Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Mit den Oberboihingern im Hoch-Schwarzwald, Teil 1

Geschrieben am um 6:26

Seit meinem letzten Wanderbuch sollten meine Oberboihinger Wanderfreunde Euch genauso an‘s Herz gewachsen sein wie mir. Alle zwei Jahre veranstalten die rührigen Wanderer des Schwäbischen Albvereins aus Oberboihingen eine lange Wanderwoche. 2010 war ich an der oberen Donau mit ihnen gewandert und abends auf der Hütte „Rauher Stein“ beim Belohnungsbier das 548. Mitglied der Ortsgruppe Oberboihingen geworden.

 

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Im Juni 2014 war die Truppe auf dem Westweg im Schwarzwald unterwegs, von Pforzheim nach Hausach. Ich bin eine Etappe mitgewandert und wurde an der Darmstädter Hütte oberhalb von Seebach herzlich von meinem Wanderfreund Richard begrüßt. Dann gab es das unvermeidliche morgendliche Singen. Aus den ausgeteilten Liederheften intonierten wir „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt…“. Das hat der gute alte Eichendorff gedichtet, hatte ich gar nicht gewusst.

 

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Und dann sangen alle noch „Wie schön, dass Du geboren bist“. Das war sehr nett, war mein Geburtstag doch schon seit zwei langen Tagen in Vergessenheit geraten. Aber sie hatten ja recht mit dem Lied. Ich würde mich ehrlich gesagt auch sehr vermissen, wenn ich nicht geboren worden wäre.

 

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Wir waren kaum drei Kilometer gewandert, da rasteten wir auch schon wieder, und zwar passenderweise auf dem sogenannten Ruhestein. Pause natürlich nicht wegen Erschöpfung, sondern weil wir auf eine naturkundliche Führung warteten. Exakt auf dem flachen Ruhestein verläuft übrigens die Grenze zwischen Baden und Württemberg, die hochexplosivste Grenze nach Nord- und Südkorea.

 

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Ehrensache für die Oberboihinger, mit dem Hintern noch knapp im württembergischen Heimatland zu sitzen. Praktischerweise konnte man mit der Hinwendung des Hinterteils Richtung Baden auch deutlich machen, was man von diesem Landesteil zu halten hat. Als Wanderschwabe. Nächste Woche berichte ich weiter über die Wanderung mit „meinen“ Oberboihingern, erzähle, wie der Westweg so ist, was es mit dem Lotharpfad auf sich hat und wie man sich zwischenmenschlich unter Schwaben so annähert.



Locker Bleiben

Geschrieben am um 7:31

Kytta-Wanderung die Dritte: Wandern in der neuen Heimat auf der immer wieder sensationellen Saarschleifen Tafeltour. Die Saar, die Burg Montclair, die Fähre Welles über die Saar, das urige Steinbachtal und dann, natürlich: Die Saarschleife.

 

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Ich fand es gut, dass viele Teilnehmer der Kytta-Wandergruppe nicht aus dem Saarland kamen, und das Erlebnis Saarschleife Neuland für sie war. Böse Zungen sagen ja, dass der Saarländer die Saarschleife nicht wegen ihrer natürlichen Ursprünglichkeit liebt, sondern weil sie die Form der beliebten Fleischwurst, der Lyoner nachbildet. Aber das ist natürlich Kokolores. Freudig überrascht war ich, dass es – vergleichbar mit den durstigen Kytta-Freunden in der Pfalz – auch schon regelrechte Kytta-Wanderfans an der Saarschleife gab, die schon im letzten Jahr (an der Burg Eltz) dabei waren. Im Gedenken an die durstige Pfalz noch ein Bild-Dokument. Ohne Worte.

