Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Drei Dinge braucht der Wanderer: Stempelzange, Notrufsäule, Zahnbürste

Geschrieben am um 7:41

Viele denken, der gemeine Wanderer würde nur drei Dinge benötigen: Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock. Falsch, falsch, falsch!!! Wanderhut ist mega-out, Wanderstock noch outerer, und Damenunterröcke zieht man doch nicht zum Wandern an, sondern wenn man als Mann vor’m Spiegel mal wieder Weiberfummel anlegen will.

Nein, zunächst einmal braucht jeder Wanderer eine Stempelzange, damit er in seinem Wanderbüchlein zum Beweis seines Wanderschaffens die entsprechende Felder abstempeln kann. Auf dem Viaduktweg rund um Altenbeken sah ich diese Stempelzange, an Station V. V wie Viadukt, V wie Victory, V wie Fünf. Da ich kein Viadukt-Stempelheft bei mir hatte, habe ich mir die Ohrläppchen mit dem Ding gepierced.

 


Sehr praktisch fand ich auch die orangene Notrufsäule am Rande des Neanderlandsteigs. Pedanten würden sagen, die gehört doch zu parallel verlaufenden A 52 und nicht zum Wanderweg, aber ich finde es sehr schön, auch beim Wandern endlich eine Notrufmöglichkeit zu haben. Holen sie mich ab, ich habe mir ein Blase gelaufen, mein Schnürsenkel ist offen, ich bin total unterhopft!!!

 

 

Und dann habe ich unterhalb der Burg Teck in der Nähe von Owen ein ganz entscheidendes Reiseuntensil genießen: die Zahnbürste. Wer kennt es nicht, wenn die Zunge über den pelzigen Belag auf den Schneidezähnen gleitet. Dann ist man doch froh, wenn da einfach so eine Zahnbürste in der Landschaft steht. Das sind wirklich die Dinge, die ein Wanderer braucht!!!

 



Die Traumschleife Mittelrhein Klettersteig

Geschrieben am um 6:36

 

Anfang April war ich auf der Traumschleife Mittelrhein Klettersteig unterwegs. Ein Schwergewicht unter den deutschen Premiumwegen: 86 Punkten vom Deutschen Wabnderinstitut, das ist mal eine Ansage, das ist ein Brett. Erst mal überraschend: Nur 5,1 Kilometer, das wandert man ja in flacherem Geläuf auf der linken Backe in einer knappen Stunde ab. Nicht so beim Mittelrhein Klettersteig, da geht es (fast) nur hinauf und hinter auf schmalen Pfaden, das dauert seine Zeit…

 


… mit Einkehr und einigen Verschnauf-und-Rheinblick-Pausen war ich insgesamt drei Stunden unterwegs. Das Interessante an dieser Traumschleife ist: Es gibt eine wandersportliche und eine klettersportliche Variante. Man kann also ganz „normal“ seine Runde wandern, oder sich für die halsbrecherische Variante entscheiden. Ich habe mir das mal angeguckt…

 


… und dann eingedenk meines Watzmann-Abenteuers entschieden – äh, neeeeiiin. Klar ist es , dass die Traumschleife, wie sich das für einen Premiumweg gehört, optimal und unverlaufbar gekennzeichnet ist. Die Gemeinde hat sogar weder Mühen geschweige denn Kosten gescheut, an besonders unübersichtlichen Stellen lebende Wegweiser aufzustellen. Vorbildlich!!!

 

 

In der Nähe des Engbachtals gibt es eine Wegstelle, wo man (noch) je nach Windrichtung am Besten mit Nasenklammern wandert, denn es geht an der Kläranlage von Boppard entlang, das ist oben rechts im Bild das runde Ding…

 

 

… „noch“ heißt, dass die Anlage bald stillgelegt wird, weil die Abwässer in Zukunft im Nachbarort „Bad Salzig“ geklärt werden. Eine lokale Karnevals-Combo dichtete daraufhin auf die Meldodie von „Mer losse den Dom in Kölle“: „Wir schicken die Scheiße nach Salzig, denn do jehört se hin!“. Das führte zu einem lebenslangen Auftrittsverbot der karnevalistischen Spaßmacher.

Damit man nach dem dreissigsten traumhaften Blick auf Vater Rhein auch WIRKLICH begreift, dass es sich um eine BILDschöne Landschaft handelt, durch die wir da wandern, hat man einen Bilderrahmen vor das Panorama mit der Weinlage „Bopparder Hamm“ platziert. Da können dann alle im Chor ausrufen: „Da hammer einen Hammer-Hamm-Blick gehabt!“

Eine weiteren Hammer-Blick gibt es wenig später am Gedeonseck. Dort stürzen sich lebensmüde Zeitgenossen mit Paraglidern in die Tiefe, nun ja, jedem sein Hobby. Dass das Gedeonseck nicht Gedeonsblick heißt, könnte an dem schrecklichen Gemälde liegen, dass den guten Gedeon hoch zu Ross zeigt.

