peter Kreiser zeigte mir auf jeden Fall eine Info-über-Obst-Klappe. Achtung, nicht einfach achtlos auf der Traumschleife „Hasenkammer“ an allen Info-Tafeln vorbei laufen, einfach mal alles hochklappen, was klappbar aussieht, vielleicht ist noch eine Info darunter versteckt.

DSCF7703

 

Wir erreichten dann ziemlich zügig einen Schießstand, an dem man in aller Ruhe auf die Hasen in der Kammer schießen kann… Ach ne, Quatsch, das sollte ein Bilderrahmen sein, um das Dorfzentrum von Herschwiesen mit der bemerkenswert prächtigen Barockkirche St.Pankratius in’s rechte Bild zu rücken. Der Bilderrahmen war aber derart niedrig platziert, dass man – eigentlich passend zum sakralen Bildinhalt – schon hinknien musste, um den Kirchturm im Bildmittelpunkt zu haben.

„Hasenkammer“, der Titel unserer Traumschleife, ist übrigens eine Flurbezeichnung, durch die wir kurz hinter Herschwiesen wanderten. Um es vorwegzunehmen: Wir haben keinen Meister Lampe auf unserer Wanderung gesehen.

DSCF7716

 

Allerdings trafen wir einen riesigen Schmetterling. Aus Filz. Diese Filzinstallation gehörte zu einer Reihe von künstlerisch gestalteten Filzobjekten, die am Wegesrand hängen, liegen oder an Bäumen versteckt sind. Dass es eine ganze Filz-Kunstgattung gibt, war mir neu. Ich wusste nur, dass der legendäre Joseph Beuys ab und an ganz gerne mit Filz und Fett gearbeitet hat Der Schmetterling ist auf jeden Fall in Nassfilztechnik mit extrafeinem Merino-Vlies gestaltet worden, Chapeau!

DSCF7726

 

Aus der lieblichen Hasenkammer ging es hernach hinab in’s dramatisch wilde Tal des Brodenbachs. Das Brodenbach-Tal ist eine echte Entdeckung, führt dieses Tal in der Region doch ein wenig ein Schattendasein hinter der ungleich berühmteren Ehrbachklamm und dem Baybachtal. Erfreulich lange schlängelte sich die Traumschleife am romantischen Brodenbach entlang bis zur Grenze.

DSCF7730

 

Denn schon bald ging es hinauf aus dem Tal und wir verliessen die EU, an Wechselstuben am Wegesrand konnte man Euro in Franken wechseln, denn es ging in die Schweiz. Eine Schweiz ohne löchrigen Käse, Kuhglocken und Wilhelm Tell. Aber mit phantastischen Blicken über die Grüne Hölle des Brodenbacher Tals. Wir befanden uns in der Udenhausener Schweiz. Dort wird der Weguntergrund steinig, felsig, der rheinische Schiefer drängt mit Macht an’s Tageslicht. Sehr schön.

DSCF7731

 

Und plötzlich stand ein Senner mit einer Sonnenblume vor uns. Nein, nachdem ich meinen Blick scharf gestellt habe, erkannte ich, es war ein Einwohner von Herschwiesen mit einem riesigen Pilz, einem goldgelben Pfifferling.

DSCF7732

 

Und dann gingen wir hinaus aus dem Wald mit den vielen Bäumen und sahen wieder: viele Bäume, aber in der Horizontalen, die hatten sich also sozusagen schlafen gelegt. Bäume gibt es reichlich, die Gemeinde Boppard hat ordentlich Holz vor der Hütte. Der BBB erzählte mir stolz, dass Boppard nach Neustadt an der Weinstraße über den zweitgrößten kommunalen Waldbestand von Rheinland-Pfalz verfügt. Das glaubte ich gerne, die Traumschleife könnte statt Hasenkammer auch Baumhaus heißen, so viel Holz habe ich heute schon gesehen.