 

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An der Saarschleife kreiste nicht die Weinschorle, sondern Kytta-Stammgast Clemens hatte selbstgebrannten Schnaps dabei. Clemens kommt aus der Umgebung von Wiesbaden, in seinem Heimatort verehrt man aber einen gebürtigen Saarländer, der die Kultur des Obstvereins ins Hessische exportiert hat. Ein Saarländer macht die Hessen glücklich – so viel Völkerverständigung war selten. Ein Rezept für den Weltfrieden? Sollten die saarländischen Obstbauvereine verstärkt bei der Hamas missionieren? Oder bei NSA/CIA/KGB? Völker hört die Signale, brennt mehr Schnaps!

 

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Zu der herrlich entspannten Wanderung passte schließlichdas Motto der Saarschleife, die sich ein ganzes Bundesland im Südwesten Deutschlands zu eigen gemacht hat:

 

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Bopparder Traumschleife Fünfseenblick

Geschrieben am um 15:46

Die Fünf steht: ich hatte letzten Montag alle meine fünf Sinne beisammen, als ich meine fünfte Traumschleife in Boppard wanderte, meine fünf Freunde (und noch mehr) wanderten mit: Auf zum Fünfseenblick. Start im Kurpark von Bad Salzig, der erste Höhepunkt schon nach einem guten Kilometer: Tolle Aussicht an einer Felsnase mit Blick auf Bad Salzig, den Rhein und die beiden Burgen auf der anderen Rheinseite, Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein

 

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“Feindliche Brüder” werden diese beide Burgen genannt, sie stehen ja auch ganz schön nahe. In diesem Zusammenhang muss ich erneut auf den Blödsinn hinweisen, die beiden sehr weit auseinander liegenden Burgen in der Nähe der Loreley “Katz” und “Maus” zu nennen. Ein klarere Fall von Etikettenschwindel, die beiden Burgen sind so weit entfernt, dass eine ganze Zeitzone dazwischen liegen könnte. Dagegen die feindlichen Brüder, das ist Nähe. Oder Ober- und Niederburg in Manderscheid: Die spielen wirklich miteinander Katz und Maus. Ich fordere den Bundespräsidenten und den Weltkulturerberat auf, diesen Blödsinn zu unterbinden, Katz und Maus die Namensrechte zu entziehen und Burg Sterrenberg sowie Burg Liebenstein dafür Katz und maus zu nennen.

 

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Wo ich schon bei den Beschwerden bin. Beim nächsten Ausblick der Traumschleife betet uns eine hölzerne Nonne an. Die Arme, muss sich immer diese verschwitzten Wanderer anschauen. Dabei würde sie viel lieber Richtung Rheintal blicken, wie es historisch bei Ihrer Vorgängerin aus Stein auch Usus war. Ich unterschreibe daher jede “Dreht-die-Nonne-um-Hundertachtzig-Grad-Petition” sofort.

 

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Als ich das Höhenprofil der Traumschleife Fünfseenblick sah, war ich schon beeindruckt: Von Rheinniveau im Kurpark geht es hinauf auf über 500 Meter. Das ist eine amtliche Höhendifferenz. Das Höhenprofil hat mich irgendwie an den Paramount Berg im Vorspann vieler Hollywood-Filme erinnert. Daher war es auch kein Wunder, dass sich das Teilnehmerfeld der Mitwanderer ganz schön auseinander zog. Ich hielt mich in Blickweite der Bergziegen und unterhielt mich am höchsten Punkt der Tour, nahe der Fleckertshöhe, mit dem roten-T-Shirt-Mann aus Gießen.

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Der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen erweiterte mein Wanderwissen um einige Anekdoten seiner Dolomitentour mit spektakulärer Rettung durch die Bergwacht inklusive Hubschrauberflug. Und ich nahm seine eiserne Regel mit: Das Outfit eines Wanderers muss immer rot sein: Rotes T-Shirt, rote Regenjacke, roter Rucksack, sogar rote Unterhose. Denn: wenn man in Bergnot gerät (kann auch in der Gemeinde Boppard schnell passieren), kann man sich mit dieser Signalfarbe immer bemerkbar machen. Ob der Mann mit dem roten T-Shirt aus Gießen bei seiner Bergrettung auch seine Unterhose geschwenkt hat, habe ich vergessen zu fragen.

