Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Was war das für eine geile Wandertruppe!

Geschrieben am um 7:42

Zuletzt Kytta Wanderung in der Pfalz, echt geil. Super Wandertruppe, Super Wetter, Super Weg, Super Salbe. Wir wanderten auf dem Busenberger Holzschuhpfad südlich von Dahn im pfälzischen Felsenland.

 

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Holzschuhe deswegen, weil die Südpfalz lange ein Teil von Holland waren. Busenberger Gouda und Busenberger Tulpen sind von der pfälzischen Evolution hinweg gespült worden, nur der Holzschuh hängt noch immer im Wald am Nagel. Die meisten meiner pfälzischen Mitwanderer hatten allerdings schon Wanderschuhe aus Leder.

 

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Interessant, ganz Deutschland ist wiedervereinigt, aber beim Busenberger Handschuh- äh Holzschupfad gibt es noch Ost und West. Hoffentlich entwickelt sich der Westteil nicht separatistisch hin zum Saarland, das wäre für einen echten Pfälzer absolut nicht nachvollziehbar.

Und wie der Pfälzer so tickt, das konnte ich in der PWV-Hütte am Drachenfels (ich hatte vor dieser Wanderung immer gedacht, der höchste Berg der Holländer liege im Siebengebirge) ablesen: Des Pfälzer‘s Charakter:

 

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So ehrlich, schonungslos und offen wünschte man sich auch öfter mal die Selbstbeschreibung anderer Regionen.

Ich habe es immer wieder gesagt und geschrieben, dass die Pfälzer Wald Vereins-Hütten ganz speziell sind und ein Geschenk des Wandergotts an seine Schäfchen. In der Busenberger PWV-Hütte am Drachenfels ist Ernst der Chef, Ernst steht seit 50 Jahren jeden Mittwoch hinter der Theke der Hütte und gibt die Getränke aus. Als ich Ernst sah, dachte ich, ich hätte ihn schon einmal in irgendeinem Lucks-Luke-Comic gesehen, ich kann mich aber täuschen. Schöne Grüße, Ernst, ich komme bald wieder!

 

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Wanderer, kommst Du nach Sparta …

Geschrieben am um 9:45

Ich war in den Osterferien in Griechenland auf ausgedehnter Bildungsreise, fahre von Thessaloniki nach Athen und sehe an der Autobahnausfahrt einen Hinweis auf die Thermopylen. Da war doch was, 300 Spartaner gegen eine Million Perser (mindestens), martialischer Hollywood-Quatsch (gerade laufen die Sequals 301, 302, 501 und 4711). Ich also runter von der Autobahn und fahre zu den Thermopylen, wörtlich die heißen Quellen.

 

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Hübsch ist es dort, sehr idyllisch, Wasserfall, alles grün, bewaldete Berge, Pinien. Und es stinkt – extrem. Nach Großfurz, sprich Schwefel. Ein Grieche badet in den heißen Quellen, dann kommen noch ein, zwei Autos mit Badefreaks. In Deutschland würde man drumherum ein ganzes Kurbad aufbauen. Bad Thermopyl-Hausen.

 

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Dann einige hundert Meter weiter das Denkmal des Leonidas, dem unerschrockenen Heerführer der Spartaner. Ich mache sofort ein Selfie, das muss sein.

Wenn man sich den feinen Herr Leonidas genauer anschaut, ist der bis auf Speer und Schild – sozusagen also der Hut und Stock des Spartaners – total nackt. Auffallend ist bei diesen klassischen (oder auch pseudo-klassischen) Skulpturen, dass Penis und Skrotum immer auffallend klein sind, klassisch eben. Penisneid wurde eben erst später erfunden.

 

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Abends dann ein Bier aus Hellas im Ferienort Kamena Vourla. Schnell bringt es der Kellner, es ist eiskalt. Ein Bier wie eine ganze Nation. FIX.

Es geht aufwärts mit und in Griechenland, heiße Quellen und eiskaltes Bier (mit 32 Goldmedaillen auf Bierwettbewerben ausgezeichnet!): was will man mehr!