DSCF7735

 

Kaum hatten wir die Schweiz verlassen, ging es schon wieder um Ländergrenzen, nämlich die trilateralen Beziehungen der Gemeinden Buchholz, Herschwiesen und Udenhausen. Denn unten am Bodenbach, den wir auf dem Rückweg nach Herschwiesen erneut queren mussten, dort unten an der Holzbrücke über den Brodenbach, dort findet sich das Dreiländereck der vorgenannten Gemeinden.Schließlich ging es wieder hinauf zum Ausgangspunkt der Wanderung. Und wenn man, wie die Wandertruppe letzten Montag, das Glück hatte, mit dem BBB zu wandern, dann bekam man sogar ein Belohnungsbier im edlem Ambiente einer Bopparder Gaststätte spendiert. Das ist die Traumschleife Hasenkammer: Obst, Schweiz, jede Menge Holz und Landschaft, mit ein wenig Glück auch noch ein Bier, und dass alles für umme. Ganz großes Kino!



Geburtenhain, spielende Tiere und was 1933 geschah – Neues vom Neanderlandsteig

Geschrieben am um 7:01

In diesem Jahr wird der Neanderlandsteig vollendet, die letzten sechs Etappen im Norden des Kreises Mettmann werden fertig markiert und eröffnet (nächste Eröffnung am 7. September von Homberg nach Erkrath). Hier ein paar Impressionen von den neuen Wegabschnitten.

 

DSCF6147

 

Nördlich von Heiligenhaus verläuft der Neanderlandsteig im Rinderbachtal und dort sah ich an einer Holzbrücke ein Megaphon aus Metall für die Aktion: „Was-ich-meinem-Bach-schon-immer-mal-sagen-wollte“ Natürlich habe ich das direkt probiert und in einer Art Urschreitherapie mal alles rausgelassen, was ich dem Rinderbach immer schon sagen wollte. Das hat vielleicht gut getan, das war irgendwie befreiend…

 

DSCF6125

 

Den sogenannten Geburtenhain habe ich kurz hinter Velbert gesehen. Auf dieser Wiese haben aller Wahrscheinlichkeit nach in vergangenen Zeiten (1970er oder 1980er Jahre) alle Schwangeren von Velbert kurz vor der Niederkunft gezeltet, um auf dem Hain ihre Kinder zu bekommen. Der struppige Rasen sah nicht so aus, als wenn diese Tradition Bestand haben würde.

 

DSCF6213

 

Kurz vor Selbeck, einem Ortsteil von Mülheim an der Ruhr, sah ich an einem Bauernhof dieses Schild. Wie ist das zu verstehen, so im Sinne eines Warnschildes vor dem bissigen Hund, der nur spielen will? Sollte man Angst haben oder bekommen vor den Kindern und Tieren? Nun, so alt wie das Schild ist, sind ja zumindest die Kinder schon eher aus dem Haus, aber vielleicht gibt es ja auf dem Hof immer noch (Skat) spielende Tiere.

 

DSCF6236

 

Sehr schön auch auf dem Waldlehrpfad im Düsseldorfer Stadtwald, diese dicke Holzscheibe. Alle wichtigen Daten zwischen 1910 (da wurde der Baum gepflanzt) und 1999 (da wurde er gefällt) waren vorhanden:

1945 – Ende des 2. Weltkriegs,

1961 – Bau der Berliner Mauer,

1969 – Mondlandung.

Und 1933? Man denkt, ja klar, Machtergreifung der Na… – ach ne, wenn man genauer hinschaut steht dort: “1933: Fortuna wird Deutscher Meister” Was man alles auf dem Neanderlandsteig lernen kann!!!



Warum ist es am Rhein so schön?

Geschrieben am um 7:57

Warum ist es am Rhein so schön? Weil man nicht nur auf dem Rheinsteig, sondern auch gegenüber auf der linken Rheinseite auf dem Rheinburgenweg wandern kann. Und zumindest auf dem Abschnitt zwischen St.Goar und Oberwesel ist das sogar fast ergiebiger als auf dem Rheinsteig, denn man hat phantastische Ausblicke AUF DIE Loreley, auf dem Rheinsteig hat man „nur“ Ausblicke VON DER Loreley…

 

DSCF6460

 

Auf dieser Panorama-Fotografie hat man alle Highlights der Region zusammengefasst: Vater Rhein, Stieftochter Loreley (nicht im Bild, holt sich bei DM oder Rossmann gerade einen neuen Kamm), Burg Katz in der linken Bildhälfte und ganz am linken Bildrand der hässlichste Hotelbau am Rhein. Herrrrrlich!!!