 


Wenn Sie einem Menschen übelwollen, Schwiegermutter, Chef oder so, dann schenken Sie ihm doch ein exklusives Porträt des Gedeon-Künstlers, der Porträtierte wird nie mehr ein Wort mit Ihnen wechseln. Zwischen dem Gedeonseck und der Seilbahnbergstation entdeckte ich dieses wunderbare Schild …

 

 

… das muss man natürlich erklären, das mit dem Vierseenblick und auch das mit dem „2.Restaurant“: „2.Restaurant“ bedeutet nicht, dass etwa das erste Restaurant besser wäre, sondern, dass erst noch das Restaurant am Gedeonseck kommt, und dann, danach als zweites Restaurant, als übernächstes Restaurant sozusagen, das Restaurant am Vierseenblick. Vom Viersseenblick war ich etwas enttäuscht. Ich hatte gedacht, dass man von dort mindestens Bodensee, Laacher See, die Ostsee und den Baikalsee sehen könnte. Pustekuchen! Nur mühsam und schonend konnte ich die einheimischen Mitwanderer davon überzeugen, dass stets nur und ausschließlich Abschnitte von Vater Rhein zu sehen waren. Und das ist doch ein FLUSS und kein SEE, geschweige denn VIER SEEN!

Ach ja, am Montag nach den Osterferien, den 28. April, wandere ich meine nächste Traumschleife in der Gemeinde Boppard, die Ehrbachklamm. Jeder der mitmöchte, kann mitmachen, Treffpunkt ist um 11.00 am Wanderparkplatz in Oppenhausen.



Betrifft: Die Wanderfreunde aus Oberboihingen – Nachtrag für die Loseblattsammlung

Geschrieben am um 9:07

Vielleicht erinnern sich die Älteren noch an ein Fossil der analogen Zeiten: Die Loseblattsammlung. Gerne wurde sie genutzt bei Nachschlagewerken, die sich laufend ergänzen – zum Beispiel bei Gesetzestexten. Da wurden dann die losen Blätter des neuen Textes zu den schon vorhandenen geheftet, ein äußerst praktisches Verfahren.

Ich habe heute auch einen Ergänzungstext zum Kapitel „Von Frühlingsplatterbsen und Wanderhandtüchern – Unterwegs mit dem Wanderverein Oberboihingen“. Ihr müsst nur den Text und die Fotos dieses Blogbeitrags ausdrucken und zwischen die Seiten 364 und 365 in meine Gesammelten Wanderabenteuer heften, so einfach ist das.

Es begab sich nämlich Ende Februar, dass ich mit dem Schwäbischen Albverein gewandert bin. Allerdings hatte nicht die Ortsgruppe Oberboihingen, sondern die Ortsgruppe Owen eingeladen, die 2014 ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Aber die Freunde aus Oberboihingen waren zahlreich zum „Auswärtsspiel“ unterhalb der Burg Teck angereist. Und so kam ich in den Genuss, wieder Martin zu begegnen, den Frühlingsplatterbsen- und Fünf-Bier-sind-ein-Schnitzel-und-dann-hast-Du-noch-nichts-getrunken-Experten. Nun ist die Vegetation an der Albtrauf trotz milden Winters Ende Februar nicht gerade üppig gewesen. Aber Martin zeigte mir den Stinkenden Nießwurz.

 


Zunächst dachte ich, dass er mich mal wieder auf den Arm nehmen würde, aber nein, diese Gewächs heißt tatsächlich so. Wir haben dann ein Exemplar gepflückt (War das verboten? – Nein; zu „Bestimmungszwecken“ darf man das machen) und dem Stink-Test unterzogen. Nun ja, da kenne ich aber mindestens fünf Körpergerüche von lieben Mitmenschen, die grausamer sind. Das war eher ein dezent riechender Nießwurz.

 

 

Dann wanderten wir an einer merkwürdigen Baumgruppe vorbei, der Owener sagt dazu „Unter den Linden“ – Großstadtflair unterhalb der Teck. Hintergrund dieser Baumgruppierung ist aber, dass sie im Hochsommer Schatten für Herde und Schäfer bietet, großartige Einrichtung!

 

 

Zum zünftigen Abschluss der Wanderung kehrten wir dann noch ein. Im Gasthaus Zum Adler. Da habe ich wieder etwas gelernt: Wenn der Blumenstrauss des Albvereins die Hauswand der Gaststätte ziert, wie das beim Gasthaus Zum Adler der Fall war, dann darf man nach alter Väter Sitte sein Essen selber mitbringen, die Getränke aber beim Wirt bestellen. Eine schöne Sitte aus den analogen Zeiten der Loseblattsammlung!



Die Traumschleife Elfenlay

Geschrieben am um 16:04

 

In Boppard am Mittelrhein tut sich Traumhaftes für alle Wanderer: 2014 wird Wanderdeutschland um sechs Premiumwege reicher – In der Gemeinde Boppard kann man an Rhein und Hunsrück herausragend schön wandern. Ich werde über diese neuen Traumschleifen in den nächsten Monaten in lockerer Folge berichten.

