Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Die Eröffnungen des Neanderlandsteigs

Geschrieben am um 7:57

Ich habe ja jetzt länger nicht über den Neanderlandsteig berichtet, den Rundwanderweg rund um den Kreis Mettmann. Aber langsam wird es ernst: In einem Monat, am 23. Juni, wird der Steig eröffnet, die Eröffnungswanderung gibt es auf der Etappe von Neviges nach Nordrath, ich werde natürlich mitwandern, das ist doch Ehrensache. Und diese Eröffnung ist nur die Eröffnung einer ganzen Kaskade von Eröffnungen des Neanderlandsteigs, alleine in diesem Jahr wandere ich noch auf weiteren drei Etappen!

 

 

Auf dem Nenanderlandsteig könnt ihr dann auch diesen Seeblick genießen. Ohne das Schild würde es wahrscheinlich keinem auffallen, dass man dort auf einen See blicken kann. Wie leicht wird ein See mit einer Wiese oder einem Wald verwechselt, aber dann hätte dort auf dem hölzernen Schild eben Wald- und Wiesenblick gestanden. Das Foto habe ich übrigens auf der Etappe von Erkrath nach Hilden-Hülsen gemacht, am Elbsee. Der Elbsee ist nicht zu verwechseln mit der Außenalster.

 

 

In der Nähe des Elbsees bin ich an einem Bauernhof vorbeiwandert, der eine Tankstelle für Milch anbietet. Kein verspäteter April-Scherz, fast direkt aus dem Euter kann man sich die frische Milch mitnehmen. Jetzt werden viele Wanderer einwenden: “Ich trage meistens keine Milchkanne mit mir herum, soll ich die Milch mit der hohlen Hand zapfen?”

Auch für das Trinkgefäß ist gesorgt, auf dem Holtenhof, an einem Automat neben der Milchtankstelle kann man sich mit Milchglasflaschen versorgen. Und wenn man keine Eier hat…

 

 

… zieht man sich eben welche im Eierautomat. Wie Olli Kahn schon sagte: “Wir brauchen mehr Eier!!!”



Modewandern über gespurte Strecken

Geschrieben am um 8:55

Vorletzten Sonntag las ich im Reiseteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Erfahrungsbericht des Autoren Herrn Winter. Herr Winter hat in einer Bergwanderschule das Wandern gelernt, darüber berichtet er. Herr Winter musste als erste lektion der Bergwanderschule etwas sehr sehr Schweres machen: Einen Rucksack anziehen! Das war das erste Mal im Leben von Herrn Winter, dass er einen Rucksack schulten musste und er empfand dieses “erste Mal” als “Lebensabstieg”.

In der Vergangenheit konnte der Wanderboom den Herrn Winter nicht reizen. In diesem Zusammenhang hat Herr Winter einen tollen Satz zu Papier gebracht:

 

 

Das “Modewandern über gespurte und prämierte Strecken”, großartig, danke Herr Winter. Jetzt weiß ich endlich, warum auf ALLEN Premiumwegen in Deutschland immer diese zwei Rillen in die Erde gefräst sind, die Wege sind gespurt! Jetzt hat es Klick bei mir gemacht.

Unter “Modewandern” hatte ich allerdings bisher das Hin- und Hergestakse von Mager-Models auf dem Laufsteg verstanden. Aber der Premiumweg wird nun auch zum Modeweg, sozusagen zum “Weg à la mode” mit den Frühjahrskollektionen von Hermès Wolfskin, North Gucci Face und Versace-Vaude. Alles präsentiert in der Wander-Vogue. Très chic!



Wandervögel und Wanderfalken

Geschrieben am um 12:55

Am letzten Sonntag fand in der Südpfalz ein Meilenstein der deutsch-französischen Freundschaft statt: Das erste deutsch-französische Wanderfest in Schönau. Darf man sagen, dass es Kaiserwetter war? Oder ist das entgegen den Regeln der deutsch-französischen Freundschaft? Die Franzosen scheinen es nicht so mit Obrigkeiten und Autoritäten zu haben, denn als mich der deutsche Moderator als “Wanderpapst” in Anführungszeichen ankündigte (wieso eigentlich “Anführungszeichen”???) übersetzte die Übersetzerin das mit “specialiste de randonner”. Wahrscheinlich heißt der Papst in Rom auf französich “specialiste de la Religion”.