 

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Wander-Comedy-Fans-Wanderung auf dem Kölnpfad mit falschem Pilz

Geschrieben am um 8:00

Am 10. April durfte ich Premiere feiern: erstmals bin ich mit einer kleinen Wandertruppe direkt zu einem Auftritt meiner Wandershow marschiert. Nachdem mir klar geworden war, dass der Auftrittsort Eltzhof am Schloss Wahn DIREKT am Kölnpfad liegt, war der Plan geboren: Wir treffen uns um 15:00 an der Endhaltestelle der Linie 9 und wandern durch Königsforst und Wahner Heide bis zum Auftrittsort, dann ein paar Zwischenbiere und als Sahnehäubchen die Wandercomedy…

 


Die Wandertruppe war super drauf und sehr fit, ein Stundenschnitt von fünf Kilometer ist für eine 16-köpfige Gruppe mehr als ordentlich. Als Leitwolf auf diesem Bildausschnitt ist ein lieber Wanderfreund zu sehen, der auch ab und an Kommentare in diesem Blog postet, aber unter Pseudonym, welches ich an dieser Stelle natürlich keinesfalls lüften möchte.

Der hervorragende Schnitt wurde durch zwei Faktoren begünstigt: Zum einen waren einige Herren in der Wandertruppe ziemlich schnell ziemlich unterhopft. Hallo Markus, hallo Stephan! Die haben dann ziemlich am Horn gezogen. Zum zweiten ist der Kölnpfad generell und speziell zwischen Königsforst und Wahn topfflach, keine Steigungen, niederrheinische Tiefebene…

 


Nun ist der Kölnpfad, Rundweg um Köln, nicht der schönste Wanderweg des Rheinlands (zu laut, zu viel Asphalt, zu viele breite Wege), aber der Abschnitt zwischen Königsforst und Wahn hat doch einige hübsche Passagen zu bieten, am besten haben uns die netten Pfade im Grengeler Park gefallen, ein kleiner Weiher, ein nettes Bächlein. Und die beiden einheimischen Mitwandererinnen waren ganz stolz, ihren Grengeler Wetterpilz zu zeigen (Gruß an Wetterpilzexperte Klaus Herda, der auch in der Wandershow war!):

 


Aaaaber: wir mussten die Damen enttäuschen, das ist natürlich kein richtiger Wetterpilz, denn ein richtiger Wetterpilz hat nur EINEN Fuß, seit wann hat ein Pilz VIER Beine? Na also. Das Ding im Grengeler Park erinnerte eher an ein Monster aus dem Krieg der Welten, einen Kampfpilz auf vier Beinen.

 

Apropos Kampfpilz. (ganz weit oben auf der Liste der absolut sinnfreien Überleitungen): Besucht doch bitte mal den Blog meines Sponsors:

 

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Die Traumschleife Ehrbachklamm

Geschrieben am um 15:00

 

Der Start der Traumschleife ist toll, keine Frage. Es geht los im Bopparder Ortsteil Oppenhausen, von dem eingefleischte Bopparder unten am Rhein sagen, das das nicht so richtig Boppard wäre, eher volle Pulle Hunsrück, aber das sollen die Oppenhausener und die Bopparder am Rhein unter sich ausmachen. Es geht durch Felder, der Raps blüht knallgelb, Blicke hinüber in die Eifel bis zur Hohen Acht, vorbei an einem Jugendzeltplatz, ein spektakulärer Felsen (die Beulslay), ja, das ist alles ganz toll, aber dann wird die Traumschleife einfach nur super, super, super, denn dann geht es hinein in die Ehrbachklamm.

 


Ich lege mich da mal fest: Die Ehrbachklamm ist definitiv die schönste, wildeste, romantischste Klamm in den deutschen Mittelgebirgen. Versucht mich da mal vom Gegenteil zu überzeugen, das wird aber schwierig! Keinen Weg bin ich in meinem Leben öfter gewandert. Man wandert über Stock und Stein, manchmal helfen Brücken, Seile und kleine Leitern bei der Wanderung auf dem schmalen Pfad, manchmal nicht.

