Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Waldkindergarten-Kinder aus Holz

Geschrieben am um 7:52

Prinzipiell bin ich ja ein großer Fan von Waldkindergärten. Die Idee, die Kassen der öffentlichen Hand nicht mit dem teuren Bau und Unterhalt von Kindergarten-Gebäuden zu belasten ist doch klasse. Ein Waldkindergarten härtet im positiven Sinne ab, schützt vor einem Haufen Krankheiten und Allergien. Außerdem stärkt das tägliche Draußen-Sein der Kids das Naturverständnis und weckt eine Sinnenschärfung für die Jahreszeiten und Großwetterlagen. Waldkindergarten also gleich Super-Toll! Nun wanderte ich aber vorgestern zwischen Velbert und Essen so dahin und kam an einem ebensolchen super-tollen Waldkindergarten vorbei. Und ich sah Holzskulpturen, die zeigen, was aus Kindern wird, die einen Waldkindergarten besuchen. Schauen wir uns das mal genauer an:

Dieses Mädchen hält affektiert einen Vogel in die Höhe:

Hör mal, liebes Waldkindergartenmädchen, Verbundenheit mit der Natur hin oder her, aber wenn Du den Vogel nicht ausstopfst und an Deine Hand tackerst, bleibt der unmöglich dort hocken, auf Deiner Hand. Denn Vögel sind von der Natur mit der Gabe des Fluges ausgestattet, deshalb muss man die Piepmätze nicht blöde in die Höhe strecken, damit sie einen besseren Überblick haben, die können das schon selber, liebes Waldkindergarten-Mädchen.

Und du lieber Waldkindergarten-Junge, was hat man dir denn im Waldkindergarten beigebracht?

 

Hat man dir dort beigebracht, dass es super cool ist, die Hände in den Hosentaschen zu vergraben, anstatt höflich die Hand zum Gruße zu reichen? Und wo guckst du überhaupt hin, lieber Waldkindergarten-Junge? Zu den Vögeln, die nicht in den Lüften sich erheben könne, weil sie auf dem Handteller Deiner Waldkindergarten-Freundin festgetackert sind? Oders siehst Du sowieso gar nix, weil Dich der Schirm Deiner gelben Kappe daran hindert? Mensch, Ihr Waldkindergarten-Kinder, Ihr könnt einem echt leid tun. Hoffentlich sind die Holzskupturen nicht ein Abbild der Realität …



“Der Wanderer flüchtet fast schon”

Geschrieben am um 19:42

“Der Wanderer flüchtet fast schon”, dies war die Überschrift eines Interviews in der FAS von gestern. Ich war in höchstem Maße erstaunt und stellte Mutmassungen an, vor wem ein Wanderer flüchten möchte. Vor Mountainbikern? Vor Nordic Walkern? Vor Pilgern? Na ja, so schlimm sind die doch alle gar nicht. Nerven ein wenig, aber muss man direkt flüchten? Mit zittrigen Händen nahm ich die FAS zur Brust und vertiefte mich in das Wortlautinterview. Ein Herr Weisshaar wurde interviewt, seines Zeichens Spaziergangsforscher, Promenadologe. Was sich wie ein Aprilscherz anhört, wurde tatsächlich vor Jahren an der Gesamthochschule Kassel gelehrt.

 

Nun, Herr Weisshaupt weiß also wovon er spricht und erklärte in der FAS den Unterschied zwischen Spazierengehen und Wandern wie folgt: “Der Wanderer läuft meist durch die Landschaft. Im Idealfall verlässt er sein Zuhause für ein paar Tage, flüchtet fast schon. So wie Wolfgang Büscher, der von Berlin nach Moskau gelaufen ist. (…) Ein Spaziergänger hingegen ist nur für ein paar Stunden draußen unterwegs und bleibt seinem städtischen Zuhause verhaftet.”

Seit ich das gelesen habe, bin ich sehr sehr traurig. Dachte ich doch immer, ein ordentlicher Wanderer zu sein. Aber ich bin NUR ein Spaziergänger, denn meistens bin ich auf irgendwelchen Premiumwegen nur wenige Stunden unterwegs, und das ist nun mal, weiß ich seit gestern, definitiv nicht Wandern. Berlin – Moskau bin ich natürlich auch noch nicht weggewandert, das Urteil ist klar: Ich bin kein Wanderer. Na ja, wenn man die Strecke Berlin – Moskau zum Wanderer-Maßstab nimmt, ist wahrscheinlich seit den 40er Jahren überhaupt gar nicht mehr so viel gewandert worden. Sei’s drum, ich konnte mich sowieso direkt mit den beiden Spaziergängern identifizieren, die auf dem Foto zum Interview abgebildet waren. Es heißt ab heute für mich: Ade Wandern, Hallo Spaziergehen, und sie lesen auch gerade einen Spaziergängerblog. Ich bin sehr sehr traurig.