Am vergangenen Sonntag wurde feierlich die Traumschleife “Elfenlay” eröffnet. Der 30. März ist ein sehr mutiger Termin für eine Wanderweg-Eröffnung im deutschen Mittelgebirge, bewegte sich doch die Temperatur im Jahre 2013 um den Gefrierpunkt. Aber 2014 sieht das alles viel besser aus, und so stiefelten mehr als 200 Wandersüchtige die schmalen Pfade hinauf zur Elfenlay.

 


Der namensgebende Lay = Fels war relativ schnell erreicht und alle Mitwanderer wurden mit atemraubenden Blicken über die größte Rheinschleife der Welt belohnt. Meine Kamera hätte eine Breitwand-Cinemascope-Funktion gebraucht, um das Spektakel korrekt abzubilden, na ja, da müsst ihr dann mal selber hinwandern, um das komplette Panorama zu genießen. Ich dachte, da haben wir ja eine schöne Höhe erreicht, so kann es weiter Richtung Hunsrück gehen, aber dann ging es wieder hinunter ins Mühltal auf einen wunderbaren Weg, den Kronprinzenpfad am Mühlbach

 


Das ist eine schöne Geschichte, denn 1904, in dem Jahr, als ein Fußballverein in Gelsenkirchen gegründet wurde, der Name ist mir gerade entfallen, 1904 also fanden die Bopparder, Mensch, unser Pfad soll nicht Trampelpfad oder Mühltalpfad heißen, sondern einen majestätischen Klang haben. Also fragte man hochoffiziell beim Kaiserhaus in Berlin nach, ob der Kronprinz als Pate bereit stünde. Das wurde huldvoll gewährt, und bis heute muss der arme Kronprinz im Mühltal herum geistern, denn er wartet immer noch darauf, Kaiser zu werden, es war ihm bis heute nicht gegönnt.

 


Dann ging es auf dem Elfenlay-Weg wieder steil bergan und auf einem Bergsporn die nächste Überraschung: Ein Schild mit dem Fahrplan der Hunsrückbahn. Klar, man will ja nicht den Zug verpassen, aber auf dem Felsen war weit und breit kein Bahnhof und kein Haltepunkt zu sehen. Dieser Fahrplan ist ein Hinweis auf alle Trainspotter, die nicht verpassen wollen, wie der Zug sich die 328 Höhenmeter von Boppard am Rhein hinauf nach Buchholz im Hunsrück wuchtet.

 

 

Ich hatte Glück, dass eine Hunsrückbahn genau in dem Moment kam, als ich einen perfekten Blick auf den Hubertusviadukt (überall Wanderwege mit Viadukten, erst Altenbeken, dann Boppard!) hatte. Ein majestätischer Anblick, wie dieser lange Lindwurm über die Golden gate Bridge von Boppard gleitet. Der Zugführer hupte noch zweimal, nicht um auf eine Gefahrenstelle hinzuweisen, sondern damit alle auch brav hinschauten und winkten. Zugführer der Hunsrückbahn sind eben auch eitle Menschen und wollen beachtet werden.

Inzwischen hatte ich den größten Teil der Höhenmeter der Traumschleife hinter mich gebracht, und genau auf der Hälfte des Premiumwegs, bei Kilometer 5,2 (nur für die Mathematiker unter uns, die Elfenlay ist exakt 10,4 Kilometer lang), genau bei der Hälfte steht Liesenfelds Hütte. Das ist eine (normalerweise) nicht bewirtschaftete Hütte, wegen der festlichen Eröffnung wurden aber diverse Kaltgetränke angeboten.

 

 

Ich nahm mir ein regionales Bier aus der Stubbi-Flasche, ein Pils von der Koblenzer Brauerei am Königsbach, so viel Werbung muss sein. Das Bier bewahrte mich vor der schlimmsten Unterhopfung. Und weiter ging es über zumeist schmale Pfade durch die Wälder des Hunsrücks, bis der nächste Premiumblick auf den Rhein am Sabelsköpfchen erreicht war.

 

 

So, jetzt kann ich mal zeigen, wie die Rheinschleife weitergeht, man muss also nur das erste und das letzte Bild dieses Blogs zusammen kleben, schon hat man das schönste Bopparder Rheinpanorama. Das allergeilste an dem Tag auf der Elfenlay war aber, als wir in netter Runde im Lokal Schoppenstecher bei Schoppen, Hausmacherschlachtplatte und Rührei (mit und auf Sonderwunsch auch ohne Speck) saßen, dass die Kunde vom 1:0 Sieg der Kölner in München die Runde machte. Endlich hatte mal ein vernünftiger Fußballverein gegen die Bayern gewonnen, also diese Bayern von 1860 München. So wurde der Tag auf der Traumschleife Elfenlay zu einem der schönsten Tage in meinem Leben.


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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