 

Warum ist es am Rhein so schön? Weil dort Bänke stehen, die irgendwann einmal von edlen Vereinigungen gespendet wurden, das ist ein Segen für den müden Wanderer. Ein Hoch auf die Bankspender! …

 

DSCF6456

 

… Allerdings wird es für immer ein Geheimnis bleiben, wer der edle Spender war, denn durch Kratzen (neudeutsch: Scratching) ist der Name VÖLLIG unkenntlich gemacht worden.

 

Warum ist es am Rhein so schön? Weil dort Wünschen noch etwas hilft. Ich habe mir die Bedienungsanleitung des „Wunschwassers“ bei St.Goar aufmerksam durchgelesen…

 

DSCF6444

 

… leider hatte ich aber blöderweise keine Schiefertafel dabei, daher habe ich die komplette Versuchsanordnung mit der modernen Schiefertafel, also meinem Ipad, durchgeführt. Ergebnis: Wunsch ist in Erfüllung gegangen, Ipad ist kaputt. Ipad mag kein wasser, auch kein Wunschwasser.

Das ist eine Kosten- Nutzungsrechnung: Wenn der erfüllte Wunsch so richtig geil ist (ab unsterblich sein aufwärts), kann man ehrlich gesagt auch auf‘s Ipad verzichten.



Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 2

Geschrieben am um 6:45

Letzte Woche habe ich schon ein wenig über meine Wanderung mit dem Schwäbischen Albverein auf dem Westweg berichtet. Wie ist er denn nun so, dieser Westweg, den man ja schon fast legendär nennen kann und muss. Es ist fraglos der beliebteste aller Schwarzwälder Weitwanderwege und stellenweise, zum Beispiel auf der Passage hinter der Darmstädter Hütte, ein wirklich zauberhafter Weg.

 

DSCF7396
Zu dem schönen Weg passten die schönen zwischenmenschlichen Kontakte in der Wandertruppe. Nun mal ehrlich, dafür wandert man doch in einer so riesigen Gruppe, dass man sich richtig kennen lernen kann. Und zwei Singles aufeinander treffen, wird ja vielleicht ja auch mehr draus. Ich belauschte auf jeden Fall ein sehr interessantes Anbandelungsgespräch. Normalerweise checkt man erst einmal, ob gemeinsame Interessen vorhanden sind, der Musikgeschmack auf einen Nenner zu bringen ist, so ein Zeug eben. Aber wie die zwei turtelnden Täubchen sich erst einmal über ihre Vorlieben bei Haushaltsgeräte austauschten, das war mir neu. „Das ist ja lustig, ich habe auch eine Miele-Spülmaschine“ – „Ich schwöre ja auf die Siemens-Staubsauger – ach was, Du auch?“ Ich habe die Hochzeitsglocken schon läuten gehört, statt Konfetti und Reis werden aber Staubsaugerbeutel geworfen.

 

DSCF7408

 

Aber auch das ist der Westweg: Schnurgerade, breiter, staubiger, schattenfreier Weg, und dann kommt auch noch der Granit-Transporter. Das Gute war, er hat tatsächlich abgebremst und ist im Schritttempo an uns vorbei gefahren. Der Nachteil: er kam insgesamt dreimal an uns vorbei, scheint immer im Kreis gefahren zu sein, Hat der Granit-Transporter-Fahrer Fuzzy keine anderen Hobbys?

 

DSCF7415

 

Dann der Lotharpfad. Ich dachte ja zuerst, dass das ein spezieller Weg am Westweg wäre, der einem ollen König, Lothar der Barfüssige oder so, gewidmet worden wäre. Aber weit gefehlt: Lothar ist ein Schreckensname für die Bäume des Schwarzwald, denn dieser Sturm aus dem Jahre 1999 sorgte für umfassenden Kahlschlag.

Die Idee des Lotharpfades ist nun, eine dieser Sturm-Flächen im chaotischen Ist-Zustand von Dezember 1999 zu belassen. Seither ist natürlich einiges gewuchert und gewachsen, so dass man einen achterbahnartigen Weg, um nicht zu sagen: Holzweg gebaut hat, um über umgestürzte Bäume gefahrfrei klettern zu können.

 

DSCF7410

 

Besser aber noch als das Erlebnis Lotharpfad waren mal wieder die erfrischenden Gespräche mit meinen lieben Oberboihingern. Ich muss aber noch mal genau hinschauen, welche Marke meine Spülmaschine und mein Staubsauger hat, kann man vielleicht irgendwann noch mal gebrauchen…


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche

Letzte Kommentare


RSS Feed abonnieren



© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.