 



Wandern ohne Einkehr ist kein Wandern

Geschrieben am um 8:40

Die Prioritäten des Wanderers scheinen gut erforscht. Der Wanderer steht total auf

1. Natur

2. Natur

3. Natur

Hm. Ich kenne allerdings auch viele Wanderer und ich zähle mich eigentlich auch dazu, die stehen auf:

4. Einkehr

5. Einkehr

6. Einkehr

Schön ist natürlich, wenn die Punkte 1 bis 6 zusammen kommen. Wie beim Wiesensteig in der Ortenau/Schwarzwald im Tal der wilden Rench. Die Punkte 1 -3  können wir schnell abhaken, alles tiptop, 71 Punkte vom Wanderinstitut bekommen, Natur ist super. Aber schauen wir uns doch mal die Gastronomie am Wiesensteig an.

 

Auf der Hälfte des Weges kann man in der Renchtalhütte einkehren. Etwas voll ist es dort an Sonntagen zwischen Mai und September, aber die Hütte wird vom Vollblut-Gastronomen Meinrad Schmiederer betrieben, der auf der anderen Talseite das Fünf-Sterne-Hotel Dollenberg betreibt. Schmiederer ist selber leidenschaftlicher Wanderer und sagt: “Wandern ohne Einkehr ist kein Wandern”. Nun gut, der Mann ist Gastronom, der muss das nun mal sagen. Aber das Geile an der Renchtalhütte ist: Sie hat 365 Tage im Jahr geöffnet, auch an einem Montag im November bei strömenden Regen bekommt man dort um vier Uhr nachmittags eine warme Suppe. Sensationell.

Wenn man dann einen Kilometer weiter geht, bekommt man unter Umständen von der barmherzigen Frau Bruder einen Kirschwasser aufgedrängt.

 

Weitere zwei Kilometer später, am Huberhof, dann Mineralwasser und Äpfel zum Mitnehmen, Schnaps zum probieren.

 

Auch wenn der grüne Wiesentrunk ausschaut, als bekäme man davon Halluzinationen oder bleibende Schäden – bitte probieren, es ist ein köstliches Zeug und wohl bekömmlich.

 

Da man vielleicht kurze Zeit später, auf dem Wiesensteig das Tal der Wilden Rench bergauf gehend schon wieder unterhopft ist und ein kleines Hüngerchen verspürt, kann man natürlich im “Herbstwasen” einkehren. Richtig gute Küche und eiskalte Getränke.

 

 

Ein Traum – für JEDEN Wanderer.

 



Neanderlandsteig

Geschrieben am um 7:33

Meine Damen und Herren, ich habe die Ehre, Ihnen heute, weltexklusiv sozusagen, einen brandneuen Wanderweg im Herzen von Nordrhein-Westfalen vorzustellen: Den Neanderlandsteig im Kreis Mettmann. Ich hatte ehrlich gesagt den Kreis Mettmann nie wirklich als Wanderdestination auf dem Schirm gehabt. Eine Landschaft zwischen Düsseldorf, Essen, Wuppertal und Leverkusen, dicht besiedelt, viele Verkehrswege, da soll man wandern können? Um es vorweg zu nehmen, man kann es, durchaus.

 

Der Neanderlandsteig wird in drei Etappen eröffnet werden, 2014 ist das Ding dann ein runde Sache. Für den 7. Oktober 2012 ist die Eröffnung der ersten fünf Etappen von Gruiten nach Velbert geplant – und ich kann versprechen, dass der Eröffnungstermin wesentlich verlässlicher als der Starttermin des neuen Berliner Flughafens ist.

Jetzt erst mal zum Namen des Weges: Neanderlandsteig. Natürlich war der Neandertaler nicht im gesamten Kreis Mettmann unterwegs. Aber jedes Kind braucht einen Namen, und Neanderlandsteig ist nun mal griffiger als Der-Kreis-Mettmann-mit-Anbindung-an-Wülfrath-Velbert-Monheim-Langenfeld-Gruiten-Ratingen-Steig. Der Steig wird allerdings nicht am Neandertalmuseum vorbei führen, weil es dort nur fiese Asphaltwege gibt. Aber es gibt ja auch nicht nur Knochen im Neandertal, sondern auch Pfaue.

Einkehrmöglichkeiten (zu diesem Thema im Übrigen mein nächster Blog) gibt es natürlich auch. In Düssel (nicht …dorf, sondern einfach Düssel, ohne …dorf) in Düssel also aß ich einen hervorragenden Pillekoken. Der Riesenreibekuchen war genauso schmackhaft wie der Name großartig ist. PILLEKOKEN ROCKT!!!

Und dann fand ich sie, die magische, die einzige, die unglaubliche Quelle der Düssel, ein Fluss, der einem ganzen Dorf seinen Namen gab. Das soll jetzt hier echt nicht auf ein Düsseldorf-Bashing hinauslaufen, aus dem Alter bin ich echt raus, aber dass die Quelle der Düssel gewisse – äh – Öffnungszeiten hat, ist doch ziemlich lustig.

 

Ich kann nur sagen, auf dem Neanderlandsteig wird es jede Menge zu entdecken geben, lasst Euch überraschen…

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

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