 

 

Ich hatte noch am Vortag in der FAZ gelesen, dass auf der Arbeitsebene zwischen dem deutschen Kanzleramt und dem Büro des französischen Präsidenten Funkstille herrschen würde. Kann man da nicht auf der Wanderebene zusammen kommen? Angela Merkel ist doch eine begeisterte Wandererin. Adenauer hat Boccia gespielt, Willy Brandt lauwarm gebadet, Kohl hat seine Kinder auf dem Wolfgangsee rudern lassen und Angie wandert. Und was ist mit Monsieur Hollande, ist der kein “specialiste de randonner”?

Wir wanderten zur Wegelnburg, und da wir uns im Dahner Felsenland befanden, gab es natürlich auch jede Menge Felsen zu bewundern. Wie zum Beispiel den Hirtsfelsen. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man eine Menge weißer Streifen. Das ist nicht eine kreative Felsdekoration oder vielmehr doch, denn dafür zeichnen die Wanderfalken verantwortlich, die den Felsen als Heimat betrachten. Die weißen Streifen kennzeichnen die Latrinen der Wanderfalken.

 

 

Die Wanderfalken stehen unter strenger Beobachtung. Auf einer Wiese saß in der prallen Sonne ein NABU-Mitarbeiter und kontrollierte den Stuhlgang der Wanderfalken. Noch viel mehr gab er allerdings darauf acht, dass keine Spitzbuben die Wanderfalken entführen und in (beispielsweise) arabische Länder verkaufen.

 

 

Unsere kleine Wandergruppe hatte einen Wanderführer mit neongrüner Warnjacke dabei. Er passte auf, dass keine Spitzbuben die Wandervögel entführen und in (beispielsweise) arabische Länder verkaufen. So etwas soll tatsächlich schon vorgekommen sein. Zur allgemeinen Erbauung las unsere Wanderführer aus den spannendsten Passagen des Elysee-Vertrags vor. Schade, dass Merkel und Hollande das nicht live miterlebt haben!

 

 



Schnaps, das war mein letztes Wort…

Geschrieben am um 8:52

Letzten Sonntag wurde der sehr spektakuläre Peterstaler Schwarzwaldsteig eröffnet. Wie es sich für den Schwarzwald mit seiner Brennrecht-Tradition gehört, spielte das Thema Schnaps eine große Rolle. Sehr beeindruckt war ich von einer Idee von Verena. Verena ist Deutschlands jüngste Brennmeisterin und auch wahrscheinlich die pfiffigste. Denn Obstsorten kann ja jeder, daher hat sich Verena einen Fichtenschnaps ausgedacht. Wer das für eine Schnapsidee hält, sollte den Black Wood einfach mal testen. Er riecht erst einmal sehr nach Holzleim, aber wenn man den ersten Schluck intus hat, ist das ein unglaubliches Geschmackserlebnis. Als hätte man in einen Fichtenstamm gebissen, Wahnsinn.

 

 

Auch am Schnapsbrunnen der Familie Huber musste unsere kleine Wandertruppe halt machen. Dort kann man sich mit diversen Schnäpsen und auch nicht-alkoholischen Getränken stärken und dafür einen Obulus in der Kasse hinterlassen – oder auch nicht. Ich finde das sagenhaft, mit welchem Engagement und welcher Liebe die Anrainer des Peterstaler Schwarzwaldsteig bei der Sache sind. Ich möchte jeden Wanderer bitten, ordentlich in die Kasse bei Hubers einzuzahlen.

 

 

Nun ja, und was wäre ein Ausflug in den Schwarzwald ohne Kirschwasser: Ein Schurkenstück, genau. Ich genoß das Kirschwasser mit jeder Menge der berühmten Torte drum herum. Danach konnte ich nicht mehr “Schnaps” sagen, so satt war ich. Damit war Schnaps wirklich das letzte Wort für mich gewesen. Zumindest für letzten Sonntag, inzwischen habe ich die Sprache wiedergefunden, so schnell tragen mich die Engelein noch nicht fort.

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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