Schließlich kam unsere kleine Wandertruppe ohne jede Zwischenfälle und Hubschrauberrettungsaktionen am Aussichtsturm des Fünfseenblicks an. Ich habe mich da tatsächlich hoch getraut.

 

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Dass das für einen alten Vertigo-Patienten wie mich kein leichtes unterfangen war, zeigt dieser Blick durch viele Gitterroste zwanzig Meter in die Tiefe. Hat mal jemand darüber nachgedacht, warum ein “Gitterrost” “Gitterrost” heißt? Natürlich weil die Dinger rosten können. Na ja, immerhin war der Blick oben vom Turm gigantisch. Obwohl man nur vier “Seen” sehn konnte. Im Sommer ist der Wasserstand des Rheins eben zu niedrig, den fünften “See” kann nur im Winter erblicken.

Ab dem Aussichtsturm ging es nur noch bergab und wir erreichten wieder den Kurpark von Bad Salzig. Dort sah ich, dass es in der Kurklinik eine Kinderbetreuung gegeben hätte. Hätte ich das mal gewusst, dann hätte ich meine fünf Bälger ja mitbringen können.

 

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Fazit: Ich muss sagen, dass der Fünfseenblick eine sehr fordernde Traumschleife ist, aber eine sehr lohnende. Beim Fünfseenblick kann man alle Fünfe gerade sein lassen, denn kann man ja eh nur vier “Seen” sehn. Und eigentlich ist doch die “Vier” das, worauf es ankommt, worauf wir alle hoffen: Auf den vierten Stern auf der Brust unserer Nationalmannschaft am Sonntag im Maracana.



Wie heißt der Bürgermeister von Oberwesel?

Geschrieben am um 9:07

Bin zuletzt auf dem Rheinburgenweg gewandert und sah kurz vor Oberwesel einen Skulpturenpark mit teils grausigen, teils unterirdischen, teils tollen und manchmal auch peinlichen Exponaten. Zur letzteren Kategorie gehörten mehrere „Troll“-Figuren wie diese hier, die unter dem Titel „Rheines Lust“ einen verkommenen Penner-Troll mit Flaschbier auf einer Parkbank darstellen soll.

 

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Schön fand ich, dass sich keiner zu diesem „Kunstwerk“ bekennen wollte. ‚Künstler unbekannt’ – sehr lustig, wie muss ich mir das vorstellen? Lagen die Troll-Kunstwerke wie Findelkinder am Straßenrand, keiner kennt die Eltern? Oder sind die Trolle von Beltracchi gefälscht worden? Sehr mysteriös.

Dann doch besser mit einer der schönsten Aussichten auf den Rhein (wenn man von den Rheingold-Traumschleife-Ausblicken absieht) im Günderrodehaus ein Bier trinken und einen Flammkuchen essen…

 

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… Danke Edgar Reitz, hätten Sie nicht Heimat 3 in Oberwesel in diesem fiktiven Günderrodehaus gedreht, gäbe es diesen lauschigen Ort gar nicht. Fiktion schlägt Realität, das ist KUNST!!!

 

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Wenn man in Oberwesel ist, ist man noch lange nicht am Bahnhof, sondern geht noch gefühlt kilometerlang an der Stadmauer von Oberwesel vorbei, die zweitlängste Mauer der Welt nach der chinesischen. Daher müsste auch die Werbetafel von Oberwesel etwas modernisiert werden:

 

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Erst mal wäre es schön, wenn man irgendwo noch ein „Ü“ entdecken würde, denn das hochgestellte Umlaut-“E“ von „Tuerme“ sieht doch etwas merkwürdig aus. Und dann müsste es heißen: Oberwesel: Stadt der Türme, der Heimat-Drei-Drehorte, des Weines, der Mauer und der hässlichen Troll-Kunstwerke.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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