Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Don Manolo, der Porro, die Caganers und die Maggi-Flasche

Geschrieben am um 9:29

Vor einigen Tagen war ich, wie jedes Jahr Ende Oktober (der Werbeblock kommt am Schluss des Blogs!!!) mit Anton Götten Reisen an der Costa Brava zum Wandern. Das war zum Wandersaisonabschluss noch mal richtig tolles Wetter, spektakuläre Touren – und einige kulinarische Überraschungen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass sich bei dem alten Don Manolo so überzeugend die spanischen Gene bemerkbar machen, dass er zügig aus der Original katalonischen Porro den Wein trinken konnte. Und der Strahl verschwand passgenau im Schlund, großartig

 

 

Die peinliche Serviette, die ich wegen Klecker-Angst umgebunden hatte, war eigentlich überflüssig gewesen. Auf meiner ersten Wandertour überraschte uns das Team von Anton Götten mit einem Tischlein-Deck-Dich-Picknick im Kiefernwald. Wein, Käse, Brot, Wurst, Oliven – und, es handelt sich eindeutig um ein saarländisches Reiseunternehmen: Eine Flasche Maggi

 

 

Wanderführer Jaume, der alte Katalane, machte uns auf eine Köstlichkeit am Wegesrand aufmerksam: Die Madrono, eine Walderdbeere, die in Spanien auch den Beinamen hat: Iss-nur-eine. Denn wenn man die Frucht zu üppig genießt, droht akuter Flotter Otto.

 

 

Zum Thema Verdauung kann der Katalane eine hübsche Figur beisteuern: Den Caganer, frei übersetzt: Der Kacker. Der Caganer darf sein ordinäres Geschäft sogar als Krippenfigur neben dem Jesuskind verrichten, ist das zu glauben? Und dieses unzivilisierte Volk will selbstständig werden, unfassbar. In einem Andenkengeschäft sah ich Caganers-Figuren für jeden Geschmack (also keinen) und Anlass.

 

 

Ach ja, jetzt kommt natürlich noch der Werbeblock. Wenn Ihr nächstes Jahr mit mir an der Costa Brava wandern wollt, könnt ihr eine Costa-Brava-Wanderreise bei Götten buchen, zwischen dem 20. Und 28. Oktober 2014. Und dann können wir beim Picknick gemeinsam mit der Maggi-Flasche anstoßen und uns den Wein aus der Porro-Karaffe geben. Ich freu mich schon drauf.



Ahrquellenhausen und Qualitätspfade

Geschrieben am um 6:35

 

Einen der absoluten Höhepunkte des Ahrsteigs erlebt man an Kilometer Null des neuen Weitwanderwegs: Die Ahrquelle. In den traumhaft romantische Gassen des Eifelstädtchens Blankenheim geht man in eine Sackgasse und dann ist sie nicht zu verfehlen – Die Quelle der Ahr, eingefasst in eine Steinmauer. Es ist ungewöhnlich, dass sich eine Quelle mitten in einem Ort befindet. Normalerweise findet man Quellgebiete eher in unwegsamen Gebirgsregionen. In Blankenheim scheint es allerdings so, als ob der ganze Ort rund um die Quelle entstanden wäre. Korrekterweise müsste die kleine Stadt dann aber eigentlich Ahrquellenheim oder Ahrquellenhausen heißen.

 

 

Ich stehe ja total auf geheimnisvolle, volkstümliche Gedichte wie dieses an der Ahrquelle:

 

Aus jähem Felsen silberhell

Entspringt die Ahr in vierfachem Quell

Durch Wiesen hinab, von Wäldern gekühlt

Zu Bergen voll Reben mit funkelndem Wein

Grüss Welle, in der die Forelle gespielt

Uns Altenahr Du und den Vater Rhein.

 

Wir lernen: Es gibt eigentlich vier Quellen. Es stellen sich aber auch Fragen: Rätselhaft ist beispielsweise, warum die Spielerei der Forellen in der Vergangenheitsform gehalten ist, wahrscheinlich ist davon auszugehen, dass die Ahr forellenfrei ist. Und warum wird nur Altenahr gegrüßt und nicht Schuld, Adenau, Ahrbrück, oder Bad Neuenahr? Hä, hallo? Voll ungerecht!

 

Der Ahrsteig ist ja jüngst als Qualitätsweg vom Deutschen Wanderverband zertifiziert worden. Für höchste Qualität spricht, dass man zwar auf der ersten Etappe fast drei Kilometer auf einem asphaltiertem Radweg wandert, aber immerhin ist die linke Seite als schmaler Asphaltpfad gekennzeichnet. Schmaler Pfad = Höchster Wandergenuss, diese Rechnung geht voll auf.



