Wander-Blog von Manuel Andrack

Die besten Wander-Storys der Welt




Wandern und Witze

Geschrieben am um 13:42

Kennt ihr den? Zwei ältere Männer gehen miteinander wandern. Sie bekommen mit der Zeit einen richtig großen Hunger. Nach langer Zeit laufen sie an einer Wirtschaft heran. Draussen steht eine Tafel: „Hier essen Sie wie zu Hause.“ Da meint der eine zum anderen: „Komm, wir gehen ein Haus weiter.“

Wer so etwas irre komisch findet, ist genau richtig auf dem Witzweg im Appenzeller Land. Ein Wanderweg mit Tafeln, auf denen an die hundert Witze zu lesen sind.

Wer das nicht so richtig lustig findet, der sollte meine große Witzweg-Reportage im aktuellen WANDERMAGAZIN lesen. Im gleichen Heft findet sich übrigens auch eine noch größere Reportage über meine Wander-Erlebnisse in der belgischen Wallonie. Ein richtiger Geheim-Tipp. Wie bitte? Ach so, ihr wollt noch einen Witz vom Witzweg lesen. Bitte schön:

Was schenkst du denn deiner Frau zum Geburtstag? – Etwas, dass zu ihrem Gesicht passt“ – „Was ist das denn?“ – „Ein Faltenrock“



Kein Traumpfad – leider

Geschrieben am um 20:54

Die Traumpfade an Rhein, Mosel und in der Eifel sind in wenigen Jahren eine überaus erfolgreiche Wandernarke in Deutschland geworden. Super professionelles Marketing, ein unschlagbar guter Internet-Auftritt und natürlich – das A und O: Topwege. Bei dem Traumpfaden hat man wirklich darauf geschaut, dass nur top bewertete Wege zu dem Traumpfaden zählen. Darf man sich normalerweise schon ab 35 Punkte (die das Wanderinstitut vergibt) als Tagestour Premiumweg nennen, muss ein Traumpfad mindestens 50 Punkte erreichen. Das hat nicht das Wanderinstitut entschieden, das ist eine selbst gelegte Latte der Traumpfade-Touristiker.

Nun hat aber die Region Weißenthurm gemault, auch einen Traumpfad haben zu wollen, und man hätte doch diese tollen Streuobstwiesen bei Mülheim-Kärlich.

 

Bingo, schon entstand der Streuobstwiesenweg. Tragisch nur, dass es der Weg in der Zertifizierung “nur” 45 Punkte erreichte. Eigentlich ein ordentliches Ergebnis, ein klarer Premiumweg, aber eben kein Traumpfad. So muss der Streuobstwiesenweg auf der Übersichtskarte der Traumpfade und im Internet-Auftritt ein Schwarzer-Schaf-Aschenputtel-Dasein fristen. Schade. Wenn man den Weg im Frühjahr wandert, kann man solche tolle Blüten sehen:

 

Das ist doch alleine 480 Blütenpunkte wert! Ich frage mich, ist die Blütenpracht überhaupt mitbewertet worden? Nun gut, man sieht des öfteren das alte AKW am Rhein, aber das wird ja bald gesprengt. Und in der Praxis sieht es nun mal so aus, dass der Weg extrem gut von den Wanderern angenommen wird. Ich wanderte dort an einem Mittwoch im April und zählte an einem Nachmittag 89 Wanderer, die mir entgegen kamen. Das ist ein unglaublicher Spitzenwert. Und alle fanden, trotz AKW: Kärlich is herrlich

Deshalb fordere ich: Macht den Streuobstwiesenweg zum Traumpfad. Er hat es verdient!



