Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wenn das der Martin noch erlebt hätte…

Geschrieben am um 9:23

Ich bin im Herbst den Lutherweg gewandert, gestartet bin ich im Lutherstammort Möhra. Stammort heißt nicht, dass da der Martin je gelebt hätte oder zumindest geboren worden wäre. Nein, sein Vater und seine Vorfahren, die haben in Möhra gelebt. Das ist so, als würde die Hansestadt “Merkelstammort Hamburg” heißen. Eigentlich gar nicht so schlecht, die Idee.

 

Aber was entdecke ich in Möhra: Zunächst eine protestantische Kirche, so weit, so normal. Aber kurz danach ein weiteres sprirituelles Zentrum, das buddhistische Dharma-Zentrum

 

 

Da kann man wahrscheinlich die ganze Seele und den Körper noch dazu mal so richtig Dharmamäßig durchspülen, Dharmaspiegelung sozusagen. Wenn das der Martin noch erlebt hätte…

 

 

Ebenfalls total dharmamäßig – aber auch irgendwie ziemlich reformativ – war der Typ drauf, der direkt unterhalb der Wartburg wie ein thüringischer Yogi halsbrecherisch auf einem Ast in vier Meter Höhe im Schneidersitz hockte. Die Augen geschlossen, voll auf dem Wartburg-Trip, und er hat nix von allem drum und dran mitbekommen, weil er sich Ohrstöpsel reingefriemelt hatte.

 

 

Aber das abgefahrenste buddhistisch-hinduistisch-protestantische Friedenssymbol entdeckte ich auf der Wartburg selber. Ich meine, kitschiger geht’s doch nicht, weiße Taube vor Kanonenrohr, eine heilige Zweifaltigkeit. Der Thüringer Wald ist definitiv das spiritistische Zentrum der Welt. Große Klasse!



Das Wollexperiment

Geschrieben am um 7:21

Eigentlich wissen wir viel zu wenig über uns und unsere Körperfunktionen. Selbst die NSA weiß wahrscheinlich nicht viel mehr über Angela Merkel als ihren Beziehungsstatus bei Facebook. Ich wollte mithelfen, das zu ändern. Also habe ich an dem großen WOLLEXPERIMENT der Firma Hess Natur teilgenommen. Zwanzig Freiwillige wurden gebeten, bei einer halbwegs schweißtreibenden Wandertour auf dem Rheinsteig zu testen, wie schweißabsorbierend/schweißtransportierend ein Woll-Shirt im Gegensatz zu einem Acrylshirt ist. Letzteres transportiert ja bekannterweise den Schweiß aus den Klamotten wieder zurück in die Erdatmosphäre.

 

 

Um das Exeperiment, begleitet von der Universität Graz, durchführen zu können, musste man sich ein Messgerät in die Haut implantieren lassen, eine Art ewiges Piercing im Dienste der Wissenschaft. Das Ding wurde mit einem riesigen Tacker in die Nähe des Solar Plexus eingeschossen und liefert nun sekundengenau meine Schweißabsonderungen an die Uni Graz.

 

 

Aber natürlich musste auch ab und an, vor allem nach größeren Anstiegen auf dem Rheinsteig, der Puls gemessen werden. Wenn eine größere Gruppe kollektiv sich auf den eigenen Pulsschlag konzentriert, hat das etwas Spirituelles – die Blicke sind entrückt, die Gesichtszüge entgleisen, alle befinden sich im Puls-Nirvana.

 

 

Das Problem dieser Wandertour am ersten Oktober-Wochenende war allerdings, dass es am ersten Wandertag Hund und Katzen regnete. Daran konnte auch die Gaststätte “Zur Sonne” nichts ändern. Und bezüglich des Woll-Experiment musste man das feststellen, dass regennasse Wollshirts wesentlich langsamer austrocknen. Aber vielleicht lag das auch daran, dass die hessischen Weinspezialitäte im Kloster Eberbach die Austrocknung doch erheblich verzögert haben.

 



Kippenberger: Alkoholfolter

Geschrieben am um 9:56

Heute mal kurz etwas zum Thema Kunstmarkt und Heimatkunde. In der aktuellen ZEIT vom 28.11. las ich einen Artikel von Nina Pauer mit dem Titel „Wir nennen es Bier“. Berichtet wurde über ein Readymade des genialen Martin Kippenberger, von Freunden, Sammlern und Pseudo-Kennern auch zärtlich Kippi genannt.

 

 

Wir sehen eine Dose Schlösser Alt vor Einführung des Dosenpfands in einem Plastikgebinde, anscheinend handelt es sich um die letzte Dose Bier, die anderen sind weg, leer, getrunken.

Das Kunstwerk von 1989 ist aktuell beim Auktionshaus Van Ham zu ersteigern, Schätzpreis 1.800 bis 2.400 Euro. Nur Kunstbanausen und alkoholabstinente Spaßbremsen können das überteuert finden. Alleine der geniale Titel ALKOHOLFOLTER ist das Geld wert.

Nun eiert Frau Pauer in dem Artikel herum, diesem Titel Bedeutung zu schenken: Warum nur „Alkoholfolter“, rätselt sie so vor sich hin. Ist es eine „humoristische Arbeit zur kleinbürgerlichen Lebenswelt“? Oder ist „das Dosenbier die Antithese zur Schankstube, mit ihm ist man sofort sehr allein“? Hübsch formuliert, aber haarscharf daneben. Oder, mutmaßt Frau Pauer, ist „es ein kritisches Selbstbildnis von Kippenberger über seine eigene Neigung zum Alkohol“? Nun, da kommen wir der Sache schon näher. Aber Kippi war ja nicht nur Künstler und Trinker, sondern auch KÖLNER! Und für den Kölner besteht die Folter nicht darin, dass Dosenbier einsam macht oder leider nur noch eine Dose des Sechsergebindes übrig ist, sondern die ALKOHOLFOLTER besteht natürlich eindeutig darin, dass in der Dose ALTBIER abgefüllt wurde, und dann auch noch SCHLÖSSER ALT. Das ist wahre ALKOHOLFOLTER! Amnesty International, übernehmen Sie!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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