Mönch im Nebelmeer

Geschrieben am um 7:33

Unlängst hatte ich wieder einmal das Vergnügen, in der Sächsischen Schweiz zu wandern. Über ganz Deutschland lachte an diesem meinem Wandertag die Sonne, nur nicht über dem östlichen Sachsen. Der Grund: Natürlich wirkt das geniale Felsenensemble des Elbsandsteingebirges nur wirklich Caspar-David-Friedricheresk, wenn sich die Nebelschwaden im Felsenmeer ergießen. Wie hier am Mönch in der Nähe der Bastei.

 

 

Apropos ergießen. In der Amselfall-BAUDE – „Baude“, so heißt die Einkehrmöglichkeit in Sachsen, in anderen Regionen nennt man so was Hütte oder Kneipe, in Sachsen ist es die BAUDE – am Amselfall also ergoss sich nicht nur der Wasserfall in ein kleines Wasserbecken, sondern auch das ein oder andere Bier in die weit geöffneten, durstigen Wanderer-Kehlen. Es ist ratsam, an der Amselfallbaude immer Kleingeld parat zu haben. Für 30 Cent zieht der Wirt an der großen Schnur und dann geht der Wasserfall so richtig ab, ein Wasser-Kraft-Werk gewissermaßen. Und auch ein 20-Cent-Stück sollte man immer mit sich führen. Die Leser meines letzten Buchs „Das Neue Wandern“ (das erscheint, das mal nur so nebenbei, im Doppelpack mit meinem ersten Wanderknaller „Du musst Wandern“ im Dezember bei Malik in der National Geographic-Reihe mit einem endgeilen neuen Vorwort, aber das nur so nebenbei…) werden sich an die Toilette von Kloster Beuron erinnern, für die man DREI ZEHN CENT STÜCKE braucht – um von innen die Türe des Locus zu verriegeln. In der Amselfallbaude braucht man EIN ZWANZIG CENT STÜCK, um die Tür des WCs überhaupt erst zu öffnen. Merke: Wer wandert, tut immer gut daran, genug Kleingeld dabei zu haben, Wandermünzen sozusagen, ihr wisst, ja, Taler, Taler, Du muss wandern. Apropos, „Du musst Wandern„, hatte ich schon erwähnt, dass im Dezember – ach so, hatte ich schon, dann ist ja gut…



Von Wandervögeln und Schnapsdrosseln

Geschrieben am um 12:36

 

Der Durst so mancher Wanderer ist legendär. Der Einkehrschoppen, der Gipfelschnaps, das Belohnungsbier, da wird so mancher Wandervogel zur Schnapsdrossel. Daher ist das Verbots- und Hinweisschild, das ich in der Sächsischen Schweiz sah, nur recht und billig. Man sollte also als trinkfreudiger Wanderfreund immer ein paar Pfennigstücke in petto haben, am besten DDR-Währung, ich weiß nämlich nicht, ob die sächsische Wanderpolizei schnöden Euro-Cent-Mammon akzeptiert.

 

 

In der Pfalz kennt man auf jeden Fall keinen Trinker-Obulus, im Gegenteil, die füllen ihre Weinschorle immer in diese Halblitereimer ab und dann hoch die Tassen. Schon mein Großvater, der alte Held der Ardennen, wusste: „Viel hilft viel“

 

 

Und dann könnte man angesichts des legendären Schierker Feuersteins denken, dass ich mal wieder am Brocken gewandert bin. Falsch! Ein nordrhein-westfälischer Wanderfreund drückte mir und den Umstehenden bei der letzten Eröffnung des Neanderlandsteigs von Gruiten nach Düssel in eben diesem Düssel (ja, ja, es gibt auch einen Ort der heißt Düssel, ohne DORF!!!) der drückte uns also den kleinen Schierker Beschleuniger in die Hand und weg war er. Nicht der wanderer, der Schnaps. Da frag ich mich grad, ob Andrack-Blog-Intimus Markazero, der neben mir am Etappenziel in Düssel fröhlich dunkles fränkisches Bier zischte, auch einen Feuerstein abbekommen hat? Wäre schade, wenn nicht.

 

 

Was hat nun diese ganze Sauferei verdammt noch mal mit unserem Wandersport zu tun? Hm, ehrlich gesagt: Nichts. Und die Burg Eltz ist eh so schön, die muss man sich eigentlich nicht schön saufen. Aber was soll‘s, Watt mutt, dat mutt. Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken! Prost!!!


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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