Mein rechter Fuß

Geschrieben am um 13:04

Vorgestern war ich in Köln beim orthopädischen Schuster meines Vertrauens. Anlass meines Besuchs war das schockierende Erlebnis, als ich Ende März beim Wanderauftakt im Donnersbergkreis von meiner Wanderanamolie erfuhr. Diese traumatische Erfahrung habe ich unter “Meine Welt stürzte ein wie ein Kartenhaus, ich brach auf der Stelle in Tränen aus” gebloggt. In diesem Zusammenhang herzlichen Glückwunsch an Jochen S. aus Saarbrücken an der Saar, der spontan erkannte, dass die Blogüberschrift dem weltberühmten Grace-Kelly-Song von Die Ärzte entlehnt ist. Jochen S. ist fürstlich für seine Entdeckung entlohnt worden. Apropos Ärzte. Auf deren neuen, sehr schönen CD “auch” outet sich Farin Urlaub als Wanderer, der auf einem Waldspaziergang ein Stück heiliges Holz findet und sich aus diesem einen Gott schnitzt. Ein wunderschöner Song, danke Farin!

Jetzt aber zurück zu meinem rechten Fuß, mit dem ich mal zum “Ortho” sollte, weil ich den so “wegschlenkere” beim Wandern. Thomas (so heißt der orthopädische Schuster meines Vertrauens), Thomas also fragte mich, ob mir denn irgend etwas weh tue. Nöö, habe ich geantwortet. Na, dann ist doch alles prima, dann gehst du eben so, wie du gehst. Da gäbe es, so Thomas, auch wieder tausend Theorien, aber seiner Meinung nach habe der eine Haarausfall, die andere sehr große Brüste, und ich würde eben mit dem rechten Fuß etwas nach außen schlenkern. “Sollen wir das jetzt orthopädisch ändern?” fragte er rhetorisch. Mit dem herumdoktern könnten Probleme und Schmerzen auftauchen, die eigentlich nie ein Thema waren.

Fazit. Ich darf so wandern, wie ich bin. Nicht perfekt, sondern mit dieser leichten Besonderheit, so dass man schon auf ungefähr zwei tausend Metern sieht: schaut Euch das an, da hinten wandert der Andrack.



Letzte Woche bin ich auf dem E8 gewandert

Geschrieben am um 7:46

 

Ich bin ja kein richtiger Fernwanderer, daher bin ich auch nicht die gesamte Strecke gegangen, nur so ein kleines Stück am Niederrhein, im Maas-Schwalm-Nette-Gebiet an der holländischen Grenze. Ich habe sozusagen schon die Nordseeluft riechen können. Die Gegend um Lobberich herum ist ein veritables Freizeitgebiet. Dort kann man schwimmen und angeln, Kanu fahren und Radfahren. Aber was ist das alles gegen eine schöne Partie Miniaturgolf. Ich habe schon oft festgestellt, dass schöne Wanderwege an Fußballfeldern, Kläranlagen und Freibädern vorbei führen. Aber meines Erachtens werden viel zu selten Minigolf-Anlagen passiert

 

Oder täusche ich mich da etwa? Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber die Mischung Premiumweg/Qualitätsweg/Weitwanderweg und Mini-Golfplatz ist eine Rarität. Obwohl es sich bei dem Mini-Golfplatz an der E8 natürlich genau genommen um eine Miniatur-Golfbahn handelt, das sind die mit den Sieben-Meter-Eternit-Bahnen, die man nicht betreten darf. In meiner wild bewegten Jugend war ich einige mal Amateur-Tagesieger auf der Miniaturgolf-Anlage in Dahme/Ostsee. Ach herrje, ist das lange her.

Zurück zum E8. Die Natur am Weg ist spektakulär abwechslungsreich. Auenlandschaften, Seen, Felder, Weidenbäume, kleinen Forstungen, wunderbar. Aber der totale Knaller ist ein Feuchtbiotop am De Wittsee.

 

Erst mal ist es ziemlich FEUCHT dort, (ein ausgedehntes Schilfgebiet), dann total BIO (Super Pflanzen wachsen da: Froschlöffel, Blut-Weiderich, Flatter-Binse, der giftige Hahnenfuss, der bittersüsse Nachtschatten). Und natürlich wäre das Feuchtbiotop kein richtiges Feuchtbiotop, wenn sich nicht haufenweise TOP-Tiere dort pudelwohl fühlen würden. Es quakt, kräht und schnattert dort, dass man halb taub wird. Ein Paradies für Have-a-Break-have-a-Kitkat-Fans…

 



Immer falsch gewandert?