 


Der BBB (BBB steht für Bopparder Bürgermeister Bersch) ist auf vorstehendem Foto zu sehen, wie er glücklich eine kleine Leiter überwindet. Ich habe bis heute nicht verstanden, ob der BBB durch sein knallrotes Hemd etwas über seine Parteizugehörigkeit verraten will, muss ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Der BBB wies mich aber auf ein Schild in der Mitte der Klamm hin.

 


Die Ehrentafel erinnerte an den Erfinder der Ehrbachklamm, Herrn Francke. Für die Hunsrücker Bauern war die Klamm immer uninteressant gewesen, weil wirtschaftlich nicht nutzbar – zu eng für Mühlenbetrieb, zu felsig für den Holzabtransport. So blieb es den bildungsbürgerlichen (Apotheker!) Wandervögeln überlassen, die Ehrbachklamm wandertouristisch zu erschließen. Danke Herr Francke! Und: Save the date – tragt Euch schon mal 2021 in Euren Terminkalender ein, da wird die große 100-Jahr-Sause in der Klamm gefeiert.

Dann kamen wir zur Daubisberger Mühle und kehrten zünftig ein. Man sollte sich aber bloß nicht auf den Platz der Mühlenwirtin setzen:

 


Der ist reserviert. Frau Gertrud scheint in direkter Linie von der Prinzessin auf der Erbse abzustammen, darauf weisen die viele Kissen hin, die sie benötigt, um auf ihrem Stuhl zu sitzen. Das Tolle ist, es gibt zwei von diesen reservierten Stühlen mit exakt der gleichen Kissenanzahl! Sicher ist sicher. Frau Gertrud fragte den BBB, wie man denn die Lügen, die über sie und die Mühle im Internet stehen, wieder aus diesem Internet herauskriegt. Schwierig, schwierig, das wissen wir alle. Also verkünde ich jetzt hier und heute in meinem Blog, der ja auch quasi ziemlich im Internet ist, dass es in der Daubisberger Mühle keine Forellen mehr gibt wegen ist nicht. Okay? Setzen! Aber nicht auf Tante Gertruds Stuhl!

Dann war aber schnell Schluss mit Klamm und lustig, dann ging es hinauf aus dem Tal.

 


Durch ein traumhaftes Seitental hinauf zum Schloss Schöneck. Und weiter kommen Highlight nach Highlight: Wiesenwege und Feldwege unterhalb von Hübingen, das Waldecho, da kommt es so aus dem Wald zurück, wie man hereinruft. Der Steinerne Hund, die Peterslay, die Teufelskanzel, alles herausragende Felsen mit phantastischen Aussichten.

 


Auf der Teufelskanzel habe ich mich dann zügig in eine Caspar-David-Friedrich-Wanderer-über-dem-Felsenmeer-Pose geworfen und in dieser affektierten Körperhaltung die trutzigen Überreste der Burg Rauschenberg betrachtet. Eine Burg, die der legendäre Burgenbauer Balduin, Erzbischof von Trier, oberhalb der Ehrbachklamm bauen ließ, um die Schöneck und die Ehrenburg zu unterwerfen. Was ihm auch gelang, und das führte im Endeffekt dazu – so der geschichtliche Exkurs des BBB – dass Deutschland ein föderalistischer, kein zentralistischer Staat wie Frankreich wurde. So wurden im Tal des Ehrbachs riesige Pflöcke der deutschen Geschichte eingeschlagen.

 

 

Zum Schluss gab es noch ein Belohnungsbier in der Oppenhauser Gaststätte „Tenne“. Der BBB hat einen ausgegeben. Herrlich eiskaltes Weizenbier belebte die erschöpften Wanderkörper. Das Bier schmeckte nicht nur gut weil es erstens eiskalt und zweitens für umme war, sondern weil drittens die Gaststätte an ihrem Ruhetag extra für uns geöffnet hatte. Ein Hoch auf Oppenhausen und die Traumschleife Ehrbachklamm!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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