Geschrieben am um 21:53

Manchmal nervt es echt. Man hat einen wunderschöne Wanderung hinter sich, ist von einem Ortskundigen begleitet worden. Man ist voll des Lobes über Aussichten, Wiesengründe, die erlebte Natur im Speziellen und auch im Besonderen. Aber dann kommt das große ABER. “Aber,” sagt dann nämlich der Ortskundige, “aber Sie müssen mal im (wahlweise) April/Mai/Juni/Oktober/Dezember wieder kommen, wenn die (wahlweise) Orchideen, Kirschbäume, Sumpfdotterblumen oder auch einfach das Marzipan blüht. Mensch, denkt man sich dann, was bin ich nur für ein Trottel, dass ich IMMER, aber auch wirklich IMMER zur falschen Jahreszeit auf diesen Wegen unterwegs bin. Aber am 11. APRIL bin ich zur richtigen Zeit gewandert.

 

Streuobstwiesenweg am Rhein in Mülheim-Kärlich. Den Weg sollte man nun wirklich wandern, wenn die Tausenden Obstbäume, Apfel- ,Kirsch-, Holunderbäumen blühen. Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, das nicht wunder- wunderschön zu finden. Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass die Gegend nördlich von Koblenz eine solche Obstgegend ist. Und sie beschäftigt die Menschen – ich sah Obstbauern, die eifrig an den blühenden Bäumen herum schnitten und Zeugs auf die Blüten spritzten. Wahrscheinlich alles total ökologisch, ist doch logisch. Außerdem hat man in dieser Region ein Faible für Weidenbäume und Weiden, blöd nur, wenn der Weidenkorb erstens zu groß geraten ist und zweitens dann auch noch kaputt ist. Kinder, so geht das aber nicht!

 

Man könnte jetzt natürlich denken, Mist, wenn ich zum Streuobstwiesenweg fahre, ist bestimmt  alles verblüht. Aber keine Angst, zur Zeit ist es ja wieder etwas kühler und wechselhaft geworden, die Bäume haben noch nicht ihre volle Blütenpracht erreicht. Lassen Sie alles stehen und liegen und fahren sie nach Mülheim-Kärlich, übrigens auch gut mit dem Bus 357 aus Richtung Neuwied und Koblenz zu erreichen, wochentags halbstündlich angebunden, einfach Kärlich Kirche aussteigen und dann über die Blütenstraße und “Im grünen Meer” (sind das nicht tolle Straßennamen?)zum Streuobstwiesenweg wandern.

 

Alles traumhaft, eigentlich. Aber warum der Streuobstwiesenweg trotzdem kein Traumpfad ist, aber einer sein sollte, dazu bald mehr an gleicher Stelle.

 



Mein schönstes Ostererlebnis

Geschrieben am um 12:05

Kurz bevor ich nach Mainz fahre, eine Auswärtspartie höchst ungewissen Ausgangs, möchte ich schnell mein schönstes Ostererlebnis verkünden. Es hat sich mittlerweile herum gesprochen, dass man als FC-Fan mit tonnenweise schlechten Nachrichten leben muss:

– eine grottenschlechte Rückrunde, Ergebnis: Abstiegsplatz

– seit Monaten kein Präsident, die Nachfolge droht zur großen Schlammschlacht zu eskalieren

– seit Wochen kein Sportdirektor, Nachfolge ungewiss

– Suff-Skandal I, die slowenische Variante: Brecko genehmigt sich einen auf der FC-Karnevalsfeier (wie will man auch sonst einen Karnevalssitzung überleben?) und landet mit seinem Auto im Gleisbett der KVB

– Suff-Skandal II, die polnische Variante: Peszko trinkt nach dem Spiel gegen Bremen einen über den Durst, hat eine kleine Diskussion mit einem Taxifahrer und landet in Polizeigewahrsam

Alle Diskussionen um Solbakken, Wilde Horde, Geromel, Poldi und und und verschweigen wir mal ganz.

Aber dann diese Szene: Ostersamstag, Müngersdorfer Stadion, 15.46 Uhr. das Spiel gegen Bremen läuft seit sechzehn Minuten, es steht 0:0. Da ergreife ich meinen Chance. Denn unserer Ultras, die Wilde Horde, sind verstummt, geben nicht mehr den Ton der Stadion-Gesänge an. Die Gesänge kommen anarchisch aus allen Ecken des Stadions, wunderbar. Auswärts, in St.Pauli, Cottbus, Freiburg, Augsburg, ja auswärts habe ich schon oft die Kurve angesungen. Das war relativ einfach. Um 15.46 Uhr am Ostersamstag stimme ich an : „Denn mer sin kölsche Jonge…“, zwanzig Sekunden später singt das halbe Stadion mit – 25.000 Leute. Ich bin überglücklich. Endlich mal ein positive Nachricht im Zusammenhang mit dem 1.FC Köln!



Kraft-Ei und Schleifer Andreas

Geschrieben am um 17:25

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas. Hier Teil 3 meiner Kletterhallen-Vorbereitung.

Nach der zweiten Kletterstunde war ich in ein einschlägiges Sportgeschäft gegangen, um mir einen Unterarm-Mucki-Fitmacher zuzulegen. Ich stehe staunend vor einem Power-Grip, einem Knetball, und einer Knetmuschel. Ich entscheide mich für ein Kraft-Ei. Grün und weich ist das Ei, erinnert an das Zeug, dass es früher unter dem Namen SLIME zu kaufen gab.

Kletterhalle, die Dritte. Wie bei vielen sportlichen Betätigungen, die man als blutiger Laie beginnt, ist der Anfangserfolg enorm. Ich  schaffe problemlos zusammengerechnet 120 Meter Kletterwand, elfmal steige ich innerhalb einer Stunde hoch. Nach dem zehnten Versuch kann ich eigentlich nicht mehr, aber Schleifer Andreas jagt mich noch mal hoch. “Und jetzt Tempo – eine Gewitterfront zieht auf” ruft er von unten am Sicherungsseil. Ich klettere wie ein Verrückter. Andreas war eben beim Bund Ausbilder für Einzelkämpfer, man muss es ihm also verzeihen, dass er mich so scheucht.

Seit viele Tagen erreichen mich gute Tipps von allen Seiten, die einen sagen, ich solle mir gute Bergstiefel besorgen, die würde ich im Hochgebirge brauchen. Quatsch, sagen die anderen, vielleicht sollte ich nicht gerade mit meinen geliebten Jogging-Schuhen den Watzmann hoch gehen, aber meine normalen leichten Wanderschuhe würden reichen, Bergstiefel seien doch viel zu schwer. Auch Andreas macht mir bei der dritten Kletterstunde Mut. Er habe sich erkundigt, wenn ich den sogenannten Berchtesgardener Weg in der Watzmann-Ostwand steigen würde, wäre das kein Problem für mich. Und auf die Kletterpassage würde er mich vorbereiten. Schön sind auch die vertrauensbildenden Maßnahmen, die ich mit Andreas trainiere: Einfach mal ein Abrutschen simulieren und ins Seil fallen lassen. Wichtig dabei: Finger weg von der Wand. Das kann bei einer Naturwand dazu führen, dass ein Finger im Fels stecken bleibt. Aua.

… und weiter geht es im GEO Special Heft …



Der Watzmann schreit nach mir

Geschrieben am um 19:45

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas. Hier Teil 2 meiner Kletterhallen-Vorbereitung.

Kletterhalle, die Zweite. Ich bin bei meiner zweiten Kletterstunde nach dem Einführungskurs alleine mit Andreas – und muss nicht sichern, sondern nur klettern.

Zunächst geht es ganz gut, obwohl oder gerade weil ich meine Wanderschuhe anhabe, um das Watzmann-Feeling zu simulieren. Ich gehe langsam, belaste vor allem meine Beine. Prima, also weiter an die Zwölf-Meter-Wand. Beim Hochklettern habe ich noch den letzten Tipp von Andreas im Ohr: ich solle mich nur auf den nächsten Griff, den nächsten Tritt nach oben konzentrieren, was unten herum passiert wäre egal. So könne man die Höhenangst besiegen. Andreas hat eine Theorie, warum man im Alter mehr Höhenangst als in der Jugend hat. Man habe einfach mehr zu verlieren, Job, Kinder, Familie, das wäre einem in jungen Jahren egal, aber im Alter würde dieser Film mitlaufen. An der Watzmann-Wand müsse ich bis zu 1.000 Meter hinunterschauen. Dann käme ich leicht in die Panikzone, das wäre die Steigerung von einfacher Höhenangst, dann ginge gar nichts mehr. Wenn ich schon den Begriff “Panikzone” höre, gerate ich in Panik. Mir perlt der Schweiß, ich werde hektisch, spüre erstmals meine  Unterarme. Kaum unten, scheucht mich Ausbilder Andreas wieder hoch, meine Unterarme sind popeye-dick und bretthart. Andreas gönnt mir eine Pause, ich kann den Stift für meine Notizen nicht halten, beim Öffnen der Wasserflasche muss mir Andreas helfen. Dann wieder hoch und noch mal und noch mal. Ich beginne am Watzmann-Projekt zu zweifeln.

Dann telefoniere ich – zwei Wochen bis zum Watzmann bleiben mir noch – mit meinem Bergführer, dem Heinz Zembsch aus Berchtesgarden.

“Du bist doch der von Harald Schmidt, ich kenne dich” begrüßt der 68-jährige mich am Telefon. Das mit den Kletterpassagen findet ER nun wiederum gar nicht so heikel, da zieht er die Ungeübten wahrscheinlich sowieso mit dem Seil hinauf, wenn sie es nicht packen. Meine Kondition macht ihm Sorgen, sieben Stunden hoch, fünf Stunden hinunter, das ist eine kernige Zwölfstundentour. Ich beruhige ihn und mache mich an die Konditionsarbeit, gehe 50 Kilometer am Stück im Saarland, 40 Kilometer auf und ab am Rhein. Mich wird nichts und niemand mehr aufhalten, der Watzmann ruft nicht, er schreit schon nach mir!

… übermorgen geht es weiter …

 



Von „Wanderschweinen“ und einem Schlumpfine-Aufstieg

Geschrieben am um 22:00

Letztes Jahr im August habe ich die Watzmann-Ostwand durchstiegen. Meinen Report kann man im neuen GEO-Special lesen. Aber wie und wo habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet? In Saarbrücken, in der Kletterhalle an der Mainzer Straße mit Andreas.

Kletterhalle, die Erste. Ich stehe mit Andreas und zwei Teenies in der Kletterhalle Saarbrücken. Ein Sonntag Mitte Juli, ein regulärer Kletterhalleneinführungskurs. Andreas arbeitet als Heimerzieher und ist ausgewiesener Kenner der Kletterpädagogik. Das merkt man schnell. Die Sicherungsschlinge für den Kletterer wird nach der Regel “Fritz läuft einmal um den Baum herum und springt dann von hinten in den See” gebunden. Die Knoten, die wir üben, sind Old School. Die Doppel-Achter zum Sichern des Kletterers hat schon der alte Luis Trenker gebunden. Andreas sagt: “Der war eigentlich kein guter Kletterer, aber ein gnadenlos guter Selbstvermarkter”.

Andreas war beim Bund, Fallschirmspringer, er hat überlebt. Das heißt, er hat immer viel Wert auf Sicherheit und Materialprüfung gelegt. In der Kletterhalle Saarbrücken, in der früher Karnevalsveranstaltungen stattfanden, ist seit der Eröffnung vor zwei Jahren noch kein Unfall passiert. Andreas stellt direkt klar: Bergsteigen ist nicht Klettern. Der Bergsteiger will auf den Gipfel, egal wie, egal mit welchen Hilfsmitteln, möglichst schnell. Den Kletterer interessiert der Gipfel nicht. Nur die nächste schwierige Wand reizt ihn. Der Kletterer würde am liebsten immer mit dem Auto direkt vor der Felswand parken. Geht das nicht, muss er gar zwei, drei Kilometer zum Felsen seiner Träume gehen, schimpft der Kletterer, man sei doch keiner von den “Wanderschweinen”. Die Kletterer sagen wirklich zu Leuten wie mir “Wanderschweine”! Diese Klettersäue! Dann geht es nach einer Stunde Theorie endlich los. Ich bekomme in Sekundenschnelle heftige Schweißausbrüche, die nicht von der Anstrengung kommen können. Kann das zierliche Mädchen unten am Seil mich überhaupt halten? Ich werde hektisch. Schürfe mir das Knie ab. Ich erinnere mich, dass man möglichst nicht mit kurzen Hosen klettern sollte, vor allem nicht als Anfänger.

Zweiter Kletterversuch. Ich merke schon bald, wie die Unterarme “zu machen”. Andreas hatte mich gewarnt, Kraft in den Unterarmen müsse ich mir antrainieren. Es kämen Body-Builder zu ihm in die Kletterhalle, die hätten tausend Volt im Oberarm, aber nichts in den Unterarmen. Pah, ich schleppe seit sieben Monaten den halben Tag ein Baby auf den Armen herum, das wird ja wohl reichen. Falsch, Babytragen bringt es nicht. Und ich weiß, warum alle wollten, dass ich ordentlich in der Kletterhalle übe. Wenn mir das nach 1.700 Höhenmetern am Watzmann passiert, dass meine Unterarme ihren Dienst versagen, dann habe ich ein Problem. Die muss ich noch ordentlich trainieren, die Unterarmmuskeln. Die haben natürlich auch mein Schlachtgewicht von 93 Kilogramm zu tragen. Abnehmen wäre auch eine Option. Aber richtiger Gewichtsverlust geht nur mit brachialem Fasten, dann bin ich am Watzmann womöglich noch geschwächt. Fasten-Option ist gestrichen.

Dritte Kletterwand. Bisher bin ich Smarties geklettert, so heißt das, wenn die Anfänger jede Möglichkeit mit Händen und Füssen ergreifen, hoch zu kommen. Eigentlich sollte man nur die grünen, oder die roten oder die grauen Knubbel benutzen, um  nach oben zu kommen. Bei diesem dritten Mal nehme ich mir vor, AUSSCHLIESSLICH die blauen Knubbel zu nehmen.

Das ist der einfachste Weg überhaupt, Schwierigkeitsgrad 3+ (es geht bis Schwierigkeitsgrad 10). Der Aufstieg hat den Namen “Schlumpfine”. Ich scheitere jämmerlich, stürze ab, muss doch wieder auf andersfarbige Knubbel zurückgreifen. Ist das peinlich. Der Schlumpfine-Aufstieg war zu schwer für mich!

… übermorgen geht es weiter…

 


Wer glaubt, Wandern ist fade und die Vorstufe zur Rollator-Rallye, muss diesen Blog lesen und wird staunen. Ob Kurioses am Wegesrand, schräge Hinweistafeln, Lebensgefahr am Wanderweg, skurile Wandervögel, betreutes Trinken am Steig, gigantische Aussichten oder extreme Herausforderungen im deutschen Mittelgebirge – bei andrackblog.de gibt es alles über das Thema Wandern. Jede Woche neu, (relativ) aktuell. Die besten Wander-Storys der Welt eben.

Suche


RSS Feed abonnieren



© Copyright 2008 - 2017 Manuel Andrack.